HFK JAZZCLUB PRO

HfK Jazzclub Pro

29.11.2018 - 20 Uhr / Zu Gast im HfK Jazzclub: Björn Lücker Aquarian Jazz Trio feat Gary Peacock und Florian Weber.
Eintritt € 10 / 5 erm.

Für die diesjährige Ausgabe seines Projektes „Aquarian Jazz Music“ hat der Hamburger Schlagzeuger Björn Lücker ein internationales Trio zusammengestellt, mit dem er im November/Dezember auf Tournee sein wird. Hierfür konnte er mit Gary Peacock einen der massgeblichsten Bassisten der Jazzgeschichte und seinen absoluten Traumpartner sowie den renommierten
deutschen Pianisten Florian Weber gewinnen, beides Künstler des Plattenlabels ECM. Alle drei Musiker sind bekannt dafür, trotz tiefer Verwurzelung in der Tradition eine sehr freigeistige und innovative Herangehensweise an den Jazz zu pflegen und werden bei den Konzerten eine spannende Mischung aus Eigenkompositionen, Standards und (noch) unvorhersehbaren musikalischen Ereignissen präsentieren.

Gary Peacock hat mehrere Generationen derjenigen Bassisten beeinflusst, die Möglichkeiten gesucht haben, die Rolle des Bassisten als reiner Timekeeper und harmonischer Begleiter zu erweitern. Die Fähigkeit, rhythmische und harmonische Freiheit in jeden musikalischen Kontext zu bringen, ist sein Markenzeichen seit 60 Jahren, und seine richtungsweisende Arbeit mit Innovatoren wie Bill Evans, Miles Davis, Paul Bley und Albert Ayler in den 1960er Jahren haben zu einem neuen Konzept des Jazzbassspiels geführt. Peacock, geboren 1935 in Idaho, ist seit seinem sechzehnten Lebensjahr Profimusiker, wobei er zunächst Klavier und Schlagzeug spielte, bevor er den Kontrabass entdeckte. Gerade als er ein Musikstudium in Los Angeles aufnehmen wollte wurde er eingezogen und leistete seinen Wehrdienst in Deutschland, wo er anschliessend noch bis 1958 blieb und arbeitete. Danach kehrte er nach Los Angeles zurück und spielte u.a. mit Bud Shank, Dexter Gordon, Art Pepper, Don Ellis, Barney Kessel, Hampton Hawes, Paul Bley, Don Cherry und Ravi Shankar. 1961 ging er nach New York und erweiterte seinen musikalischen Horizont immens in Richtung freierer Spielarten des Jazz, indem er mit Leuten wie Roswell Rudd, Archie Shepp, Tony Williams, Gil Evans und Jimmy Giuffre spielte, bevor er mit drei der einflussreichsten Musikern der Zeit kooperierte: Albert Ayler, Miles Davis und Bill Evans. 1963 erhielt er den „New Star Award“ des bekannten Jazzmagazins Downbeat.
Von den späten 60er bis in die frühen 70er Jahre lebte Gary Peacock in Japan, wo er orientalische Medizin und Philosophie studierte und bald wieder spielte, u.a. mit Sarah Vaughn und Helen Merrill und Platten aufnahm (Eastward, Voices). Danach liess er sich in Seattle nieder, wo er zunächst Mikrobiologie an der Washington State University studierte und dann einen Unterrichtsauftrag am Cornish Institute erhielt,den er bis 1983 innehatte und wo er Lehrprogramme für Musiktheorie und Harmonielehre entwickelte. Ebenfalls in den frühen 70ern nahm er mit Paul Bley seine erste Platte bei dem neu gegründeten Label ECM auf (Paul Bley with Gary Peacock), bei welchem er bis heute unter Vertrag ist. 1977 folgte dort die nächste Veröffentlichung Tales Of Another, diesmal unter seinem Namen, mit eigenen Kompositionen und in der Triobesetzung, die die nächsten Jahrzehnte seines Schaffens stark prägen sollte, nämlich mit Keith Jarrett und Jack DeJohnette. Das Trio, dann unter Jarretts Namen und Initiative, widmete sich ab 1983 der Neuinterpretation von Jazzstandards, was zu der Zeit unter renommierten Musikern vollkommen unüblich war.
Mit Standards Vol.1 und Standards Vol. 2 entstand eine neue Dimension des Klaviertrios, die einmal mehr demonstrierte, dass es nicht in erster Linie auf das Material selbst ankommt, sondern darauf, was bestimmte Musiker daraus machen. Es folgten bis zur Auflösung der Band 2014 unzählige Standards Einspielungen, grösstenteils live und überall auf der Welt aufgenommen, und dutzende grosse internationale Preise und Auszeichnungen, u.a. fünf „Grammy“ Nominierungen und vier mal „Downbeat Best Acoustic Jazz Group“. Peacocks musikalisches Schaffen ausserhalb dieses Trios ist auf unzähligen ECM Veröffentlichungen in vielfältigen prominenten Besetzungen dokumentiert und zu hören. Weitere Musiker mit denen er arbeitete sind u.a. Ralph Towner, Joe Henderson, Marilyn Crispell, Chick Corea, Paul Motian, Michel Petrucciani, Don Pullen, Bill Frisell, John Surman, Peter Erskine, Tony Oxley, Jan Garbarek, Tomasz Stanko und Marcus Stockhausen. Sein aktuelles Trio, mit dem er bereits zwei Alben veröffentlichte, umfasst Marc Copland am Klavier und Joey Baron am Schlagzeug.

Für die Website Something Else! ist Florian Weber "ein wahrhaft wegweisender Pianist", die New York Times streicht dessen "Ästhetik des aerodynamischen Fließens" heraus, All About Jazz bescheinigt dem nach Neuerungen hungernden Deutschen einen "allesverzehrenden Musikappetit", und die Süddeutsche Zeitung erblickt in ihm einen Ausnahmepianisten "mit frischem, unverbrauchtem Ton", der "Interessantes und Mitreißendes zu erzählen" hat. Das Lob der Kritiker ist Ausdruck einer Erfolgskarriere, in deren Verlauf sich Weber als feste Größe in der globalen Szene etablierte. Auch seine Kooperationen mit namhaften Kollegen
sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Auf der Bühne bzw. im Studioraum arbeitete Weber unter anderem mit Tomasz Stańko, Pat Metheny, Albert Mangelsdorff und Michael Brecker zusammen. Weitere Belege für die hohe Reputation finden sich in den Ehrungen, die der Tausendsassa bis dato eingeheimst hat. Stellvertretend seien nur der Steinway-Preis beim Solopiano-Wettbewerb auf dem Montreux Jazz Festival, der ECHO Jazz in der Sparte "Bester Pianist national" und der WDR-Jazzpreis für Improvisation erwähnt. Dem Sohn eines Musikprofessors und einer Opernsängerin war der berufliche Weg mehr oder weniger vorgezeichnet, bei der Geburt in Detmold 1977 wurde ihm die Liebe zur Musik quasi in die Wiege gelegt. Bereits mit vier Jahren erhielt er Klavierunterricht. Zuerst standen Klassiknoten im Zentrum der Erziehung, die Interessenspalette vergrößerte sich jedoch, als Weber im Teenageralter den Jazz für sich entdeckte. Nach dem Schulabschluss studierte er zunächst Mathematik, Physik und Biologie, als mit der Zeit die Musikliebe aber auf ihr Recht pochte, setzte er seine Musikausbildung mit Lehrern wie John Taylor, Paul Bley und Richie Beirach fort. Außerdem ergriff Weber die Chance eines Studiums am Berklee College of Music. Dort lernte er mit dem Bassisten Jeff Denson und dem Drummer Ziv Ravitz zwei Gleichgesinnte kennen, mit denen er schon bald Minsarah gründete. Das gleichnamige Album wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik geehrt. Bei einer Begegnung in Köln wurde Lee Konitz auf Minsarah aufmerksam. 2007 nahm er mit den Jungprofis "Deep Lee" auf, 2012 folgte der Mitschnitt "Live at the Village Vanguard", den das französische Magazin Jazzman mit einem "Choc de l'Année" bedachte. Im Jahr 2011 bildeten Weber, Lionel Loueke, Thomas Morgan und Dan Weiss die Gruppe Biosphere. Das Debut "Biosphere" pendelt reizvoll zwischen komplexen Rhythmen und Jazzcovers von Jamiroquai- und Coldplay-Stücken. Kurze Zeit später rief er, zusammen mit Donny McCaslin und Dan Weiss, das Trio „CrissCross“ ins Leben, als Verbeugung vor seinen von ihm verehrten Jazzpianisten Bill Evans und Thelonious Monk. Mit seinem Landsmann Markus Stockhausen gab Weber 2015 auf dem ECM-Label das Duowerk "Inside Out" heraus, ein weiteres, noch unveröffentlichtes ECM-Album hat er kürzlich mit Ralph Alessi, Linda Oh und Nasheet Waits realisiert. Neben Jazzprojekten fand der Pianist in seiner Laufbahn auch immer wieder mal die Zeit für Klassikausflüge, mit Philharmonischen Orchestern spielte er als Solist Klavierkonzerte von Mozart, Ravel, Gershwin und Piazzolla. Heute lebt der umtriebige Künstler abwechselnd in New York und Deutschland. In Meisterkursen und Lehraufträgen an Hochschulen im In- und Ausland gibt der 40-jährige sein Wissen jetzt an Studenten der nächsten Generation weiter. Ganz so wie er selbst einst als Jungtalent vom Erfahrungsschatz älterer Kollegen profitierte.

Der musikalische Background des in Hamburg lebenden Schlagzeugers Björn Lücker, Jahrgang 1967, reicht von Jazz über Klassik, Experimentelle Musik, Improvisierte Musik bis hin zu Crossoverprojekten sowie Lyrik- Vertonungen. Seine Fusion von Klängen der Neuen Musik mit dem Drive und der Agilität des Jazz führt zu einem Klangspektrum, das die Trommeln und Becken zu einem Melodieinstrument werden lässt und somit neue Dimensionen auch im Zusammenspiel mit anderen Musikern erschliesst. Nach mehrjähriger Arbeit als Schlagzeuger und Pauker im orchestralen und Neue-Musik-Bereich studierte Björn Lücker Jazz an der Hochschule Für Musik Und Theater in Hamburg, u. a. bei Daniel Humair, Tony Oxley, Billy Hart, John Marshall, Ronnie Stephenson und Alex Riel. Workshops mit Dieter Glawischnig, Anthony Braxton, Chuck Israels, Barry Guy, Vinko Globokar, Bob Mintzer, Wynton Marsalis und Maria Schneider brachten ihn mit den unterschiedlichsten Spielarten des Jazz und der improvisierten Musik zusammen. In den 1990er Jahren gelangte er als Mitbegründer und Co- Leader der vielfach ausgezeichneten Hamburger Gruppe " Triocolor" (mit Jens Thomas, Klavier und Stefan Weeke, Bass) zu internationaler Anerkennung (u.a. 1.Platz European Jazz Contest Brüssel 1994, Finalist European Jazz Competition Leverkusen 1994). Er bereiste mit dieser Band, zum Grossteil auf Einladung des Goethe- Instituts, u.a. Südostasien, Westafrika (musikalisches Zusammentreffen mit dem “divine drummer” Ghanaba), Mittelamerika, die Türkei, den Balkan und Griechenland. Weitere Tourneen mit unterschiedlichen Projekten führten ihn nach England, Frankreich,Benelux, Skandinavien, Polen, Russland und Südkorea. Er arbeitete mit Avantgardemusikern wie Elliott Sharp, Frank Gratkowski Wu Wei, Matthias Schubert, Heinz-Erich Gödecke, Ge-Suk Yeo, Silke Eberhard und Peter Niklas Wilson und mit Jazzgrössen wie Walter Norris, Benny Bailey, Howard Johnson, Jimmy Woode, Simon Nabatov, Nils Wogram, Wolfgang Schlüter, Dusko Goykovich sowie der NDR-Bigband/ Dieter Glawischnig, der Bigband des Hessischen Rundfunks und dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg/ Ingo Metzmacher und ist auf zahlreichen CDProduktionen vertreten. Mit seiner eigenen Band, dem “Björn Lücker Aquarian Jazz Ensemble”, bestehend aus einigen der prominentesten Musikern der Hamburger Jazzszene, verwirklicht er seine eigenen Kompositionen.Seit fast 30 Jahren engagiert sich Björn Lücker intensiv im pädagogischen Bereich. Er unterrichtet Schlagzeug für Kinder und Jugendliche im Musikschulzweig des Hamburger Konservatoriums sowie Jazzschlagzeug, Jazzrhythmusschulung und Bandtraining im Jazzstudiengang des selben Instituts. Darüber hinaus arbeitet er im Popularmusikbereich der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg und gibt Workshops. Gemeinsam mit John Hughes, Chad Popple und Dirk Dhonau veranstaltet er die Konzertreihe “Multiphonics“

Einige seiner aktuellen Projekte sind:
Björn Lücker Aquarian Jazz Ensemble (mit Claas Ueberschär, Anna-Lena Schnabel, Buggy
Braune und Giorgi Kiknadze)
Anna- Lena Schnabel Quartett (mit Anna- Lena Schnabel, Florian Weber, Giorgi Kiknadze)
The Organics (mit Patrick Farrant und Wolfgang Roggenkamp)
Aquarian Drum Song (Björn Lücker solo)
Buggy Braune Trio (mit Buggy Braune und Paul Imm)
Winnitzki, Hughes und Lücker spielen Monk (mit Matthäus Winnitzki und John Hughes)
The Most (mit Henrik Walsdorff und Jan Roder)

Fotos:
Gary Peacock (c) Rose Anne Colavito
Florian Weber (c) Jürgen Bindrium
Björn Lücker (c) Rolf Schoellkopf

Termine
HFK JAZZCLUB PRO

Konzertsaal der HfK Bremen, Dechanatstr. 13-15

29. November 2018, 20:00