Top of page

Frese-Design-Preis 2015 geht an Carolin Nowicki

Frese-Design-Preis 2015 geht an Carolin Nowicki

Fachjury vergibt drei Preise und kürt eine Absolventin und zwei Absolventen der Hochschule für Künste Bremen

Im Rahmen der Jahresausstellung der Studiengänge Integriertes Design und Digitale Medien wurden drei Absolventinnen und Absolventen mit dem Frese-Design-Preis ausgezeichnet, gestiftet von der Petra und Dieter Frese Stiftung Bremen und dotiert mit insgesamt 10.000 Euro.

Der erste Platz, ausgewiesen mit 5.000 Euro, geht an Carolin Nowicki, Absolventin des Studiengangs Integriertes Design (Diplom). Die beiden zweiten Plätze, jeweils dotiert mit 2.500 Euro, belegen Leonard Rokita, Absolvent des Studiengangs Integriertes Design (Diplom), sowie Vincent Brinkmann, Absolvent des Bachelorstudiengangs Digitale Medien.

1. Platz: Carolin Nowicki

Für ihre Abschlussarbeit „Zzgl. 1€ pro Stockwerk“ wurde Carolin Nowicki, Absolventin des Studiengangs Integriertes Design (Diplom), mit dem ersten Platz des Frese-Design-Preises in Höhe von 5.000 Euro ausgezeichnet.

Ausgangspunkt der Arbeit sind Lebens- und Arbeitssituationen in Deutschland, die dazu zwingen, sogenannte Gelegenheitsjobs auszuführen. Durch ein Inserat hat die Künstlerin Kontakt zu verschiedenen Arbeitsuchenden aufgebaut. Die entstandenen Dialoge flossen als Material in ihre Diplomarbeit ein. Gebündelt sind sie in der Akte „Interviews, Briefe, Fotos / Personen A – L” nachzulesen.

Begründung der Jury:

„Zzgl. 1€ pro Stockwerk.“ Ist eine starke Arbeit, die die heutige Gesellschaft auf eine subtile doch gleichzeitig eindringliche Weise kritisiert. Von einem monochromen Gemälde ausgehend, gelingt es Carolin Nowicki exzellent, ein schwieriges Thema ins Bewusstsein zu bringen, ohne dabei zu moralisieren. Im Gesamtbild zeigt sich Nowickis Arbeit als ein hoch interessantes und einfühlsames Projekt, das seinen scharfsichtigen Blick auf soziale Fragestellungen richtet. Die Jury würdigt ebenso außerordentlich das höchst sorgfältig gestaltete Design, eingebettet in eine klare und effiziente Präsentation. Bravo!

Die Diplomarbeit „Zzgl. 1€ pro Stockwerk.“ wurde betreut von Anna Lena von Helldorf, Prof. Dorothea Mink und
Prof. Andreas Kramer. 

Carolin Nowicki (c) Luisa Eugeni.jpg

2. Platz: Vincent Brinkmann

Einen der beiden zweiten Preise, dotiert mit 2.500 Euro, erhält Vincent Brinkmann, Absolvent des Studiengangs Digitale Medien, für seine Bachelorarbeit „Serielles 3-D-Drucken“.

Brinkmann entwickelte eine Silikonmaschine verbunden mit einem 3-D-Drucker. Seine Idee ist es, Serien aus
3-D-gedruckten Silikon-Negativformen zu schaffen. Die Serie „Flip Flop“ beruht auf der Differenz zwischen serieller und kultureller Bedeutung. Der Schuh ist mehrschichtig aufgeladen: Als Insignium der Globalisierung ist es ein universal getragenes Massenprodukt. In westlichen Kulturkreisen wird damit Freizeit, Sommerlifestyle aber auch Schlichtheit verbunden, anderswo wird er als günstiger Alltagsschuh getragen. Die Differenz ist Ausgangsprunkt der Serie „Flip Flop“.

Begründung der Jury:

Die Arbeit „Serielles 3-D-Drucken“ von Vincent Brinkmann überzeugte mit ihrer durchdachten Gesamtkonzeption. Durch die Schaffung des Apparats ermöglicht der Designer eine komplexe Reflektion über die mit einem neuen Medium verbundenen gesellschaftlichen und ästhetischen Folgen und Möglichkeiten. Der Apparat und die exemplarische Umsetzung einer seriellen Fertigung überzeugen darüber hinaus als ästhetische Setzung. Mit der öffentlichen Verbreitung des Bauplans inklusive Software und der Verwendung eines niedrigschwellig erwerbbaren Ursprungsmaterials macht Vincent Brinkmann seinen Apparat einer großen Öffentlichkeit zugänglich und macht ihr ein Angebot. Er übernimmt als Erfinder und Gestalter Verantwortung, bezieht Stellung und nimmt eine Haltung ein. Ausgezeichnet wird damit das gelungene Zusammenspiel von technischer Fertigkeit, ästhetischer Ausformulierung und gesellschaftlicher Einbettung.

Die Bachelorarbeit „Serielles 3-D-Drucken“ wurde betreut von Prof. Dr. Andrea Sick und Prof. Dennis Paul.

Vincent Brinkmann (c) Luisa Eugeni.jpg

2. Platz: Leonard Rokita

Einen weiteren zweiten Platz belegt Leonard Rokita, Absolvent des Studiengangs Integriertes Design (Diplom), mit seiner Arbeit „Building Barricades“.

Ein Ausgangspunkt zur Untersuchung der Arbeit waren persönliche Beobachtungen der Proteste um den Istanbuler Gezi-Park. Die Arbeit stellt sich der Frage, wie sich alternative und ausdrucksstarke Formen der Kommunikation im Aktivismus erzeugen lassen, ohne dabei die immer gleichen, oft gewaltsamen Bilder in den Medien zu erzeugen.

Begründung der Jury:

Leonard Rokita visualisiert unkonventionelle Formen der Kommunikation öffentlichen Protestes, indem er extrem ästhetisch Barrikaden errichtet, die aggressiv und zugleich sanft in die Gesellschaft eingebettet werden. Die Arbeit „Building Barricades“ überzeugte durch die subversive Ausführung seiner Interventionen, die zwar unübersehbar den Weg versperren und den Passanten förmlich ins Gesicht springen, sie aber trotz realer Undurchdringlichkeit nicht mit diesem einen Eindruck alleine lassen: Protest kommt selten derart friedlich daher. Es bleibt nicht bei Rokitas gekonntem Spiel mit den Oberflächen, es wird nicht nur sehr effektiv plakativ agiert, sondern er spricht den „Nutzer“ ohne Umwege gleich auf mehreren Ebenen an. Leonard Rokita bedient sich mit Leichtigkeit an jeweils zur Umgebung passenden Gegenständen und gestaltet den „Raum“ gänzlich neu, ohne jedoch aus den Augen zu verlieren, dass er imposante Skulpturen von sozialer Relevanz erschafft, die einerseits als – im Design oftmals unterrepräsentiertes – politisches Statement funktionieren und gleichzeitig eine unverschämt humorvolle Wirkung entfalten, der sich der Betrachter nicht entziehen kann.

Die Diplomarbeit „Building Barricades“ wurde betreut von Prof. Roland Lambrette.

Leonard Rokita (c) Luisa Eugeni.jpg

Ermöglicht wird der Frese-Design-Preis 2015 bereits zum zweiten Mal dank der großzügigen Unterstützung der Petra und Dieter Frese Stiftung Bremen. Etabliert an der Hochschule für Künste, soll er als Bremer Designpreis jungen Absolventinnen und Absolventen als Starthilfe dienen, in einer möglichen Selbstständigkeit Fuß zu fassen.

Jury:

Ralf Baecker, „Neue Medienkünstler“, Berlin
Prof. Dr. Bettina Möllring, Produktdesignerin,
Vizepräsidentin der Muthesius Kunsthochschule, Kiel
Stefan Jeep, Künstlerhaus Güterbahnhof Bremen
David Bartusch, Vorsitzender des Freundeskreises der Hochschule für Künste Bremen,
Agentur „das Duell Unternehmenskommunikation“
Guy Meldem, Ecole Cantonale d'art de Lausanne, Graphikdesigner
Prof. Roland Lambrette, Professor der Hochschule für Künste Bremen und Jury-Vorsitz

Fotos:
Platz 1: Carolin Nowicki © Luisa Eugeni
Platz 2: Vincent Brinkmann und Leonard Rokita © Luisa Eugeni