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Filmbüro Bremen fördert junge Filmschaffende

Filmbüro Bremen fördert junge Filmschaffende

Fünf von neun „Filmstart“-Stipendien gehen an HfK-Angehörige

nordmedia und das Filmbüro Bremen haben für Nachwuchsfilmprojekte und künstlerische Filme mit einem Förderbedarf zwischen 1.000 und 10.000 Euro gemeinsam das Projektstipendium Filmstart entwickelt und 2018 zum vierten Mal vergeben. In diesem Jahr standen 32.700 Euro zur Verfügung.

41 Filmschaffende – davon 39 aus Bremen – hatten sich mit ihren Projekten beworben. Dokumentarfilme, Spielfilme und Animationen, Projektentwicklung, Produktion, Vertrieb – die Anträge spiegeln das vielseitige regionale Filmschaffen in seiner ganzen Farbigkeit.

Die Jury bestand aus Andrzej Król (Kameramann, Hamburg), Birnur Pilavci (Filmemacherin, Berlin) und Johanna Sunder-Plassmann (Dokumentarfilmerin / Gestalterin von Ausstellungen, Köln). 

Aus den 41 Projekten wurden neun zur Förderung ausgewählt, die jeweils auf dem Filmfest Bremen präsentiert werden. Folgende fünf der geförderten Projekte stammen von Studierenden und Ehemaligen der HfK Bremen:

The Thing
Zaihab Haidary
7.000 € für die Produktion einer Videodokumentation

I learned at school that an object can define or represent a specific fact, a theory or a thought. Basically, it is the connection between the concept that we have in our mind which refers to an evidence or an object outside.

Jurybegründung:
Eine ungewöhnliche Darstellung der komplizierten Themen Kolonialisierung und Globalisierung verspricht uns das Konzept zu „The Thing“. Parallel erfahren wir in einer Installation von der Bedeutung von gleichen Objekten an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten. Geschichte anders zeigen und deuten – auf Basis der sehr überzeugenden vorherigen Arbeit von Zaihab Haidary wollen wir mit ihr dieses Experiment wagen.

Zainab Haidary is a visual artist. She has a Bachelor Degree in Fine Arts from Kabul University, and currently studies at the HfK Bremen/Germany. She is a member of Women in Film and TV. Zainab has shown her art both on a national and international scale. She was an artist of documenta (13) and has thus exhibited her works in Kassel, Germany and Kabul, Afghanistan in 2012.

ALP
Julia Müller
5.000 € für die Produktion eines Animationsfilmes

ALP spielt in einer Welt, in der jeder, der das Beste aus sich selbst macht, seinen Alterungsprozess in zehnjährigen Etappen anhalten kann. Die Serie verfolgt 6 Charaktere, die in diesem ALP genannten System leben.

Jurybegründung:
Die Animationsserie ALP malt uns eine unheimliche Welt der Selbstoptimierung aus. Jeder, der das Beste aus sich macht, kann darin den eigenen Alterungsprozess in zehnjährigen Etappen anhalten. Ein interessantes und gut durchdachtes Setting mit visuell spannenden Charakteren. Wir freuen uns auf ein packendes, gesellschaftskritisches Szenario, das zum Nachdenken anregt.

Julia Müller, 1993 geboren in Bremen-Nord, studiert integriertes Design an der Hochschule für Künste Bremen. Anfänglich konzentriert auf Zeichnung und Comic, arbeitet sie nun seit einigen Jahren mit Zeichentrick. In ihren eher abstrakten Narrativen geht es zumeist um die menschliche Psyche.

Cities of Exile
Shirin Mohammad
2.000 € für die Produktion eines Dokumentarfilmes

A short documentary about small cities in Iran. These cities were known as significant historical and archeological sites, but nowadays they turn into places for people who werde banished from their own land to these cities.

Jurybegründung:
Ausdrucksstarke und sorgfältig gestaltete Kompositionen, ruhiges Tempo der Schnittfolge, bestimmen die Handschrift der Filmemacherin. Wir trauen Ihr zu aus dem schwierigen Vorhaben einen überzeugenden Film zu gestallten, sowohl im visuellen als auch im inhaltlichen Zusammenhang.

Shirin Mohammad was born in 1992 in Tehran, Iran. She studied Cinema at Sooreh Art University in Tehran. Currently, she studies Fine Art at Hochschule für Künste Bremen in Germany. She had different screenings and exhibition worldwide like: Museum of Contemporary Photography (Chicago), Kunstverein (Freiburg), No Man‘s Art Gallery (Amsterdam), O Gallery (Tehran).

Inside the White Cube
Julian Öffler
2.000 € für die Produktion einer experimentellen Dokumentation

Das Projektvorhaben beschäftigt sich auf experimentell-performative Weise mit dem Verhältnis von Künstler, Werk und Institution. Im performativen Forschungsdiskurs werden die drei Elemente hinsichtlich ihrer Interaktion und Objektivität geprüft.

Jurybegründung
„Inside the white Cube“ im wahrsten Sinne des Wortes: Ironisch und klug beleuchtet Julian Oeffler die Entstehung eines Kunstwerkes innerhalb seiner Rahmenbedingungen von Institution, Kuration und Erwartungshaltung der Rezipienten. Der Künstler lässt sich dafür mit einem Kunsttransport unbemerkt ins Museum spedieren. Des Nachts entsteht im Ausstellungsraum unter telefonischer Mitwirkung von Kunstsachverständigen ein Werk aus dem Nichts.

Julian Öffler studierte bei den Künstlern Korpys/Löffler an der Hochschule für Künste Bremen. Derzeit ist er wohnhaft in Hannover als Jahrestipendiant des Kunstvereins Hannover. Das filmische Werk von Julian Öffler überzeugt aufgrund seiner kritisch-provokanten wie humorvoll-spielerischen Befragungen der Erwartungshaltung an die Kunst und von deren Produktionsmechanismen und -prozessen.

Ničiji Dom – No One`s Home
Nevena Savić
1.200 € für den Vertrieb des Kurzspielfilmes

Ein Haus auf dem Land in Bosnien, Fensterläden verschlossen. Aus dem Schornstein steigt Rauch auf. Es ist niemandes Zuhause, ein Ort, an dem seit Jahrzehnten keiner willkommen ist. Ivica, ein Mann Ende 70, lebt hier allein und isoliert.

Jurybegründung: Diese rührende und fein beobachtete Geschichte über einen innerlich wie äußerlich verwahrlosten alternden Mann, der abgeschieden in (s)einem Haus in den Wäldern von Bosnien Herzegowina vegetiert, verdient unsere größte Anerkennung. Die besondere Herausforderung an die Filmemacherin, die immanent wichtige Backstory über die Hintergründe zum trostlosen Dasein der Hauptfigur visuell interessant und spannend zugleich zu gestalten, hat sie mit Bravour gemeistert und erntet unseren Beifall.
Nur zu gerne fördern wir seinen Vertrieb.

Nevena Savić, 1990 in Bosnien und Herzegowina geboren, ist in Deutschland aufgewachsen. Sie hat in Bremen Politikwissenschaft, Integriertes Design und Freie Kunst studiert. „Ničiji Dom - No One's Home“ ist ihr erster Kurzfilm.

25. Mai 2018