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Underground-Ästhetik aus dem Drucker

Underground-Ästhetik aus dem Drucker

Die studentische Initiative Risoko bereitet sich auf das erste Bremer Zine Festival vor

Vom 25. bis 27. Mai treffen sich Fans, Künstlerinnen und Künstler, Kollektive und Kleinstverlage an der Hochschule für Künste Bremen. Beim ersten Bremer Zine Festival stellen sie ihre Arbeiten öffentlich vor und bieten ein vielseitiges Rahmenprogramm rund um Zines. Diese werden unabhängig, in Eigenregie und mit Kleinstauflage hergestellt und bieten somit ein unabhängiges Format für kreatives Schaffen – auch für Studierende. Die Initiative „Risoko“ an der HfK Bremen steckt mitten in den Vorbereitungen für das Festival.

Im Druckerraum der Hochschule für Künste Bremen laufen die Geräte auf Hochtouren. Bis zu 150 Blatt spuckt der sogenannte Risograph pro Minute aus. Um die ratternden Maschinen herum hängen weitere Entwürfe an den Wänden – sofort erkennt man, dass hier Ideen zu Papier gebracht werden. In der freien Gruppe „Risoko“ haben sich zehn Studierende zusammengeschlossen, um ihre eigenen Zines selbst zu drucken und zu veröffentlichen.

Das Bremer Zine Festival ist der perfekte Anlass dafür. Es bietet erstmals in Bremen eine einzigartige Plattform für Underground-Publikationen abseits großer Verlage. Besucherinnen und Besucher sind zum Entdecken und Mitmachen eingeladen, wenn sich Kollektive und Kreative aus dem ganzen Land austauschen und präsentieren – von der HfK Bremen stellen sich mehrere Initiativen vor, darunter auch Risoko.

„Risographie funktioniert ähnlich wie Siebdruck, aber mit einer Maschine“, erklärt Studentin Melis Sivasli als sie eine neue Vorlage auf dem Drucker positioniert. Sie hat ihren Entwurf zuerst handgezeichnet und davon mehrere Druckvorlagen erstellt: Eine Schablone für jede Farbe, die gedruckt werden soll. „Wir haben hier vier Farben zur Auswahl. Das sind zwar nicht so viele, aber dadurch haben Riso-Drucke einen ganz eigenen Stil, sie strahlen richtig“, sagt sie.

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Foto: Melis Sivasli entnimmt ihren Probedruck aus dem Risographen.

Zehn Geschichten zu Liebe und Erotik

Die Studierenden und Ehemaligen in der Gruppe arbeiten an jeweils einem eigenen Heft zum Leitthema Liebe und Erotik. Das Zine von Melis Sivasli ist „eine Art Food-Softporno“ und illustriert das lüsterne Spielen mit Nahrungsmitteln. Hier treffen rote Münder auf grüne, japanischen Edamame-Bohnen – das kontrastreiche Motiv entfaltet seine Wirkung besonders gut durch die Riso-Ästhetik. Die Studentin begutachtet den Test-Ausdruck: An einer Stelle muss die Vorlage noch einmal verbessert werden und dann ist alles bereit.

Viele Studierende der HfK Bremen nutzen Risographie als Ausdrucks- und Vertriebsform für ihre Ideen. Melis Sivasli fallen gleich mehrere Gründe ein, weshalb das so ist: „Man kann sehr schnell und günstig produzieren, das überzeugt natürlich, denn so können wir mehrere Optionen ausprobieren und spontan improvisieren. Außerdem funktioniert der Druck umweltfreundlich ohne Hitze und Chemikalien, auch darum ist Risographie sehr beliebt.“

Selbst produzieren und dabei lernen

Nach kürzester Zeit sind 100 A3-Seiten fertig gedruckt, die nun noch über Nacht trocknen müssen, bevor sie mit der Falzmaschine zu Heften gefertigt werden. Einige aus der Gruppe drucken erst nächste Woche, kurz vor dem Festival – das spontane Arbeiten gehört bei Zines zum Programm.

„Selber Zines zu drucken und zu vertreiben ist unglaublich lehrreich für junge Gestalterinnen und Gestalter“, erklärt Kyung-hwa Choi-ahoi, HfK-Professorin für Zeichnen, die Risoko gegründet hat, „Das Studium bietet einen geschützten Raum, der toll zum Experimentieren ist. Aber die Studierenden müssen auch das eigenverantwortliche und komplett selbstständige Arbeiten üben, um später im Beruf zu bestehen.“ Besonders gut sei dies mit Underground-Publikationen möglich, denn die Risoko-Mitglieder übernehmen nicht nur jeden Produktionsschritt selbst, sondern stemmen auch die Finanzierung und den Vertrieb – und zwar als freiwilliges Projekt neben dem Studium.

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Foto: Die gedruckten Bögen müssen vor dem Weiterverarbeiten über Nacht trocknen.

Das Bremer Zine Festival findet vom 25. bis 27. Mai in der Galerie der HfK Bremen, Dechanatstraße 13–15, statt. Alle Infos und das Programm sind auf den Webseiten der HfK Bremen und vom Kulturbüro Bremen zu finden.

Das Bremer Zine Festival ist ein Kooperationsprojekt von Kulturnetz e.V. mit der Hochschule für Künste Bremen und dem Gestaltungsbüro Just.

Förderer und Sponsoren sind die Karin und Uwe Hollweg Stiftung, die Waldemar Koch Stiftung und die Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt.