Stipendium für künstlerische Reise in den „Jungle von Calais“
Zwei junge Künstler, Paida und Julian Öffler, erhalten das mit 3000 € dotierte Bockmeyer-Reisestipendium 2012 der Hochschule für Künste
Julian Öffler und Paida, beide Studierende im Studiengang Freie Kunst der Hochschule für Künste Bremen, werden mit dem diesjährigen Heinz Arnold Bockmeyer-Reisestipendium ausgezeichnet. Ihre preisgekrönte Projektidee "Künstlerische Intervention im 'Jungle' von Calais": Die beiden Künstler wollen die französischen Hafenstadt Calais eine Woche lang besuchen und sich dem sogenannten „Jungle“ von Calis künstlerisch und durchaus auch provokant nähern.
Calais ist ein Ort, durch den jährlich mehrere tausend Migranten auf ihrem Weg nach Großbritannien kommen. Einwanderer ohne Einreiseerlaubnis versuchen auf unterschiedlichsten Wegen - oft jede Nacht aufs Neue - den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien zu überqueren. Während ihrer Zeit in Calais sind sie obdachlos und leben in so genannten Jungles.
Paida und Julian Öffler planen im Rahmen des Reisestipendiums dort ein "künstlerisches Produkt" herzustellen sowie ein Boot zur Überquerung des Ärmelkanals zu bauen. Verschiedene konzeptionelle Annäherungsversuche zu den Einwohnern des Jungels sind geplant. In Großbritannien soll dann eine Ausstellung im Kunstkontext stattfinden, mit den eben dort im "Jungle" erstellten künstlerischen Produkten, zu denen auch Video- und Audiomitschnitte und das selbst gebaute Boot zählen sollen. Anliegen ist es durch diese auch zynische Haltung Provokationen auszulösen, die die Frage nach dem Umgang mit dem Problem Migration vor unserer Haustür auslösen.
Die Jury, der die Professoren Markus Löffler und Andre Korpys (Freie Kunst), Professorin Andrea Sick (Digitale Medien), Stefanie Böttcher (Künstlerhaus Bremen) sowie Klaus Wischmann und André Koyer (Loge zum Silbernen Schlüssel) angehörten, überzeugte das vielschichtige Projekt, welches Risiken eingeht, provoziert und die direkte Konfrontation mit Migrationseffekten im Kunstkontext sucht.
Durch das von ihm gestiftete und mit 3000 € dotierte Reisestipendium ermöglicht Heinz Arnold Bockmeyer seit 1990 alljährlich einem Studierenden oder Absolventen der HfK eine Reise zur Realisierung eines künstlerischen Projektes. „Ich will etwas Gutes tun, weil ich selbst Gutes erfahren habe“, erklärt der Bremer Bauunternehmer mit hanseatischem Understatement, der selbst ein Architekturstudium an der heutigen Hochschule für Künste absolviert hat.