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Ensemble Weser-Renaissance musiziert mit Edoardo Bellotti

Ensemble Weser-Renaissance musiziert mit Edoardo Bellotti

Radio Bremen veröffentlicht Album mit Madrigalen und Orgelstücken aus dem 16. und 17. Jahrhundert

Musik eines der bedeutendsten Meister der franko-flämischen Renaissance präsentiert diese CD: Jean de Macque (ca. 1548–1614) ist gemeinhin besser unter seinem italianisierten Vornamen Giovanni bekannt, da er einen Großteil seiner Musikerlaufbahn in Italien zubrachte. Insbesondere die Kunst des Komponierens von Madrigalen verschaffte ihm schon zu Lebzeiten Berühmtheit; und enge, fast familiäre Bande verbanden ihn mit Carlo Gesualdo (1560–1613), da er 1585 in den Dienst dessen Vaters Fabrizio Gesualdos, des Fürsten von Venosa, trat. Ein höchst elaborierter Kompositionsstil mit ungewöhnlichen Dissonanzen und gezielten Regelverletzungen zur Steigerung des musikalischen Ausdrucks lassen ihn gelegentlich wie einen Paten des kompositorischen Wagemuts Gesualdos und somit auch dessen hochartifiziellen Stils erscheinen. Auch Giovanni de Macques Musik für Tasteninstrumente besticht durch ihre ausgesprochene Eigenart, das wird in der gegenwärtigen Einspielung durch Orgelwerke präsent. Als einflussreicher Lehrer hat er die auch kommende Generation beeinflusst: Bedeutende Komponisten wie Giovanni_Maria_Trabaci, Ascanio_Mayone und Luigi_Rossi gehörten seinem Schülerkreis an – so wird de Macque zu einem Bindeglied zwischen Renaissance und Barock.

Mit Madrigalen und Orgelstücken legen Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance sowie der Organist Edoardo Bellotti ein höchst beachtenswertes Porträt dieses im besten Sinn europäischens Musikers vor. Die Interpretationen von Manfred Cordes und seines Ensemles Weser-Renaissance Bremen von Musik des 16. und 17. Jahrhunderts durften bisher als mustergültig gelten – das trifft auch auf diese Aufnahmen zu: Musikalische Ausgewogenheit und absolute Reinheit der Stimmen machen die Kunstfertigkeit des Stils von Jean de Macques gegenwärtig. Edoardo Bellottis Präsentation von Orgelwerken steht der Ausdeutung der Vokalwerke in nichts nach: Auf einem Nachbau einer Prozessions-Orgel des norditalienischen Orgelbauers Carlo Prati aus dem 17. Jahrhundert mit einer vorzüglichen italienischen Disposition ergänzt er dieses Porträt eines der großen Meisters der Renaissancemusik mit Canzoni und Capricci perfekt.

Quelle: Detmar Huchting

Link: Klassik heute