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Abschied von Prof. Dr. Nicolas Schalz

Abschied von Prof. Dr. Nicolas Schalz

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Foto © Ralf Schneider

Nicolas Schalz war von 1977 bis 2007, also genau 30 Jahre an der Hochschule für Künste Bremen tätig, die meiste Zeit davon als Professor für Musikwissenschaft. Das bedeutet, viele Generationen von Studierenden der Musik – der alten, der neuen und der klassischen - haben bei Nicolas Schalz gehört, sind von seiner engagierten Haltung zur Musik geprägt worden, die gleichermaßen der genauen Analyse der einzelnen Werke galt, wie der Vermittlung übergreifender gesellschaftlicher Zusammenhänge, in der die jeweilige Musik entstand und lebte. Nicolas Schalz verstand es, die Musik aller Epochen für die Studierenden lebendig werden zu lassen, so dass sie für seine Hörer und Hörerinnen als aktuell-zeitgenössische erklang. Von 1998 bis 2000 hatte er darüber hinaus als Konrektor Verantwortung für die Musik im Rahmen der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen als Fachvertreter der Bremer Hochschule für Künste.

Seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich an der Hochschule auch eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Musikwissenschaftler Nicolas Schalz und dem Kunsthistoriker Peter Rautmann. Die naheliegende Idee bestand darin, gegenüber der jeweiligen künstlerischen Praxis der Studierenden eine gemeinsame Lehrtätigkeit zu etablieren und damit Einsicht in die historischen Zusammenhänge und Bedingungen der Entstehung von Musik und Kunst zu vermitteln. So entstanden meist zweisemestrige Lehrveranstaltungen, die zuletzt in das Forschungsprojekt und gemeinsame Buch „Passagen. Kreuz- und Quergänge durch die Moderne, 1998 im ConBrio Verlag erschienen, mündeten. Gegenstand war die Kunst und Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit Rückblicken in die Frühzeit der Moderne und im Verfolgen von “Spuren“ in der Philosophie und Ästhetik. Leitschnur bildete die Philosophie Walter Benjamins, der sich in seinen Texten der Reflexion der Künste ebenso widmete wie der Analyse der gesellschaftlichen Realität seiner Zeit, niedergelegt in seiner unvollendet gebliebenen Passagen-Arbeit, die so inspirierte, dass im Titel des Buches der Begriff der Passagen aufgenommen wurde.

Schalz’ wissenschaftliche Forschungen, sein Engagement in der Projektgruppe neue Musik pgnm wie seine Mitarbeit auf zahlreichen Tagungen und Kongressen trugen ihm eine nationale wie internationale Reputation ein. Der Anspruch einer Reflexion der Künste im Rahmen einer Kunsthochschule wurde von ihm und Kollegen weiter verfolgt in der Buchreihe „einwurf“ wie dem bis 2012 bestehenden Institut Syn als Forum der Künste. Die Bremer Hochschule vereinigt mit Musik, bildender Kunst, Design und den neuen Medien wichtige Bereiche der zeitgenössischen Künste. Daraus entstanden frühzeitig Brücken zwischen den Künsten, die gegenwärtig intensiv weiterverfolgt werden und so als eine wichtige Traditionslinie der Hochschule gelten können.
Die Hochschule verliert mit Nicolas Schalz einen engagierten, wissenschaftlich hoch angesehenen Vertreter der Musikwissenschaft wie ebenso ob seiner warmherzigen Mitmenschlichkeit überaus geschätzten Kollegen. Wir werden ihn sehr vermissen.

Im Namen der heutigen und ehemaligen HfK-Angehörigen

Prof. Roland Lambrette – Rektor
Prof. Dr. Peter Rautmann – Rector emeritus
Prof. Manfred Cordes – Rector emeritus
Prof. Jürgen Waller – Rector emeritus

Das Atelier für neue Musik der HfK, vertreten von Prof. Kilian Schwoon und Prof. Jörg Birkenkötter, trauert um Nicolas Schalz.

https://anm.hfk-bremen.de/anm/