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Gleich drei HfK-Angehörige vertreten auf der Shortlist für den VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE 2019

Gleich drei HfK-Angehörige vertreten auf der Shortlist für den VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE 2019

Fotoserien von Christina Stohn, Marvin Systermans und Matthias Schneege gehören deutschlandweit zu den 25 Besten

Für den diesjährigen VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE 2019 wurden gleich drei HfK-Angehörige ausgewählt. Die beiden Absolvent*innen Christina Stohn und Marvin Systermans, beide aus dem Masterstudio „Kultur und Identität“ bei Prof. Andrea Rauschenbusch und Prof. Bialobrzeski, sowie Matthias Schneege aus der Werkstatt für Fotografie / Stilles Bild stehen auf der Shortlist. Damit gehören ihre Bildreihen zu den 25 besten der 230 Einreichungen für die Kategorie „Beste Fotoserie“.

„Alipašino Polje, Stadtteil von Bosnien-Herzegowinas Hauptstadt Sarajevo, ist einer der am dichtesten besiedelten Orte des Landes. Rund 60.000 Menschen leben in dem Viertel zwischen Zentrum und Flughafen, ausschließlich in Plattenbauten. Diese hatte die kommunistische Regierung Jugoslawiens in den 1970er-Jahren für Arbeiter*innen erbauen lassen.
Zuvor hatte sich am selben Ort über Jahrhunderte landwirtschaftliche Nutzfläche befunden. Daran erinnert der Namensbestandteil Polje, Bosnisch für „Feld“. Alipašino geht auf Ali-Pasha zurück, der Legende nach ein armer Junge im 16. Jahrhundert, der urplötzlich zu Reichtum gelangte und unter anderem eine bis heute bestehende Moschee stiftete.
Während des Bosnienkrieges lag Alipašino Polje an der Frontlinie, etliche Bewohner*innen emigrierten. Noch immer sind Schäden durch Artillerieeinschläge an vielen Häuserfassaden sichtbar. Die Bevölkerungsstruktur des Viertels hingegen hat sich seit Kriegsende deutlich verändert.
So sind Menschen aus ländlichen Gegenden Bosnien-Herzegowinas, aber auch aus Nahost-Staaten zugezogen. Das hat zu einer heterogenen Bevölkerungsstruktur geführt.“

Christina Stohn

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„Ali Pasha's Field“ © Christina Stohn

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„Ali Pasha's Field“ © Christina Stohn

„Rund um Sarajevos Stadtzentrum wachsen Wohnviertel in die Berge, die zunehmend durch eine informelle Baukultur geprägt werden. Die komplexe staatliche Verwaltungsorganisation ist nur ein Grund für das Fehlen einer verbindlichen Planung und die daraus resultierende unvorhersehbare Entwicklung dieser urbanen Räume.
Sie begünstigt Korruption, die wiederum dazu führt, dass auf Grundstücken ohne Genehmigung gebaut und eine Lizenz erst nachträglich inoffiziell erworben wird.
Die Serie ,Informal Immobilia' ist eine fotografische Auseinandersetzung mit der Ästhetik der daraus resultierenden vernakulären Architekturen dieser selbst gestalteten Wohnräume.“

Marvin Systermans

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„Immobilia“ © Marvin Systermans

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„Immobilia“ © Marvin Systermans

„Der Stadtstaat Bremen errichtet seit Anfang der 2000er-Jahre auf dem 288 Hektar großen Areal seiner ehemaligen Seehandelshäfen den neuen Stadtteil ,Überseestadt', eines der größten städtebaulichen Entwicklungsprojekte Europas. Auf dem Gelände eines mit 3,5 Millionen Kubikmeter Sand verfüllten Hafenbeckens sollen bis Ende des nächsten Jahrzehnts Wohnungen für 10.000 Menschen neu entstehen. 13.000 Menschen arbeiten derzeit in circa 850 Unternehmen in der Überseestadt.
Laut einer Wirtschaftsstudie sollen dort bis zum Jahr 2025 insgesamt bis zu 17.000 Arbeitsplätze entstehen. Mehr als 280 Millionen Euro an öffentlichen Geldern sind bereits geflossen, private Investoren haben eine Milliarde Euro zugesagt und bereits mehr als die Hälfte davon investiert.
Seit 2005 dokumentiere ich kontinuierlich die radikale Verwandlung dieser eigentümlichen, aber auch exemplarischen Arbeitslandschaft mit der Kamera. Die vorliegende Bildauswahl umfasst 14 Jahre – von 2005 bis 2019 – zeigt zunächst Brachen und Rückbau alter Strukturen, in der Folge die stetig zunehmende Bautätigkeit.
Ich entschied mich bei dieser Fotoarbeit bewusst für Schwarzweiß, da mir der Verzicht auf Farbinformation im Bild eine präzisere Fokussierung auf das Licht und klarere Raumkonstruktionen ermöglicht.“

Matthias Schneege

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Bild aus „Masterplan“ © Matthias Schneege

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Bild aus „Masterplan“ © Matthias Schneege

„Die Shortlist des alljährlich verliehenen VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE steht fest. Acht Nachwuchs- und 25 ProfifotografInnen haben es in die Auswahl geschafft. Ausgewählt wurde die Shortlist von einer renommierten Jury unter dem Vorsitz des Fotografen Martin Brockhoff. Durch seine wiederholte Beschäftigung mit dem Thema »Zuhause« fungiert der 2017 ins Leben gerufene Wettbewerb auch als ein Seismograph, der den Bedeutungswandel eines sowohl politisch als auch kulturell geladenen Begriffs aufzeichnet.

Der Fachjury des VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE gehören an: Martin Brockhoff, Juryvorsitzender und Fotograf; Peter Bialobrzeski, Professor für Fotografie an der Hochschule für Künste in Bremen; Peter Bitzer, Geschäftsführer der Agentur laif; Anna Gripp, Chefredakteurin der Zeitschrift PHOTONEWS; Peter Piller, Professor für freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf; Daniel Riedl, Mitglied des Vorstands von Vonovia; Linn Schröder, Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Ingo Taubhorn, Kurator am Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg.

,Wir freuen uns, dass dieses Jahr auch die konzeptionellen Ansätze tiefer berücksichtigt wurden. Dadurch konnten wir im Rahmen des Wettbewerbs eine weitere wichtige Facette der Fotografie behandeln. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich die Ansätze der Künstlerinnen und Künstler und ihr Blick auf das Thema sind.‘
Daniel Riedl, Mitglied der Jury und des Vorstands der Vonovia SE

Der 2017 ins Leben gerufene Award zum Thema ,Zuhause‘ umfasst drei Hauptpreise in der Kategorie Beste Fotoserie und einen Nachwuchsförderpreis für unter 26-jährige FotografInnen, die sich noch im Studium oder in der Ausbildung befinden. Der VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE ist mit einem Preisgeld von 42.000 Euro dotiert und wird jährlich vergeben.
Junge und bereits etablierte FotografInnen erhalten so die Möglichkeit, das Thema »Zuhause« mit eigenem künstlerischen, dokumentarischen oder investigativen Anspruch neu zu interpretieren. Mit dem Award ausgezeichnet werden formal und inhaltlich herausragende Bildserien von jeweils sechs bis zwölf Fotoarbeiten. Die Arbeiten müssen in den letzten drei Jahren fertig gestellt worden sein.

,Wir sehen, dass die KünstlerInnen, die am Wettbewerb teilnehmen, bedeutende Arbeiten erschaffen und sehr interessante Karrieren machen. Wir sind stolz darauf, dass der Preis eine wichtige Station in ihrer weiteren Entwicklung darstellt.‘
Martin Brockhoff, Vorsitzender der Jury und Fotograf

,Zuhause‘ – löst bei jedem eine Assoziation aus und ist dabei doch höchst individuell und temporär geprägt. Ein fluider Begriff, der nicht nur für jeden Menschen etwas anderes bedeutet, sondern dessen Implikationen sich immer wieder verändern und aktualisieren.
Wie die WettbewerbsteilnehmerInnen »Zuhause« interpretieren, ob persönlich oder repräsentativ, aufrüttelnd oder vertraut, vermitteln die Arbeiten der gerade ausgewählten 33 KandidatInnen für den VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE 2019, die wir Ihnen erstmals präsentieren möchten. Die Bildwelten der WettbewerbsteilnehmerInnen sprechen stets eine persönliche Sprache und zeigen Menschen an unterschiedlichsten Lebensmittelpunkten hautnah. Ziel des Awards ist es, herausragende und innovative Positionen der Fotografie heute zu beschreiben.“

Quelle: VONOVIA

Shortlist „Beste Fotoserie“ 2019:
Theodor Barth, Joakim Eskildsen, Kathrin Esser, Maria Feck, Peter Franck, Anette C. Halm, Nanna Heitmann, Thomas Herrmann, Timo Hinze, Fred Hüning, Uli Kaufmann, Mariya Kozhanova, Rafael Raigón Lozano, Sinaida Michalskaja, Volker Renner, Frank Schultze, Matthias Schneege, Mona Schulzek, Stephanie Steinkopf, Max Ernst Stockburger, Christina Stohn, Marvin Systermans, Bastian Thiery, Sebastian Wells, Ekaterina Zershchikova

Shortlist „Beste Nachwuchsarbeit“ 2019:
Tamara Eckhardt, Giulia Degasperi, Paulina Hildesheim, Marlene Hoberger, Noah Müller, Lara Ohl, Anja Segermann, Charlotte Spiegelfeld

Weitere Informationen zum Wettbewerb VONOVIA AWARD FÜR FOTOGRAFIE hier.

Die Bekanntgabe und Preisverleihung findet am Donnerstag, dem 10. Oktober 2019, in der Halle 424 in Hamburg statt.

20. September 2019