Mythopoesis - Eine spekulative Ethnographie von Bremen

Mythopoesis - Eine spekulative
Ethnographie von Bremen

Ausstellung / 31.01.2020

Mit
Pabalo Somonte Ruano
Victor Artiga Rodriguez
Icaro Lopez de Mesa Moyano
Masterstudierende des internationalen Studiengangs Digitale Medien an der HfK

Galerie In der Bismarckstr. 106 Bremen, 28203 Bremen
Projektspace von Studierenden der HfK
Opening/event: 31.01.2020, 19Uhr, im Rahmen von Sphere

Deutsch:

Mythopoesis
Eine spekulative Ethnographie von Bremen

Von einer imaginierten Zukunft aus blicken wir bei dem Versuch, die Gegenwart zu begreifen, in die Vergangenheit. Bremen wird durch die faszinierten, aber doch naiven Augen von Auswärtigen gesehen, die versuchen, die vielschichtigen Eigenheiten der Stadt zu verstehen, indem sie bedeutende kulturelle Artefakte mit einem Blick von außen betrachten. Die Stadt an der Weser ist das Studienobjekt eines Teams aus vier fiktiven Ethnographen, Archäologen und Anthropologen, die bei ihrer Herangehensweise die kolonialistischen Vorstellungen von Entdeckung und Erforschung verwenden.

Die verschobene Zeitdimension, in der die Ausstellung angesiedelt ist, drückt sich in verschiedenen Formen von Fiktionalität aus, die sich sowohl in den ausgestellten Werken/Ausstellungsstücken finden lassen als auch in der Museumsgestaltung und in den typischen begleitenden Hilfsmaterialien. Die Ausstellung wird aus einem Ensemble kleiner künstlerischer Gesten wie Fotofilme, interaktive Webseiten, Video-, Audioaufnahmen und 3D-gescannte Objekte bestehen. Diese Arbeiten erforschen das Geschichtenerzählen über Schiffsflaggen, die spannenden selbstreferentiellen Qualitäten von Souvenirs und ähnlichen Produkten, das wiederkehrende Muster der Zahl Vier in der städtischen Ikonographie und die Verwendung einer Stapelmorphologie, wie man anhand der Skulptur der Bremer Stadtmusikanten anschaulich sehen kann. Ebenso werden bereits vorhandene Formen von Fiktionalität zur Schau gestellt, wie z. B. die Art und Weise, wie zukünftige Räume architektonisch umgesetzt werden und sich neben historischen Gebäuden in das Stadtbild einfügen.

Als Studierende, die aus früheren Kolonialgebieten Lateinamerikas kommen, sind wir es gewohnt, dass vergangene und gegenwärtige Kulturen zu Objekten und logischen Beschreibungen in sterilen Museumsräumen reduziert werden. Der Einsatz wissenschaftlicher Methoden und das Sammeln von Daten quantifiziert Kultur; menschliche Erfahrungen werden diagnostiziert und protokolliert. Damit wollen wir Denkanstöße zu kolonialistischen Praktiken, Machtverhältnissen und Werkzeugen geben, die dazu verwendet werden, das „Andere“ zu verstehen und darzustellen. Schließlich möchten wir durch unsere fiktionale und spielerische Herangehensweise einen neuen Ansatz prägen.

---

English:

mythopoesis
a speculative ethnography of Bremen

From an imaginary future, we look into the past in an attempt to comprehend the present. Bremen is seen through the fascinated yet naive eyes of foreigners trying to make sense of complex idiosyncrasies through the superficial scrutiny of significant cultural artifacts. Utilizing the colonial tropes of discovery and exploration, the city at the Weser is the object of study of a team of four fictitious ethnographers, archeologists and anthropologists.

The alternate time in which the exhibition takes place is articulated through various forms of fictioning present in the pieces exhibited, as well as in the museography and the accompanying support material. The exhibition will consist of a set of small artistic gestures like photofilms, interactive websites, video, audio and 3D scanned objects. These will explore themes such as maritime flag storytelling, the interesting self-referential qualities of artifacts like souvenirs, the recurrence of the number four in Bremen’s iconography and the usage of the stacking morphology as seen in the sculpture of the Bremer Stadtmusikanten. As well as displaying forms of fictioning already present such as how architectural renders of future spaces coexist with historical buildings in the urban landscape.

As students coming from colonized territories in Latin America we are familiar to seeing past and present cultures reduced to artifacts and inductive descriptions in sterile museum spaces. By employing scientific reasoning and data collection, culture is quantified and human experiences are diagnosed and logged. With these actions we seek to reflect upon colonial practices, power relations and the tools used to understand and depict the ‘other’. Finally, through the use fictioning and playfulness we seek an alternative approach.

---

Ab Februar wird das Forschungsprojekt der HfK: the Dynamic Archive monatlich ein internationales Projekt des Archivs und seine Versionen in dem Galerieraum in der Bismarckstraße vorstellen und so kollaborative Strukturen sichtbar und diskutierbar machen.

www.thedynamicarchive.net

mythopoesis_3_small.png
Dates
Mythopoesis - Eine spekulative Ethnographie von Bremen

Projektraum Galerie Bismarckstraße, Bismarckstraße 106, 28203 Bremen

31. January 2020, 19:00