Musik in Rom um 1700

Musik in Rom um 1700

11. April 2019 - 20 h / Konzert mit Sänger*innen und Instrumentalist*innen der HfK Bremen unter der Leitung von Alessandro Quarta u.a. mit der Aufführung des Oratoriums „S. Casimiro, Re di Polonia“ von Alessandro Scarlatti (1660–1725). Eintritt € 10 / 5 erm.

Programm & Mitwirkende

Pompeo Cannicciari - Beatus vir, concertato a canto e alto con ripieni (circa 1710-15)

Beatus Vir Johanna Bookmeyer, Brigitta Ambs
Exortum Jonas Kraus
Jucundus homo Carly Power
Paratum cor Johanna Bookmeyer, Brigitta Ambs

Chor:
Sopran: Lisa Solomon, Oksana Bakshina, Malwine Nicolaus
Alt: Melissa Wedekind, Franziska Poensgen, Jonas Kraus
Tenor: Li Chen Dai, Felix Heuser, Nick Doig
Bass: Jeroen Finke, Alexander Schuhmann

Alessandro Scarlatti - San Casimiro, oratorium (1704)

Amor Profano Carly Power
Regio Fasto Erika Tandiono
Castità Lisa Solomon
Umiltà Jonas Kraus
Casimiro Felix Heuser

Chor:
Sopran: Malwine Nicolaus, Oksana Bakshina, Franciska Poensgen
Alt: Jonas Kraus, Brigitta Ambs, Melissa Wedekind
Tenor: Nick Doig, Felix Heuser, Li Chen Dai
Bass: Alexander Schuhmann, Jeroen Finke

Giovanni Giorgi - Nunc dimittis, concertato a 8 (circa 1719)

Soprano solo: Franziska Poensgen
Alto solo: Brigitta Ambs
Tenore solo: Li Chen Dai

Chor 1
Sopran: Erika Tandiono, Franziska Poensgen (solo)
Alt: Brigitta Ambs (solo), Jonas Kraus
Tenor: Li Chen Dai (solo), Felix Heuser
Bass: Alexander Schuhmann

Chor 2
Sopran: Oksana Bakshina, Malwine Nicolaus
Alt: Melissa Wedekind
Tenor: Nick Doig
Bass: Jeroen Finke

Orchester
Violinen: Julia Krikkay, Laura Natalia Arroyo Valencia, Vladyslav Snadchuk, Maria Carrasco, David Agaiarov, Manoel Reinecke
Viola: Chenxi Zheng
Violoncello: Hyejin Jang, Janina Knoblich
Violone: Jemma Thrussell
Cembalo: Linde Demuynck
Orgel: Lisa Bork
Laute/Theorbe: Daniel Seminara (Arciliuto), Lukas Oppermann (Liuto attiorbato), Fernando Olivas (Tiorba)

Zum Programm

Alessandro Scarlatti, Stradella, Corelli und Pasquini sind die Hauptfiguren einer glücklichen Generation von Komponisten, die es unter dem Patronat großer Mäzene, der letzten ruhmreichen Zeit der Musik in Rom gab. Sie wandelten die Sprache der Musik von der mittleren zur spätbarocken Zeit. Jeder von den genannten Komponisten hatte eine „Spezialität“ für die er berühmt war: Corelli für sein Violinspiel, seine Konzerte und Sonaten. Stradella für seine hochvirtuosen Kompositionen für die Stimme, zusammen mit seiner Technik für das Concerto Grosso. Pasquini für seine hochstehende Cembalokunst und Begleitung, zusammen mit einem großen Erfolg als Opernkomponist. Alessandro Scarlatti aber war in Bezug auf seine kompositorischen Fähigkeiten der prominenteste Vertreter seiner Generation: Profiliert, innovativ und traditionell zur selben Zeit: ein höchst respektierter Meister seiner Kunst. Aus diesen Gründen möchten wir Sie zu einem musikalischen Spaziergang durch Rom in diesen Jahren um 1700 einladen und wir geben dabei Alessandro Scarlatti mit seinem Oratorium „S. Casimiro Re di Polonia“ den Hauptplatz. Seine Oratorien zeigen, schon am Ende des 17. Jahrhunderts, eine moderne Art für die Stimme zu schreiben, die für die nächsten Jahrzehnte als Vorbild galt. Gesangslinien sind bei ihm immer direkt, rund, kommunikativ und umgeben von frischen, energetischen unisono Streichern oder raffinierten kontrapunktischen Sätzen. In diesen Jahren (um 1705) war auch Georg Friedrich Händel in der ewigen Stadt und es wird deutlich wie sehr er in seinen jungen Jahren von der Musik Alessandro Scarlatti inspiriert wurde. Natürlich aber nicht nur durch ihn, sondern auch die anderen, schon erwähnten, Namen, die allerdings heute weniger bekannt sind, weil sie vor allem Kirchenmusik komponierten. Händel profitierte aber von diesen römischen Psalmen und Motetten mit ihrer typischen Cantus Firmus Exposition, die den letzten Meilenstein der Kompositionsschule markieren, die von Palestrina begründet wurde. Darum wollen wir Ihnen auch feine Beispiele kirchenmusikalischer Kompositionen von Pietro Paolo Bencini und Giovanni Giorgi anbieten, die über eine reife und ausgefeilte Kompositionsweise in den Concertato Psalmen verfügen.

Kommen wir zurück zu S. Casimiro, der allegorische Inhalt erzählt uns über einen Streit. Regio Fasto (königlich luxuriös) und Amor Profano (irdische Liebe) kämpfen gegen Humilitá (Demut) und Castità (Keuschheit) in dem Geist von Casimiro, König von Polen (1458 – 1484). Im ersten Teil erscheint Casimiro nicht, und Regio Fasto und Amor Profano scheinen zu gewinnen, verbinden sich zu einer Allianz mit hellen und selbstbewussten Melodien. Dagegen erscheinen die Melodien der Keuschheit und Demut eher pathetisch in ihren in Moll gehaltenen Arien. Das Gefühl von Sieg beendet den ersten Teil des Oratoriums, dargestellt von einem volkstümlich anmutenden Tarantellaartigen Duett („Al serto delle rose“).

Der zweite Teil beginnt mit S. Casimiro. Das wunderschöne fugierte Preludium der Streicher beschreibt den Charakter der Tiefe und Schwere („Gravità“) in der Aria „Alma mia“, Die Geschichte entwickelt sich zu Gunsten von Keuschheit und Demut, die nun tatsächlich gegen ihre Rivalen gewinnen werden und den König Casimiro in einen Heiligen verwandeln. Können wir heutzutage, hinter der Schönheit der Musik noch einen Sinn in diesem allegorischen Inhalt, der in recht akademischer barocker Poesie erscheint, finden? Spricht dieses „Brainstorming“ von Casimiro zu uns in irgendeiner Form? Die Musik: sicherlich in ihrem virtuosen, engagierten, leicht und schwer zugleich erscheinenden Charakter. Aber die Geschichte? Ja, auf irgendeine Art tut sie es: Keuschheit ist heutzutage nicht mehr ein wichtiger Wert in unserer Gesellschaft, Demut ist es aber noch. Die Botschaft dieser Geschichte ist das Besiegen von unmotivierten Luxus, gegen die Gewalttaten des Krieges, gegen jede Art von autoritärem Herrschertum. Für mich ist das Libretto von 1704 in seiner Botschaft nicht bedeutungslos.
Genießen Sie das Konzert!

Alessandro Quarta, Rom 2019
(Übersetzung aus dem Englischen: Joachim Held)

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Der Dirigent und Komponist Alessandro Quarta widmet mit seinem Ensemble »Concerto Romano« besondere Aufmerksamkeit dem Vokalrepertoire der Renaissance und des Barock. Als Gastdirigent arbeitet er als Musikspezialist des 17. und 18. Jahrhunderts an vielen wichtigen Orten und Festivals (allein im Jahr 2017 bei der Accademia Filarmonica Romana, Tage Alter Musik-Herne, Rheingau Musikfestival, Niedersächsische Musiktage, Händel-Festspiele Karlsruhe, WDR Funkhaus-Konzerte Köln, Wiener Konzerthaus, Kölner Philharmonie, Styriarte, Rheinvokal, Musica Sacra Maastricht, De Bijloke – Gent und dem Boston Early Music Festival), und wird von Presse und Kritik gefeiert. Quarta hat mit dem »Concerto Romano« drei CDs für das Label »Christophorus« aufgenommen; die zweite Aufnahme »Sacred Music for the Poor« wurde von der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik als eines der interessantesten Aufnahmeprojekte des Jahres 2014 nominiert und gewann den Prix Caecilia 2015. Die jüngste CD ist die moderne Weltpremiere des Oratoriums »La Sete di Christo« von Bernardo Pasquini und wurde 2016 mit dem Diapason d'or ausgezeichnet. Von 2007 bis 2012 war Alessandro Maestro di Cappella der »Insigne Cappella Musicale del Pantheon« und ist derzeit Maestro an der Chiesa di S. Lucia al Gonfalone in Rom.
Er arbeitet oft mit anderen Organisationen und Ensembles zusammen, wie zum Beispiel als Gastdirigent für Projekte der italienischen Alten Musik mit dem »Ensemble Emelthée« in Lyon, als Continuo-Spieler beim Boston Early Music Festival Ensemble (für die Monteverdi-Trilogie) und 2016 im Consortium des »Carissimi-Ensembles« von Minneapolis für die moderne Erstaufführung der Oper »Tirinto« von Bernardo Pasquini. Als Coach und Produzent des Ensembles Exutlemus von Boston betreute er die erste vollständige Aufnahme von Orazio Vecchis »Veglie di Siena«, mit dem Ensemble »Blue Heron« in Boston erarbeitete er ein Aufnahmeprojekt von Ciprano De Rores Madrigalen in Zusammenarbeit mit der Eastman School of Music (Universität von Rochester, NY).
Seit 2007 ist er Dozent für Madrigalgesang bei den Internationalen Workshops für Alte Musik der FIMA (Fondazione Italiana Per la Musica Antica), wo er seit 2013 auch eine Meisterklasse zum römischen Oratorium des 17. Jahrhunderts hält. Seit 2017 ist er künstlerischer Leiter des internationalen FIMA-Festivals für Alte Musik in Urbino.
Er hat am Konservatorium Licinio Refice in Frosinone und am Conservatorio EF Dall'Abaco in Verona Musikprojekte und Meisterkurse geleitet und arbeitet seit 2014 mit dem Istituto di Cultura Italiano in Köln sowie gestaltet Workshops zum römischen Oratorium an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Foto Alessandro Quarta (c) Serge Sang

Die Ermäßigung gilt für: Schüler*innen, Studierende, Erwerbslose, Schwerbehinderte ab 70 %, Rentner*innen und dem Freundeskreis der HfK Bremen.
Einen Ticketvorverkauf bieten wir nicht an. Sie haben aber die Möglichkeit die Karten bis 2 Tage vor dem Konzert per E-Mail zu reservieren:

Termine
Musik in Rom um 1700

Unser Lieben Frauen Kirche Bremen

11. April 2019, 20:00