38. November-Ausstellung im Bremer Logenhaus

November-Ausstellung im Bremer Logenhaus

Verleihung des 30. Kunstförderpreises der Stiftung „Silberner Schlüssel“ zur 38. November-Ausstellung im Bremer Logenhaus

Vernissage und Preisverleihung
24. November 2019, 11 Uhr
Bremer Logenhaus, Kurfürstenallee 15

Anschließend Künstlergespräch mit dem Preisträger.

In diesem Jahr geht der Kunstförderpreis an den HfK-Absolventen Vincent Kück

Die Verleihung des Kunstförderpreises erfolgt mit freundlicher Unterstützung der Heinz A. Bockmeyer Stiftung.

Laudatio: Dr. Klaus Sondergeld, Vorsitzender des Rundfunkrates von Radio Bremen.

Musikalische Begleitung: Fleitjepiepen

38. November-Ausstellung im Bremer Logenhaus
24. November bis 1. Dezember 2019
Besuch nach telefonischer Vereinbarung:
0421 / 345535

Loge „Zum silbernen Schlüssel“
Bremer Logenhaus
Kurfürstenallee 15
28211 Bremen

Formen des Verschwindens

Wie verhält sich das Ich gegenüber der Welt?
Wie verändert das Internet unsere Auffassung von Subjekt und Objekt?

In den digitalen Medien lässt sich eine immer engmaschigere globale Vernetzung beobachten, in dessen Struktur hingegen sich das einzelne Individuum zunehmend isoliert, sich selbst hinter dem Bildschirm abschirmt.
Verlagerung in die Digitalität lässt Körperlichkeit erodieren. Die analog zugreifende Hand wird ausgetauscht gegen den lediglich aus der Distanz zeigenden Finger (lateinisch digitus).

Das digitale Subjekt erleidet das selbe Schicksal wie Narziss, dessen Blick sich auf das eigene Spiegelbild einengt - die Umgebung herausfilternd, auf sich selbst zurück geworfen, vereinzelt. Für ihn wird die Welt zum Spiegelkabinett, zur unberührbaren Reflektion seines oberflächlichen Erscheinungsbildes.
Ähnlich repräsentieren soziale Medien nicht alle Facetten, sondern nur einen idealisierten Ausschnitt von uns selbst. Die absolute Oberfläche des Displays hat keine Tiefe und Materialität, ist - genau wie Narziss' Spiegelbild, ausgehöhlt, nicht in der Lage Innerlichkeit zu zeigen.

Aber wie sieht die Welt des Kleinkindes aus, das noch nicht gelernt hat sich im Spiegel zu erkennen, noch kein Ichbewusstsein entwickelt hat und folglich Narzissmus - ob pathologisch oder in normalem Maß - noch kein Subjekt hat auf das er sich zentrieren könnte?

In der Annahme, abstrakte Malerei sei eine Methode sich an diese ursprüngliche Welt zu erinnern, versuche ich wieder Sensibilität für die Tiefe unmittelbarer Wahrnehmung zu entwickeln - das Oberflächliche aufzubrechen. Durch Schichtung, regelmäßiges Auf- und Abtragen, durch Fragmentierung der einzelnen Bildebenen.
Meine Bilder sind zwar zweidimensionale Oberfläche - wie das Spiegelbild oder das Display -, werden aber in ihrem analogen Entstehungsprozess und der Beschaffenheit der Farbe, um eine taktile Dimension erweitert - sie versperren sich nicht der Berührung. Die Verfallsästhetik der Bilder lässt an abblätternde Häuserfassaden denken, thematisiert Abnutzungsprozesse, von denen das Digitale prinzipiell nicht betroffen sein kann Die sich oft über mehrere Monate erstreckende Annäherung an das fertige Bild verhält sich dabei konträr zur Geschwindigkeit sozialer Medien.
Entlang dieser Gedanken verstehe ich meine Bilder als Mindmaps im Sinne von Karten innerer Gedankenwelten, als Zusammenfallen meines Subjekts mit den Objekten, als Auflösung der Gegenstände und ihrer Konturen, als Camouflage mit der Welt.

_DSC6731.jpg
Termine
38. November-Ausstellung im Bremer Logenhaus

Loge "Zum silbernen Schlüssel" , Kurfürstenallee 15, 28211 Bremen

24. November 2019, 11:00