FEAR. In Russia: in jails, in Ukraine: dying.

Malerische Auseinandersetzung mit dem Ukraine-Krieg

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FEAR. In Russia: in jails, in Ukraine: dying.

Ausstellung auf der "Dauerwelle"
Vernissage: 19. März 2022, ab 17 Uhr
20. bis 26. März 2022
Täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet

Expressionistisch zerfurchte, mit pastosem Farbauftrag gemalte Gesichter, die ins Leere starren. Oder in angstgesättigter Scheu verharren. Als Totenmaske an Unheil gemahnen. Hinter Gittern verdämmern. Not und Leid ausdrücken und vor Entsetzen geradezu bersten. Die Gemälde von Anastasiia Guzenkova sind so unfasslich real, so radikal entrückt. Knallrot glühen die Bilder, umhüllt von undurchdringlicher Dunkelheit, die für den Verlust von Klarheit und Kontrolle steht, für das Unbekannte, das Bedrohliche. Für die Nachtseiten der Wirklichkeit, des Lebens. Den Abgrund der Zivilisation oder für ihren Rand, wo sie sich in die Barbarei auflöst. Den Krieg.

„Etwas absolut Unmögliches ist geschehen und geschieht jetzt. Als Folge der Konzentration von Macht in einem einzigen verrückten Menschen. Innerhalb eines Tages war Russland ohne unabhängige Medien, ohne Wirtschaft und mit neuen Gesetzen, nach denen man ins Gefängnis kommen kann, wenn man Rot als Rot bezeichnet“, sagt Anastasiia Guzenkova über den Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine.

Die Künstlerin ist in Moskau geboren wie auch aufgewachsen, 24 Jahre alt und studiert im sechsten Semester Freie Kunst bei Heike Kati Barath, Professorin für Figurative Malerei an der Hochschule für Künste (HfK) Bremen.

Ihre hilflose Panik und ungebremste Wut angesichts des Ukraine-Kriegs hat Guzenkova in den letzten Tagen künstlerisch ausgearbeitet. Die Ergebnisse konfrontiert sie mit ihren Gemälden über die Folgen politischer Dissidenz in Russland, an denen sie schon seit Längerem arbeitet. Die zweigeteilte Ausstellung mit mehr als 20 Werken ist „FEAR. In Russia: in jails, in Ukraine: dying.“ betitelt und wird am 19. März 2022, 17 Uhr, eröffnet. Zu erleben sein wird die Schau bis 26. März 2022, täglich von 14 bis 17 Uhr, auf dem HfK-Veranstaltungsschiff „Dauerwelle“ am Anleger Bürgermeister-Smidt-Brücke, zu Füßen des Weserburg-Museums.

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Anastasiia Guzenkova erklärt zur aktuellen Situation: „Wie viele russische Familien hat auch meine ukrainische Verwandte und Freunde, weswegen nicht nur wir sehr überrascht wurden von der Aggression und sie sofort ablehnten. Denn dies ist kein Konflikt, dies ist ein echter Krieg, der die Menschen mit seiner Propaganda vergiftet. In der Ukraine sterben Menschen nur für Putins Ehrgeiz. Absolut sinnlos. Das betrifft jeden – auch in Europa. Die Menschen in Russland können den Krieg nicht als Krieg kritisieren, sonst müssen sie mit 15 Jahren Haft rechnen. Und die Gefängnisse sind in Russland vor allem Orte der Gewalt, ja, der Folter. Niemand, der seine Stimme in Russland erhebt, ist sicher. Aber hier in Bremen habe ich neben meinem Körper und meiner Stimme auch die Kunst. Ich möchte die unerträgliche Tragödie und das Grauen der Gegenwart zeigen. Vielleicht werde ich für diese Worte auch meine Freiheit und die meiner Familie riskieren, wenn ich nach Russland zurückkehre, aber wir müssen alles tun, was wir können, um diesen Krieg zu beenden.“

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Termine
Vernissage

"Dauerwelle", Anleger Bürgermeister-Smidt-Brücke

19. März 2022, 17:00

Ausstellung

"Dauerwelle", Anleger Bürgermeister-Smidt-Brücke

20. März 2022, 14:00