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Rückblick Hochschultage 2022

HfK-Hochschulpreise vergeben

Rückblick auf die Hochschultage 2022 mit ihren Ausstellungen, Installationen, Performances, Vorträge, Filme, Videokunst und Live-Musik-Darbietungen

Ein Wochenende im Zeichen von Kunst, Design und Musik: Am Samstag, 2., und Sonntag, 3. Juli 2022, fanden in den Ateliers, Studios, Galerien und Werkstätten im Speicher XI sowie im Außenbereich die Hochschultage, auch Rundgang genannt, statt.

Mehr als 4.000 Besucher:innen interessierten sich für die Projekte, Arbeiten, Werke und Konzerte der Studierenden der Hochschule für Künste (HfK) Bremen, die sich mit aktuellen künstlerischen, gestalterischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen und vielfältige Einblicke in ihre Schaffens- und Findungsprozesse gewährten.

Zu erleben waren Ausstellungen, Installationen, Performances, Vorträge, Filme, Videokunst und Live-Musik-Darbietungen. Bei der feierlichen Eröffnung der Hochschultage am Samstagmittag, 2. Juli 2022, im Freien waren knapp 250 Gäste anwesend – unter anderem zahlreiche Vertreter:innen aus Politik, Kultur und Wirtschaft.

In seiner Begrüßungsrede widmete Prof. Roland Lambrette, Rektor der Hochschule für Künste Bremen, die Hochschultage dem kürzlich verstorbenen Bauunternehmer und Mäzen Klaus Hübotter, der den Speicher XI vor dem Abriss gerettet, den Künsten gewidmet und zur Hochschule umgebaut hat. Die Atelier- und Veranstaltungshallen des HfK-Erweiterungsbaus Speicher XI A waren das letzte Projekt für die HfK, das er auf den Weg gebracht hat. „Wir sind Klaus Hübotter und seiner Familie sehr verbunden und gedenken seiner mit Dankbarkeit und Respekt.“ Zudem beschrieb Lambrette die HfK als einen lebendigen interdisziplinären Ort mit einer kritischen, aufmerksamen Diskussionskultur und betonte ihre wichtige gesellschaftliche Rolle sowohl in der globalisierten Welt als auch innerhalb der Stadt Bremen.

Ein Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung war die Verleihung der diesjährigen Hochschulpreise an HfK-Studierende und Absolvent:innen für herausragende künstlerische, musikalische und gestalterische Werke.

Die Gewinnerin des H.-A.-Bockmeyer-Reisestipendiums 2021 – Ren Evora, HfK-Studentin Integriertes Design – präsentierte zudem ihr Projekt „Rivers“, eine Installation aus Videoprojektion, Tuschezeichnungen und Papierobjekten. Das Stipendium führte die Künstlerin die Weser hinauf und durch das Bremer Umland, in eine ihr vertraute und doch vorher selten bewusst beachtete Umgebung. Die Reisen eröffneten einen Raum für die Auseinandersetzung mit der (Kultur-)Landschaft, der eigenen Wahrnehmung, den von der Künstlerin verwendeten Medien (Video, Zeichnung, Objekte) und den Resonanzen, die zwischen diesen Elementen entstehen. Was sind die Verbindungen zwischen Wahrnehmung, Blick, Projektion, Empfinden und Material? „Rivers" erforsche „Immersion und Distanz, Vertrautheit und Fremde, Innen und Außen“, sagt Ren Evora, ihre Arbeit sei „eine Annäherung an das Verhältnis des Subjekts zu seiner Umgebung und zu sich selbst.“

Übersicht aller Kategorien und Preisträger:innen:

Musik

Solokünstler
Pianist Beor Lee

(Klasse von Prof. Patrick O'Byrne)
Jurybegründung: Der Pianist Beor Lee beeindruckt durch ein vielfältiges, kontrastreiches Repertoire. In der ersten Runde spielte er eine Haydn-Sonate sehr geistreich, mit viel Witz und Genauigkeit. Er meisterte die lyrischen wie die kraftvoll virtuosen Passagen gleichermaßen souverän. Bei einer Nocturne von Gabriel Faure überzeugte Beor Lee mit ausgezeichneter Klangkontrolle bis ins äußerste Pianissimo. In der zweiten Runde begeisterte er uns vor allem mit Franz Liszts ,Danse macabre‘ in der Horowitz-Bearbeitung. Beor Lee hat dieses schwere Werk sehr virtuos gemeistert!

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Der Pianist Beor Lee beeindruckt durch ein vielfältiges, kontrastreiches Repertoire. Foto: Laura McFarlane

Ensemble
Qunitett Klaire

Klara Schwabe: Jazzgesang (Klasse von Romy Camerun)
Lea Baciulis: Jazzgitarre (Klasse von Andreas Wahl)
Yonathan Ghebretensae: Klavier (Klasse von Elmar Braß)
Magnus Bodzin: Kontrabass (Klasse von Prof. Markus Schieferdecker)
Elias Schlieper: Schlagzeug (Klasse von Christian Schoenefeldt)
Jurybegründung: Das Quintett Klaire begeistet durch die ausgewogene Qualität des Klanges, die Stimmen der Instrumente und der Sängerin verschmelzen zu einem harmonischen Miteinander. Außerdem überzeugen die fünf Musiker:innen bei ihren Auftritten mit großer Spielenergie, rhythmischer Präzision und exakt getimten Interaktionen. Sie haben mit viel Groove, Schwung, Witz und Melancholie eine tolle Musikauswahl und Arrangements von unter anderem von Cole Porter, Chick Corea und Bill Evans gespielt: sehr unterschiedlich und echt cool!

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Das Quintett Klaire hat die Jury begeistert. Foto: Laura McFarlane

Jury: Jörg Birkenkötter (HfK-Professor für Komposition), Hille Perl (Professorin für Viola da Gamba), Markus Schieferdecker (HfK-Professor für Jazz-Kontra-Bass), Stefan Veselka (HfK-Professor für Orchester-/Ensembleleitung), Artem Yasynskyy (HfK-Alumnus)

Freie Kunst

1. Platz
Lacuna. Inside a Dumpling

Künstler:innen: Maria Arzt, Jashua Bustos Chumasero, Paule Potulski, Bubu Mosiashvili, Noelle BuAbbud, Abd Tammaa, Vafa Aminikia, Farzad Golghasemi, Dasha Demianchuck, Feng Zeng, Kevi Teli, Jiye Lee, Caroline Schlingemann, Hyunbok Lee, Alexander Schröter, Ziyi Li, Maryam Faghihi
(Klasse Prof. Natascha Sadr Haghighian)
Jurybegründung: Der erste Platz des Hochschulpreises wurde dem Gruppenprojekt "Lacuna. Inside a Dumpling" der Klasse Natascha Sadr Haghighian zugesprochen. Als Lacuna – lateinisch für „Loch“, „Lücke“, „Ausfall“ – wird in der Editionsphilologie eine Lücke in der Überlieferung eines Textes bezeichnet. Genau diese Lücke füllt das Projekt mit Geschichten. Dumplings mit diversen Füllungen werden auf eigens dafür angefertigten Keramiken serviert. Die Jury hob vor allem die spürbare Zusammenarbeit der Gruppe hervor. Besonders hat der Jury der Ansatz gefallen, anhand von Essen als Motiv kulturübergreifender Verbindungen Austauschprozesse weiterzudenken.

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Das Projekt "Lacuna. Inside a Dumping" hat den ersten Preis in der Kategorie Freie Kunst gewonnen. Foto: Ana Rodriguez

2. Platz
Virginia Argentero und Hannah Stijnen mit „WORTBILDUND – In Bewegung“

(Klasse Prof. Andree Korpys und Prof. Markus Löffler)
Jurybegründung: Mit dem zweiten Platz des Hochschulpreises wurde die Video- und Sound Installation "WORTBILD - In Bewegung" ausgezeichnet. Sie entstand in Zusammenarbeit von Virginia Agentero, Gaststudierende unserer Partneruniversität IUAV in Venedig, und Hanna Stijnen der Klasse Julika Rudelius sowie der Klasse Korpys/Löffler. In ihrem Arbeitsprozess haben die beiden aus Hannas Bildern und Virginias Texten flüchtige Informationen extrahiert. Poetische Resonanzen entfalten sich zwischen lange belichteten Fotos und den gesprochenen Texten, die sich über mehrere Lautsprecher durch den Raum bewegen.

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 Mit dem zweiten Platz des Hochschulpreises wurde die Video- und Sound Installation "WORTBILD - In Bewegung" ausgezeichnet. Foto: Ana Rodriguez

3. Platz
Karolina Koßmann mit „Weich-sanft-bissig“, „Wir kommen aus uns raus“ und „Compagnon“

(Klasse Prof. Katrin von Maltzahn)
Jurybegründung: Der dritte Preis geht an eine Malerin, namentlich an Karolina Koßmann aus der Klasse Katrin von Maltzahn. Die Jury war überzeugt von ihrer ungewöhnlichen, traumhaften, surrealen, entrückten, kaum wirklich dechiffrierbaren Symbolik ihrer Bilder, nicht zuletzt von der eingesetzten sehr bunten, doch immer subtilen und fein abgestimmten Farbigkeit.

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Die drei Werke "Weich-sanft-bissig", "Wir kommen aus uns raus" und "Compagnon" überzeugten die Jury. Foto: Ana Rodriguez

Jury: Stefanie Kleefeld (Direktorin der Kunsthalle und des Kunstmuseums Bremerhaven), Annette Hans (Direktorin GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen), Eva Fischer-Hausdorf (Kuratorin für moderne und zeitgenössische Kunst an der Kunsthalle Bremen), Matilda Felix (Leiterin Städtische Galerie Delmenhorst)

Integriertes Design

1. Platz
 „Das fehlende Segment“

(Betreut von: Prof. Andrea Rauschenbusch, Dr. Arie Hartog)
Jurybegründung: Die Jury würdigt die umfangreiche und gut zugänglich gemachte Form der Vermittlung. "Das Fehlende Segment" setzt sich kritisch mit der Nordischen Kunsthochschule, ihrer Verflechtungen und Wirkungen auseinander. Die Arbeit zeichnet sich durch eine gelungene Kombination von original Dokumenten und unterschiedlichen Medialen Elementen aus. Das Projekt hat eine ausgewogene Verbindung zwischen dokumentarischer und künstlerischer Arbeit.

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"Das Fehlende Segment" setzt sich kritisch mit der Nordischen Kunsthochschule, ihrer Verflechtungen und Wirkungen auseinander. Foto: Ana Rodriguez

2. Platz
Te I Um mit „Chuchu und Tutu – Revealing Discrimination by Utilizing Kitsch as an Aesthetic Tool.“

(Betreut von: Prof. Annette Geiger, Prof. Samuel Nyholm)
Jurybegründung: Die Arbeit von Te I Um gibt mit Hilfe von verschiedenen Medien wie z. B. Animation Comics, Plakaten und Installationen einen Karikaturen Einblicke in die Thematik des Alltagsrassismus, sozialter und gesellschaftlicher Missverständnisse sowie die des Kapitalismus und deren Folgen. Durch eine ironische, verniedlichende und an gekitschte Darstellung ihres nicht ganz fiktiven Charters Chuchu und den Kaktus TuTu regt die Arbeit von Te I Um an, sich mit diesen aktuellen Themen der deutschen Gesellschaft auseinander zu setzen.

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Das Projekt experimentiert mit Kitsch als ästhetische Strategie, um über Rassismus in der deutschen Gesellschaft zu arbeiten. Foto: Ana Rodriguez

3. Platz
Malen Rodriguez Pajaro mit „Axis. Spirals Patterning the Universe“

(Betreut von: Prof. Kai Lehmann, Prof. Dorothea Mink)
Jurybegründung: Malen Rodriguez Pajaro wählt die Spirale als Ausgangspunkt ihrer Kollektion „Axis“. Feinfühlig überträgt sie die vielfältigen Eigenschaften dieser Universalform auf die Schnittmuster ihrer Modelle. Auf diese Weise einstehen je nach Material elegante Linien, spielerische Formen oder bewegte Volumina. Die ruhige konzipierte Präsentation wird durch ein Video ergänzt, dass die dynamische Seite der Spirale ergänzt.

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In dieser Modekollektion dient die Spirale als Inspiration und als Schnittmuster für die Entwicklung der Kleidung. Foto: Ana Rodriguez

Jury: Julia Bulk (Direktorin Wilhelm Wagenfeld Haus, Bremen), Sebastian Bareis (Kommunikationsdesigner und Gründer des Design-Büros Bum Bum, Berlin), Tevhide Mutlu (HfK-Alumna)

Digitale Medien

1. Platz
Alberto Harres „Arche-Scriptures“

Jurybegründung: Alberto holt seine Installation aus der typischen sterilen Ausstellungsumgebung heraus und vergräbt sie buchstäblich in der Erde. So entsteht eine herausragende Präsentation, die Technologien aus verschiedenen Jahrhunderten - Töpferei, Gravur, Computer Vision und Sonifikation - zusammenbringt und eine Diskussion über Kontinuität, Bewahrung und Archivierung anstößt.

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Alberto Harres hat mit Arche-Scriptures den ersten Preis in der Kategorie Digitale Medien gewonnen. Foto: Ana Rodriguez

2. Platz
Fabian Mosele mit „Digital Folktales“
Jurybegründung:
Internetkultur trifft auf die Gebrüder Grimm. Das Projekt ehrt sowohl die traditionelle Folklore als auch das kulturelle Web-Erbe, indem es spielerisch Nischentechnologien und redaktionelles Design miteinander verbindet. Jenseits bekannter Vorurteile behandelt Fabian Algorithmen als moderne Geschichtenerzähler. Er sammelt ihre Geschichten in einem übersichtlich gestalteten Buch und rückt ihre Erfahrungen in ein anderes Licht.

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Internetkultur trifft auf die Gebrüder Grimm: mit "Digital Folktales".  Foto: Ana Rodriguez

3. Platz
Lotta Stöver mit „Sleep Like Mountains“
Jurybegründung:
Eine poetische Verkörperung der digitalen Medien. Die ständige Suche nach einer Übereinstimmung zwischen Körper und Landschaft verweist auf die Verbindung, die wir mit der Erde haben. In der Installation sind Schlafen und Scannen und ihre jeweilige Dauer Metaphern für den natürlichen, langsamen Prozess der Gebirgsbildung im menschlichen Maßstab.

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Für die Arbeit  "Sleep like Mountains" hat Lotta Stöver den dritten Preis in der Kategorie Digitale Medien erhalten. Foto: pv

Jury: Daria Sazanovich (Multimedia-Künstlerin und Designerin, Weißrussland), Petrit Hoxha (Grafikdesigner, Spieleentwickler und Medienkünstler, Kosovo), Iulia Radu (Grafik-Designer und Autor, Kosovo), Bojana Petkovic (Medienkünstlerin und Designerin, Serbien/Deutschland)

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Impressionen von den Hochschultagen 2022. Fotos Ana Rodriguez und Amina Falah