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„The Dynamic Archive“

„The Dynamic Archive“

Im Sommersemester 2019 startet eine neue Vortragsreihe mit dem Titel „The Dynamic Archiv / Das Dynamische Archiv“

Die Vortragsreihe ist Teil des Forschungsprojekts „The Dynamic Archive“. Dieses thematisiert einerseits kollaboratives Arbeiten, Austausch und zirkuläre Prozesse und andererseits das Archivieren und Sammeln von künstlerischen, gestalterischen und theoretischen Arbeiten selbst.

Eine Kunsthochschule wie die Hochschule für Künste Bremen erscheint als Initiatorin für ein solches Projekt prädestiniert. Denn eine Kunsthochschule kann als Zone der Konvergenz und des Erprobens eines kollaborativen Arbeitens bezeichnet werden. Man kann sie als ein Territorium der Gemeinschaft bezeichnen. In ihm interagieren eine Vielzahl von Individuen, Dingen, Strömungen, Geschichten und Fiktionen sowie Inszenierungen. Auswahlmechanismen und Konvergenzen sowie Brüche sind wichtige Voraussetzungen für die Erprobung verschiedener Formen von Partizipation und für die Entwicklung von Austauschprozessen.

Um diese Mechanismen zusammenzuführen und zu reflektieren sowie auch kontinuierlich und effektiv zu gestalten, entwickelt die Hochschule für Künste Bremen zusammen mit Kooperationspartner*innen ein „Dynamisches Archiv“, in dem Arbeitsbeschreibungen, Notationen von Choreographien, Software, Tools etc. von künstlerischen Arbeiten abgelegt werden, die dann im Ganzen oder auch nur in einem ausgewähltem Teil von anderen Künstler*innen weiterentwickelt werden. Ein solches Dynamisches Archiv wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Studio The GreenEyl aus Berlin als Webapplikation, aber auch mit physischen Komponenten realisiert. In einer ersten Version ab Mitte Juni 2019 wird es mit zahlreichen Archivkomponenten öffentlich zur Verfügung stehen (thedynamicarchive.org).

Die Vortragsreihe „The Dynamic Archive“ und ihre eintägigen Workshops thematisiert in ihrem 1. Teil im Sommersemester 2019 Mechanismen des gemeinschaftlichen Arbeitens, auch über die Grenzen der Kunsthochschule hinaus.

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Was heißt es zusammenzuarbeiten, auch über die Grenzen der eigenen Institution hinweg und tatsächlich punktuell oder umfassender etwas Gemeinsames zu entwickeln? Welche Bedingungen müssen hierfür geschaffen werden? Open-Source-Strategien in der Softwareentwicklung werden hier als Modell untersucht. Die sich hieraus ergebende Beschäftigung mit Motivationen, Autorschaft und Geheimhaltung wirft Fragen auf, die grundsätzliche gesellschaftspolitische und ökonomische Entwicklungen der letzten 20 Jahre betreffen.
Es wird kritisch gefragt, was nötig ist, damit die forschende Selbstbildung und die Beteiligung an der Wissensproduktion nicht unmittelbar einem verwertungslogischen Denken der Selbstoptimierung anheimfällt. Welche anderen Praktiken können eingeführt und erprobt werden? Mit Forschen wird innerhalb des Dynamischen Archivs eine Tätigkeit bezeichnet, im kritischen Sinne zu konzeptualisieren und die Ökonomisierung des Wissens als Rahmung ins Visier zu nehmen. Gerade auch, weil Open Source und Open Access als Optionen angenommen werden könnten, die Machtkonstellationen zu transformieren suchen, allerdings immer mit der Gefahr, dass auch sie Raum für neue Ausbeutungsmechanismen bieten.
Die drei Vorträge des ersten Teils der regelmäßig geplanten Reihe reflektieren und gestalten diese Mechanismen auf unterschiedliche Art und Weise.

Die Vorträge im Sommersemester 2019

Hinweis: Vorträge in englischer Sprache.
Für die Workshops bitte anmelden unter

22. Mai 2019, 18:00 Uhr
Emma Hedditch: What Is Terrible About This?
Nebenflut (Raum 1.07.040), Speicher XI, Bremen

Emma Hedditch (New York) befragt in ihrer Forschung, wie kooperative Geschäftsmodelle für die künstlerische Produktion angewandt werden. In den vergangenen zwei Jahren hat Hedditch sich in kleinen Lesegruppen, Workshops und Treffen mit Mitgliedern unterschiedlicher Kunstorganisationen mit verschiedenen Kooperativen befasst. In ihrem Vortrag präsentiert sie einige Ergebnisse aus diesen Zusammenkünften und legt dar, warum sie Kooperativen für wichtig und relevant für das Durchdenken von künstlerischer Produktion hält.
Emma Hedditch, 1972 geboren, lehrte von 2001 bis 2008 an der Freien Universität Kopenhagen. Bereits 20 Jahren lang arbeitet sie mit Cinenova zusammen, einem feministischen Film- und Videoverleih. Seit 2012 unterstützt sie No Total, eine internationale Künstler*innengruppe, und ist seit letztem Jahr Mitglied bei Coop Fund, einem mitgliederbasierten Finanzierungsplattform, die Mittel für Kulturschaffende bereitstellt. Hedditch nahm an Gruppenausstellungen in New York und Norwich teil und veröffentlichte in „Afterall“, „Mute Magazine“ und „Art Monthly“.Mehr Informationen (auf Englisch) hier.

23. Mai 2019
Workshop mit Emma Hedditch
Nebenflut (Raum 1.07.040), Speicher XI, Bremen

19. Juni 2019, 18:00 Uhr
Sven Jonke: Oblique Strategies
[Vortrags-Crossover: Salon Digital & Das Dynamische Archiv]
Nebenflut (Raum 1.07.040), Speicher XI, Bremen

Sven Jonke ist Mitbegründer des kroatisch-österreichischen Designer-Kollektivs Numen, Bühnengestalter und Künstler. In seinem Vortrag „Oblique Strategies“ wird er über das potenziell befreiende und experimentelle Wesen der Theatergestaltung, über die Höhen und Tiefen der Teamarbeit und über eine sich gegenseitig inspirierende Beziehung zwischen Szenografie und Installationskunst sowie über künstlerische Kompromisse und deren interessante Konsequenzen halten.
Mehr Informationen (auf Englisch) hier.

20. Juni 2019
Workshop mit Numen
Nebenflut (Raum 1.07.040), Speicher XI, Bremen

4. Juli 2019, 18:00 Uhr
Ho Tzu Nyen: Some Notes on the Critical Dictionary of Southeast Asia
Auditorium, Speicher XI, Bremen

Einem leben Organismus verwandt, ist The Critical Dictionary of Southeast Asia (CDOSEA) Teil eines fortlaufenden Projekts, das wächst und kritisch Einsicht in die pluralistischen Definitionen Südostasiens unter der aktuellen Nomenklatura gibt. Der Begriff Südostasien ist vieldeutig und unklar, das Gebiet ist weder durch Sprache noch durch Religion oder politische Macht vereint. Das CDOSEAS nutzt ein algorithmisches System, um eine „endlose Serie an möglichen Südostasiens“ zu generieren, die einen zwar territorialen zerrissenen, aber dennoch terminologisch verbundenen Teppich formen. Es stellt eine Forschungsplattform und Matrix dar, um zukünftige Projekte zu generieren. CDOSEA wird gespeist aus dem in Dauerschleife laufenden Algorithmus „Abécédair“. Dieser besteht aus Videomaterial, umgeleitet aus Onlinequellen, und wird wieder zusammengesetzt in endlosen algorithmischen Variationen. Ho Tz Nyen arbeitet hierfür mir Jan Gerber und Sebastian Lütgert zusammen.
Ho Tzu Nyen wird in seinem Vortrag über das Critical Dictionary of Southeast Asia sprechen und darüber, welche Projekte es nach sich zog, darunter The Nameless (2015) oder One or Several Tigers (2018).
Mehr Informationen (auf Englisch) hier.

Ho Tzu Nyen bietet zusammen mit Sebastian Lütgert im Wintersemester 2019/2020 eine Lehrveranstaltung an der HfK Bremen an.
Im Rahmen des Dynamischen Archivs ist er „Artist in Residence“ an der HfK Bremen und im Edith-Russ-Haus für Medienkunst Oldenburg. In diesem Kontext findet dort auch vom 11. Juli–29. September 2019 seine Einzelausstellung statt.
Artisttalk am 10. Juli 2019, 18:00 Uhr,
Eröffnung am 10. Juli 2019, 19:00 Uhr

The Dynamic Archiv

Die Hochschule für Künste Bremen entwickelt zusammen mit Kooperationspartner*innen Schwankhalle Bremen, Edith-Russ-Haus für Medienkunst Oldenburg und HEC IT Engineering „The Dynamic Archive“, in dem Arbeitsbeschreibungen, Notationen von Choreographien, Software, Tools etc. von künstlerischen Arbeiten abgelegt werden, die dann im Ganzen oder auch nur in einem ausgewählten Teil von anderen Künstler*innen weiterentwickelt werden. Dieses Dynamische Archiv wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Studio The GreenEyl aus Berlin als Webapplikation, aber auch mit physischen Komponenten realisiert. In einer ersten Version ab Oktober 2019 wird es mit zahlreichen Archivkomponenten öffentlich zur Verfügung stehen (thedynamicarchive.org).

The Dynamic Archive integriert jährlich zwei Künstler*innen als „Artist in Residence“ in das Projekt. Die Künstler*innen werden in der Hochschule für Künste sowie im Edith Russ Haus Oldenburg und der Schwankhalle Bremen aufführen und ausstellen. Ihre Arbeit in diesem Kontext wird finanziert vom Dynamischen Archiv. 2019 werden dies der Medienkünstler Ho Tzu Nyen und die Performancekünstlerin Eva Meyer Keller sein. Keller wie Nyen werden im Wintersemester 2019/2020 eine Lehrveranstaltung an der HfK Bremen anbieten und auch Teil des Dynamic Archives sein.

Rückblick

Zwischen dem 28. und 30. Mai 2018 fand die Konferenz zum Thema „Das Dynamische Archiv“ an der HfK Bremen statt. In einer Reihe von Fachvorträgen renommieter internationaler Expert*innen wurde über kollaboratives Arbeiten, Teilen, Kopieren und Weiterverwenden von Modulen diskutiert und der Frage nachgegangen, inwiefern ein zentrales Archiv angelegt werden kann, in dem Künstler*innen und Gestalter*innen ihre Arbeitsweisen und Arbeitsprozesse zur Verfügung stellen.

http://thedynamicarchive.org/

http://vimeo.com/dasdynamischearchiv

Kooperationspartner:
Schwankhalle Bremen
Edith-Russ-Haus für Medienkunst Oldenburg
HEC IT Engineering