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„Einer, der die Dinge bei den Wurzeln packt, sich die Hände dabei schmutzig macht und nicht zuerst auf den Beifall schielt!“

„Einer, der die Dinge bei den Wurzeln packt, sich die Hände dabei schmutzig macht und nicht zuerst auf den Beifall schielt!“

Großer Publikumsandrang bei Ausstellungseröffnung zu „80 Jahre Jürgen Waller // 60 Jahre Kunst“ in der HfK-Galerie

Am vergangenen Freitag, den 22. Juli 2019, fand um 18 Uhr in der Galerie der Hochschule für Künste Bremen die Ausstellungseröffnung zu „80 Jahre Jürgen Waller // 60 Jahre Kunst“ statt, die Eröffnung von gleich vier Ausstellungen in der Galerie der HfK Bremen, der Kunsthalle Bremen, der Weserburg Museum für moderne Kunst sowie der Galerie Birgit Waller in Lesum. Eine große Zahl an kunstinteressierten Bremer*innen sowie Freund*innen und ehemaligen Weggefährt*innen hatten sich auf den Weg in die Dechanatstraße gemacht, um mehr über den Künstler und Menschen Jürgen Waller zu erfahren.

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© Lukas Klose

Wegbegleiter*innen zu Jürgen Wallers Zeit als Rektor der Hochschule für Künste Bremen © Otto Hagedorn / HfK Bremen

Roland Lambrette, Rektor der HfK, sowie Janneke de Vries, Direktorin der Weserburg Museum für moderne Kunst, und Prof. Dr. Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, ehrten den Jubilar mit Lobreden, die neben Wallers unermüdlichem Schaffen in den sechs vergangenen Jahrzehnten vor allem auch dessen Erfolge in der Bremer Kulturszene würdigten. 1980 gründete Jürgen Waller zusammen mit Mitstreiter*innen die GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, außerdem stieß er ab 1988 den Aufbau der Weserburg als Museum für moderne Kunst mit an.
Rektor Roland Lambrette bekräftigte in seiner Rede, dass er Wallers Mut zu mitunter auch unpopulären Entscheidungen bewundere, Waller habe stets für seine Überzeugungen gekämpft. Er stieß bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt des HfK-Rektors 2002 den Umzug in den Speicher XI an, gegen diverse Widerstände. Damit war er verantwortlich für den Beginn des kreativen Zentrums in der Überseestadt, von wo aus die Künstler*innen, Designer*innen und Gestalter*innen bis heute nach ganz Bremen und in die übrige Republik wirken. „Ohne den Einsatz von Jürgen Waller wäre diese Kompetenzbündelung in der Überseestadt nicht möglich gewesen!“, so Lambrette.

Ab 1977 als Professor für Malerei in an der Kunsthochschule Bremen, stand Jürgen Waller der 1989 in den Rang einer Universität gehobenen HfK Bremen für 11 Jahre als Rektor vor. „Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Hochschule für Künste, wie sie sich heute präsentiert, in ihrer Grundstruktur in der Ära Waller entstanden ist“, betonte Roland Lambrette in seiner Rede. Die Hochschule wurde in dieser Zeit personell und materiell ausgebaut, das frühere Konservatorium und die Akademie für Alte Musik verschmolzen zum Fachbereich Musik.

Jürgen Waller zu seiner Tätigkeit als Rektor der HfK Bremen (1989–2002) © Otto Hagedorn / HfK Bremen

Jürgen Wallers Rolle als Initiator großer, die HfK sowie das gesamte Kulturleben Bremens betreffender Entwicklungen endete 2001 völlig überraschend, als er zu Beginn seiner dritten Amtszeit zurücktrat und fortan den Umzug und den Neustart seiner Hochschule nur noch von außen verfolgte. Waller schuf Freiräume und Ausstellungsmöglichkeiten, vernetzte die Kunstszene und die Hochschule in der Stadt und auch überregional – eben ‚buten und binnen‘. Er sorgte dafür, dass sie mit großen Projekten sichtbar wurde. Dieser Haltung und diesem Erbe fühle er sich persönlich verpflichtet, beteuerte Rektor Roland Lambrette: „Mit Kunst, die allein im Eigenbrötlerischen hängen bleibt, ist es schwer, eine herausragende Hochschule zu machen. Eine attraktive Hochschule bietet Bühne und Resonanzräume. Sie muss anziehend sein für Studierende! Und die Stadtgesellschaft erlebt ihre Hochschule als eine Bereicherung ihrer vielfältigen Kulturszene. Die HfK ist da auf einem sehr guten Weg, den Jürgen Waller als Erster beschritten hat.“

Laudatio von HfK-Rektor Roland Lambrette im Wortlaut:

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Bild oben: v.l.n.r. Ehepaar Birgit und Jürgen Waller, Janneke de Vries, Prof. Dr. Christoph Grunenberg © Lukas Klose

Es gelte weiterhin, den von Jürgen Waller zu allererst beschrittenen Weg weiter zu verfolgen und dabei nicht nachzulassen, die Welt in die Hochschule zu holen und selbst die Hochschule überregional ins Spiel zu bringen. Die HfK dürfe sich nicht nur an den eigenen Maßstäben messen, sondern müsse Neues entdecken und Perspketiven mitbestimmen, wenn sie im Konkurrenzkampf mithalten wolle.
Roland Lambrette beendete seine Laudatio mit den Worten: „Ich wünsche mir mehr Waller-Temperament!“ Denn dessen zupackende Art sei heutzutage mehr denn je gefragt bei der großen Aufgabe, die Dechanatstraße und den Speicher zusammenzudenken und zusammenzuführen. Die HfK habe ein einzigartiges Potenzial, das so keine andere Hochschule in Deutschland besäße.

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© Lukas Klose

Dass in Bremen zeitgleich vier Ausstellungen zu einem Künstler laufen, ist mehr als nur etwas Besonderes. Diese Ehre wird aktuell dem Maler und ehemaligen HfK-Rektor Jürgen Waller zuteil. Entsprechend groß war im Vorfeld das Medieninteresse: Der Weser-Kurier berichtete in seinem Interview „Mich regt eigentlich gar nichts mehr auf“ vom 19. Juli 2019 vorab auf der gesamten Kultur-Seite sowie auf dem Titelblatt.

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Weser-Kurier, Juergen Waller, 19.07.2019, S. 22.jpg

Weser-Kurier, Ausgabe vom 19. Juli 2019
Als pdf hier:

Radio Bremen 2 sendete am Folgetag einen Beitrag zur Ausstellungseröffnung von „80 Jahre Jürgen Waller // 60 Jahre Kunst“.
Link zum HfK-Soundcloud-Account hier.

Fotos der Eröffnung „80 Jahre Jürgen Waller // 60 Jahre Kunst“ in der HfK-Galerie in der Dechanatstraße, 19. Juli 2019 © Lukas Klose

Jürgen Waller zu den vier Ausstellungen „80 Jahre Jürgen Waller // 60 Jahre Kunst“ © Otto Hagedorn / HfK Bremen

In der Galerie Dechanatstraße der HfK Bremen finden Bilder Platz aus Wallers Zeit als Professor für Malerei und Rektor (1977–2004). Dabei sind Motive wie Krieg und Frieden, archetypische Symbole, drohendes Unheil und Menetekel vorherrschend, die durch eine düstere Farbgebung hervorgehoben werden. Mehr Informationen hier.
Die Kunsthalle Bremen zeigt unter dem Namen „Jürgen Waller. Zum 80. Geburtstag“ (4. Juni bis 25. August 2019) acht Werke von Waller aus ihrem Bestand, darunter auch erstmals drei Neuzugänge. Der Schwerpunkt dieser Werkschau liegt auf den figürlichen Gemälden aus der Zeit von 1968 bis in die 1980er-Jahre, die sich gesellschaftskritischen Themen widmen. Ergänzt wird diese Gruppe durch ein Werk aus Wallers Serie der schwarzen Bilder aus den 1990er-Jahren sowie durch seine wichtige Medien-Installation „Manhattan“ von 2001. Mehr Informationen auf der Webseite der Kunsthalle.
Die Weserburg präsentiert bis zum 1. September 2019 sieben Werke aus Jürgen Wallers Serie „Schwarze Sonne“. Die Faszination des Künstlers für die Farbe Schwarz rührt her von einer Fahrt in den Oberhausener Schacht im Jahr 1985, wo er in 1.250 Metern Tiefe ein neues Gefühl von Bedrohlichkeit wahrnahm, das ihn künstlerisch nie wieder loslassen sollte. Die Bilderserie „Schwarze Sonne“ entstand zwischen 1999 bis 2016 und geht zurück auf einen New-York-Besuch Wallers im Jahr 1989. Dort sah er bei einem Gang über den West Broadway die Twin Towers, im Smog gelegen, und zwischen ihnen die nahezu schwarze Sonne. Dieser Anblick inspirierte den Künstler und wurde zu einem seiner bevorzugten Themen. Mehr Informationen auf der Webseite der Weserburg.
Die Galerie Birgit Waller in Lesum stellt Papierarbeiten, kleine Skulpturen und Keramiken aus Wallers aktiver Zeit in Frankreich (1981 bis 2017) aus. Bereits seit 1959 zog es Waller zum ersten Mal an die französische Mittelmeerküste, ins Örtchen Vallauris, wo er sein eigenes Atelier gründete. Allein im Jahr 1965 entstanden dort mehr als 300 Bilder. Mehr Informationen auf der Webseite der Galerie Birgit Waller.

22. Juli 2019