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Aus dem Archiv des Klaus-Kuhnke-Instituts für Populäre Musik

Aus dem Archiv des Klaus-Kuhnke-Instituts für Populäre Musik: Fundstücke des Monats

Rezensiert von Nico Thom, Leiter des Klaus-Kuhnke-Instituts

November 2022 - Jazz und alte Musik (Vortrag mit Musikbeispielen, Vinylplatte, Telefunken 1957)

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In Zeiten des Internets sind musikbezogene Erklärvideos oder -podcasts omnipräsent. Das war in den 1950er Jahren noch ganz anders. Damals lieferten neben Büchern und Zeitschriften vor allem Radiosendungen musikrelevante Informationen. In einigen wenigen Fällen waren es Schallplatten, auf denen Musik erklärt wurde.

Ein Beispiel dafür ist diese 10-Zoll-Vinylplatte mit dem Titel „Jazz und alte Musik“, die einen Vortrag mit Musikbeispielen enthält. Sie ist 1957 in der Aula der Hamburger Schule am Mittelweg aufgenommen und im selben Jahr auf dem Label Telefunken veröffentlicht worden. Die beiden Vortragenden sind der Jazzjournalist/-publizist Joachim-Ernst Berendt und der Musikwissenschaftler Dr. Joachim Tröller, ein Experte für Alte Musik. Die Musikbeispiele stammen vom Wolfgang Lauth Quartett, einem Jazzquartett um den Pianisten Wolfgang Lauth, mit Werner Pöhlert an der halbakustischen E-Gitarre, Peter Trunk am Kontrabass und Joe Hackbarth am Schlagzeug. Eine namenlose „Schülerin der Musikhochschule Mannheim“ liefert die improvisierten Cembalo-Passagen.

Die Live-Aufnahme bietet „mit ihren knapp 40 Minuten einen Ausschnitt aus einer zweistündigen Veranstaltung“, bei der auch „Lichtbilder“ gezeigt wurden, welche auf der Platte aber selbstverständlich nicht zu sehen sind. Mit dieser Veranstaltung tourten die beiden Vortragenden und die Musiker:in damals durch deutsche Universitäten und Schulen – und zwar mit der Intention, sowohl Jazz als auch alte Musik (zu der Zeit noch klein geschrieben) der Bevölkerung näher zu bringen. Freilich standen die Gemeinsamkeiten der beiden Musiktraditionen dabei im Vordergrund: Improvisation, Bassmotivik, geistlich-weltliche Volksmelodien, durchgehender Rhythmus, tonale Kolorierungspraxis etc.

Allerdings legen die beiden Vortragenden Wert darauf, dass es nicht darum gehe, die jeweils andere Musiktradition mit dem Aufzeigen der Parallelen zu rechtfertigen oder künstlerisch aufzuwerten. Vielmehr sollen musikhistorische und musikanalytische Fakten geliefert werden, um ein besseres Verständnis von Jazz sowie alter Musik zu befördern.
Das Wolfgang Lauth Quartett spielt fünf Stücke, die man heutzutage dem sogenannten Cool Jazz zuordnen würde, darunter zwei Kompositionen von Wolfgang Lauth selbst sowie jeweils eine von Fats Waller, Meade Lux Lewis und John Lewis. Neben den kurzen Passagen, in denen die Cembalo-Studentin die Generalbass-Spielpraxis demonstriert, wird auch ein Hörbeispiel präsentiert, das einen Mitschnitt aus dem Gottesdienst einer afro-amerikanischen Gemeinde in Harlem/New York erklingen lässt.

Der gesamte Vortrag ist im zeittypischen pathetisch-übertonten Sprechstil der 1950er Jahre gehalten und verwendet viele Male das N-Wort, um die afro-amerikanischen Anteile der Jazztradition zu kontextualisieren. Das mag in unseren Ohren unangemessen klingen, entsprach jedoch dem Zeitgeist und lässt an keiner Stelle abwertendes bzw. rassistisches Gedankengut erkennen. Im Gegenteil: Es geht gerade darum, die Bedeutung des Beitrags von Afro-Amerikaner:innen für die Entwicklung des Jazz zu würdigen. Insofern handelt es sich bei diesem hörenswerten Zeitdokument um ein frühes Beispiel für sogenannte interkulturelle Musikvermittlung.

Oktober 2022 – Frank Wonneberg: „Red Zappa. 1967-1993. On Vinyl Behind the Iron Curtain. Frank Zappa and the Mothers of Invention. A Real Discography“ (Limitierter Fake-Kunst-Kalender, Eigenverlag: 2019, Serie Z, Nr. 43/100)

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Frank Wonneberg bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen den Künsten Musik, Graphik und Literatur. Aus einer ostdeutschen Musikerfamilie stammend erlernte er zunächst das Handwerk des Schriftsetzers, studierte dann Musikwissenschaft sowie Kulturgeschichte und arbeitete viele Jahre als Graphiker in der Verlagswelt, wo er Zeitschriften mitgestaltete, und im Musikbusiness für Plattenlabels, Musikveranstalter sowie Rockbands, für die er Plattencovers und Plakate entwarf. Zwischenzeitlich betrieb er außerdem einen Mailorder für Vinylschallplatten und brachte eine Zeitschrift namens „Living Vinyl“ heraus. Mit seinem „Vinyl-Lexikon“ trat er im Jahr 2000 erstmals als Buchautor in Erscheinung. Es folgten weitere überarbeitete Auflagen seines Schallplatten-Standardwerkes sowie das Buch „Grand Zappa“ (2010) über den US-amerikanischen Musiker Frank Zappa (1940-1993).

Im Jahr 2019 publiziert Wonneberg dann einen limitierten Fake-Kunst-Kalender, der sich ebenfalls mit Frank Zappa auseinandersetzt. Darin bildet er die Covers von Vinylplatten ab, die der sagenumwobene Musiker angeblich hinter dem „Eisernen Vorhang“ veröffentlichen konnte. Wonneberg fabuliert von „unbekannten Tonträgern aus dem ehemaligen Ostblock“ bzw. von „raren Lizenzausgaben kommunistischer Schallplattenfirmen“, die in einem mysteriösen Pappkarton aus dem Nachlass des schweizerischen Sammlers Beat Rupp verpackt gewesen und im Archiv der Varèse-Zappa-Gesellschaft in Basel gelagert worden seien. Wonneberg habe 2018 das Archiv besucht und dabei diese Platten zufällig entdeckt.

Die fiktive Story ist im Kalender ausgeführt und mit allerlei Details gespickt, welche sie realistisch erscheinen lassen. Dennoch handelt es sich um ein amüsantes Spiel mit der Wahrheit, das allerdings Eingeweihte und Zappa-Kenner als Fantasie bzw. Sammler-Traum des Künstlers entlarven können. Mit einem neorealistischen Ansatz „faksimiliert“ Wonneberg „ein knappes Dutzend überaus seltener […] Langspielplatten sowie eine Single“. Neben dem jeweiligen Frontcover wird auch die A-Seite des Tonträgers gezeigt. Die Bildunterschriften beinhalten Angaben zum Erscheinungsjahr, der Katalognummer, zum Ursprungsland und der Plattenfirma in der jeweiligen Landessprache. Zudem gibt es die Matrizennummer, die Angaben zur Originalaufzeichnung bzw. zum Lack-Umschnitt, zum Hersteller, zur Quelle der Tonaufzeichnung, zum Medien-Format, zur Vinylqualität, Grammatur und zum Prädikat aus Sicht des Sammlers. Alles erfunden natürlich!

Angeblich seien die abgebildeten Zappa-Platten in Albanien, Bulgarien, China, Kuba, der Tschechoslowakei, in Ostdeutschland, Ungarn, Nordkorea, Polen, Rumänien, der Sowjetunion und in Jugoslawien erschienen. Entsprechende Monopol-Labels wie Amiga, Supraphon oder Balkanton hätten die Vinyls mit staatlicher Genehmigung unters Volk gebracht. Und tatsächlich wirkt die Illusion durch Wonnebergs täuschend echte Nachbildungen der Label-Designs und -Ästhetiken. Nur Muttersprachler bzw. Fachleute erkennen kleine Fehlerchen bei den landestypischen Schreibweisen.
Da Frank Zappa mehr als zwölf Alben veröffentlicht hat, musste Wonneberg eine Auswahl treffen, die einen Querschnitt durch Zappas Werk liefert. In jedem Falle ist das Original wiederzuerkennen, wenngleich es verfremdet dargestellt ist. Hier paart sich gelungenes Kunsthandwerk, Sachkenntnis und verschmitzter Humor. Eine Freude – nicht nur, aber vor allem für Zappa-Fans.

September 2022 - Stephan Heimbecher: "Maxell Mini-Lexikon Rock, Pop, HipHop & Co" (Sonderausgabe für die Maxell Deutschland GmbH in Meerbusch, München: Compact Verlag 1999)

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Beurteile niemals ein Buch nach seinem Einband. Oder: Never judge a book by its cover. Mit diesem internationalen Sprichwort im Hinterkopf soll dieses Mal ein Blick in ein kleinformatiges Werbe- bzw. Kundengeschenk der Firma Maxell gewagt werden. Das weltweit operierende Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Japan und diverse Niederlassungen im Ausland, unter anderem in Deutschland. Zu den Produktlinien zähl(t)en Batterien und Speichermedien wie Kassetten, Tonbänder, Disketten, Videobänder, CD- und DVD-Rohlinge, aber auch iPod-Zubehör sowie Fernbedienungen, Mikrofone, Kopfhörer, Soundbars und Beamer.

Offenbar hat Maxell vor der Jahrtausendwende den deutschen Compact Verlag damit beauftragt, ein außergewöhnliches Präsent für Kunden und Geschäftspartner im deutschsprachigen Raum zu produzieren, das handlich ist und Fakten zur Populären Musik in geraffter Form bereithält. Auf immerhin 255 Seiten werden Musiker:innen und Bands von ABBA bis ZZ Top aufgelistet und mit kurzen Einträgen beschrieben. Dazwischen finden sich prägnante Informationen zu musikalischen Termini, bspw. zu Begriffen wie „a cappella“ oder „Disco“. Querverweise ordnen zudem einzelne Künstler:innen entsprechenden Bands zu, bspw. Kurt Cobain zu Nirvana oder Steve Nicks zu Fleetwood Mac.

Stilistisch hält das Büchlein, was es verspricht: Es behandelt den Mainstream-Rock und Pop der 1960er bis 1990er Jahre und wartet darüber hinaus auf mit vereinzelten Einträgen zu Hip-Hop-Künstler:innen wie Grandmaster Flash and the Furious Five, Salt'n'Pepa oder Run D.M.C. Besonders häufig vertreten sind Künstler:innen, die in den 1990er Jahren die Charts dominiert haben. Wie üblich in derartigen Lexika, werden in erster Linie US-amerikanische und britische Artists vorgestellt. Man findet jedoch auch Einträge zu deutschen Musiker:innen und Formationen, bspw. zu Nena, Udo Lindenberg oder den Fantastischen Vier.

Obwohl man beim Durchblättern auf viele berühmte Namen stößt, lassen sich hin und wieder auch einige weniger bekannte Sänger:innen oder Gruppen (wieder-)entdecken. Können Sie sich bspw. noch an Pat Benatar erinnern? Dazu ist nachzulesen: "Pat Benatar (Patricia Andrzejewski, * 10.1.52) startete 1975 zunächst als Cabaretperformerin, bevor sie 1978 auf Rock umstellte. Fortan lieferte die Sängerin mit der angerauhten [sic!] Stimme mit Songs wie Fire And Ice (1981), Shadows Of The Night (1982) und Love Is A Battlefield (1984) zahlreiche Hits ab" (S. 25).

Das Cover des Miniatur-Lexikons ist eine graphische Katastrophe und nichts für Leute mit Sehschwäche (man kann nur vermuten, welche Band und welcher Solo-Gitarrist darauf abgebildet sind). Zudem ist die Schreibweise des Buchtitels grammatisch falsch. Auch der Text selbst weist einige orthographische Fehler auf (vergleiche das Zitat oben) – und das, obwohl drei Redakteure namentlich angegeben sind. Ein liebloses Erscheinungsbild also, hinter dem sich aber ein erstaunlich informationsdichtes Nachschlagewerk(chen) verbirgt, das nur zwei Daumen breit und hoch ist.

August 2022 - Peter Sempel: „Nina Hagen. Punk + Glory“ (DVD, CreArtive Film, Neuer Director’s Cut 2005)

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Wer eine konventionelle Musik-Dokumentation im Stile einer Künstlerinnen-Biografie erwartet, wird von diesem selbstbetitelten „Musikfilm“ enttäuscht sein. Die aus der DDR stammende Musikerin Nina Hagen, die heute weltweite Verehrung genießt, wird vielmehr in avantgardistischen Bewegtbildern präsentiert. Der australisch-deutsche Filmemacher Peter Sempel veröffentlichte sein experimentelles „Portrait in Collageform“ (so der Hüllentext) erstmals 1999. Im Jahr 2005 hat er dann einen neuen Director’s Cut herausgebracht, um den es an dieser Stelle geht. 

Der Film beginnt damit, die Vielseitigkeit der Künstlerin herauszustellen. Nina Hagen singt traditionelle indische Ragas, italienische Opernarien und französische Chansons. Neben ihrer Muttersprache Deutsch spricht sie über weite Strecken auf Englisch in die Kamera. Das polyglotte Setting wird durch Szenen in New York, Paris, Hamburg und Delhi verstärkt, um nur einige Drehorte zu nennen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hat der Filmemacher die berühmte Exzentrikerin begleitet, die sich immerzu im Performance-Modus zu befinden scheint.

Ständig schneidet sie Grimassen, spielt mit den vielfältigen Ausdrucksweisen ihres beeindruckenden Stimmumfangs, läuft ziellos hin und her, äußert esoterische Sentenzen wie „I’m jewish-indian-buddha-voodoo“ und bewegt sich lasziv in figurbetonten Outfits. Der Umstand, dass sie im Verlauf des Films mit schwarzen, grünen, blonden, roten sowie rosafarbenen Haaren bzw. Perücken zu sehen ist und dabei stets stark geschminkt und schmuckbehangen auftritt, unterstreicht ihr permanentes Bedürfnis nach Rollenwechseln und großen theatralischen Gesten.

Obwohl sie oft und lange in Nahaufnahmen zu beobachten ist und sie dabei einigermaßen frei und ungezwungen wirkt, hat man dennoch den Eindruck, nicht hinter ihre Fassade blicken zu können, also eigentlich wenig über sie zu erfahren. Es hat den Anschein, als wäre sie in ihrem neurotischen Image gefangen, als müsste sie es um jeden Preis bedienen, um interessant zu bleiben, ungreifbar, entrückt. Selbst in vermeintlich intimen Szenen, in denen sie sich verletzlich gibt, etwa wenn sie auf dem Boden sitzend Schuberts Ave Maria unbegleitet und mit zittriger Stimme ins Dunkel haucht, ist ihr unbedingter Wille zur Inszenierung spürbar. Auf die Frage des Filmemachers, was denn ihre Lieblingsoper sei, antwortet sie nur lakonisch: „The opera of my life“.

Zwar ist Nina Hagen für ihren opernhaften Gesang bekannt, gleichwohl hat sie sich den Nimbus der „Godmother of Punk“ erworben. Auf diesen globalen Ruhm scheint der Titel des Films anzuspielen („Punk + Glory“). Es kommen einige Stars aus der internationalen Musik- und Filmwelt zu Wort, die sie rühmen. Neben Udo Lindenberg und Otto Waalkes sind beispielsweise Wim Wenders, Anthony Kiedis (Sänger der Red Hot Chili Peppers) oder Lemmy Kilmister (Frontmann von Motörhead) voll des Lobes für die unangepasste Frau, welche sie für ihre kompromisslose Kunst und ihr gesellschaftspolitisches Engagement schätzen.

Auffällig ist jedoch, dass sie allesamt ihre Attraktivität erwähnen. Offenbart sich hier eventuell ein männlicher Blick auf die „feministische Revolutionärin“ (Udo Lindenberg), nicht zuletzt weil ein Mann den Film gemacht hat? Vielleicht in Teilen. Vordergründig bleibt aber der Respekt für ihre Bühnenpräsenz, ihren Witz und ihre spielerische Art im Umgang mit Geschlechterrollen. Insofern verwundert es nicht, dass auch einige begeisterte O-Töne aus der transsexuellen Community zu vernehmen sind.

Der Film verzichtet auf ein genuines Narrativ, einen roten Faden. Es bleibt der/dem Zuschauer:in überlassen, sich eine Meinung zu bilden. So gibt es zum Beispiel einige Szenen, in denen Nina Hagen in ihrem privaten Zuhause mit ihren Kindern Cosma Shiva und Otis zu erleben ist. Dabei irritiert es mitunter wie sie vor der Kamera posiert, während im Hintergrund ihre Kinder gelangweilt warten müssen. Die Ästhetik des Films ist jedoch auf kurze persönliche Eindrücke ausgerichtet, die angereichert werden mit Landschafts- und Straßenszenen, Bildern von Tieren und vorbeiziehenden Menschen. Es geht um das Dazwischen, um Übergänge und Uneindeutiges. Wenn man es sich einfach machen will, könnte man behaupten, es sei eben ein Kunstfilm. Er endet jedenfalls mit dem vielsagenden Ausspruch seiner Protagonistin: „Ich benutz' das alles als Spiel“.

Nichtsdestotrotz erfährt man Etwas über Nina Hagen, was eine herkömmliche Dokumentation in dieser Form wahrscheinlich nicht herausgearbeitet hätte. Nämlich wie breit das Spektrum ihres künstlerischen Schaffens tatsächlich ist; dass Nina Hagen weit mehr ist als eine Vorreiterin der Punk-Bewegung. Dezente Anspielungen auf singende Schauspielerinnen wie Zarah Leander, Marlene Dietrich und ihre eigene Mutter Eva-Maria Hagen stehen neben musikstilistischen Verweisen auf Funk, Disco, Rap und Oper sowie auf die gesamte Rockgeschichte. Der minimalistische Soundtrack des Films bildet den Klangteppich für viele extravagante Beispiele aus Nina Hagens musikalischem Œuvre, die ergänzt werden durch nicht weniger spezielle Musikeinspielungen von Bands wie den Einstürzenden Neubauten, Yello oder Tulip, die singende Tulpe.

Juli 2022: Black Europe. The Sounds and Images of Black People in Europe pre-1927

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Black Europe. The Sounds and Images of Black People in Europe pre-1927, Compilation Box, Deluxe Edition mit 2 Hardcover-Büchern und 45 CDs, hrsg. von Jeffrey Green, Rainer E. Lotz & Howard Rye, unter Mitwirkung diverser Autor:innen, limitierte Auflage: Nr. 251 von 500, Holste: Bear Family Records 2013.

In ihrem Umfang und der inhaltlichen Tiefe ist „Black Europe“ ein ganz besonderes Highlight der Sammlung des Klaus-Kuhnke-Instituts.

Rainer E. Lotz, ein in Fachkreisen bekannter deutscher Musiksammler und Privatforscher, hat gemeinsam mit einigen Mitstreiter:innen eine Deluxe Box mit 600 Buchseiten (2 x 300), 1244 Tracks auf 45 CDs (Gesamtspielzeit knapp 57 Stunden) sowie 2000 farbige Abbildungen (Fotografien, Plakate und Filmszenen) zusammengetragen und ausgewertet. Das in Holste-Oldendorf ansässige Plattenlabel Bear Family Records hat die extrem aufwändig gestaltete Sammler:innen-Box herausgebracht – mit einer limitierten Stückzahl von nur 500 Exemplaren.

Zielgruppe für diese Kollektion, die sieben Kilogramm wiegt und für knapp 2000 Euro erhältlich ist, sind große Bibliotheken, Archive und Museen. Da alle Texte in englischer Sprache verfasst wurden, richtet sich „Black Europe“ von vornherein an ein internationales Fachpublikum.

Neben der Materialdichte besteht die Besonderheit dieser kuratierten Box in der historischen Eingrenzung auf die Zeit vor 1927. Die berechtigte Frage, warum gerade diese zeitliche Beschränkung, ist schnell beantwortet: Um 1927 herum wurde das vollelektrische Mikrofon erfunden, mit dem fortan die meisten Schallaufnahmen gemacht worden.

Inhaltlich beschäftigt sich dieses Pionierprojekt mit Schwarzen Menschen, deren Einfluss auf die Entwicklung der modernen Massenmedien (vor allem in Europa) lange Zeit übersehen worden ist. Dabei waren sie von Anfang an maßgeblich beteiligt bei der Entstehung der Tonträger- und Film-Industrie und wurde auf Phonographen-Zylindern, Grammophon-Platten und in den ersten Filmen (sowie in den noch jungen Printmedien) vermarktet. „Black Europe“ zeigt anhand von mehr als 100 individuellen Biographien wie Schwarze Menschen um die Jahrhundertwende die Anfänge des europäischen Entertainments geprägt haben und mit welchen rassistischen Vorurteilen sie konfrontiert waren.

Weitere Infos zur Box finden Sie hier.  

Juni 2022: Trilok Gurtu: „Usfret“ (Vinyl-Platte, CMP Records: 1988)

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Der indischstämmige Perkussionist, Schlagzeuger und Sänger Trilok Gurtu lebt seit vielen Jahren in Hamburg. Sein musikalischer Lebensweg hat ihn jedoch um den gesamten Erdball geführt. Unzählige Kooperationen mit Künstler:innen wie Angelique Kidjo, Salif Keita, Neneh Cherry, John McLaughlin, Joe Zawinul, Pat Metheny, Dave Holland oder Jan Garbarek belegen seine stilistische Offenheit.

1988 veröffentlichte er seine Debüt-Platte „Usfret“ beim deutschen Label Creative Music Productions (CMP) Records. Dort definierte er erstmals seine Version von sogenannter World Music. Neben seiner Mutter Shobha Gurtu, einer bekannten Sängerin der klassischen indischen Musiktradition, wirken auch große Namen aus dem Jazzkontext mit, die sich ebenfalls mit regionalen Spielarten von World Music auseinandergesetzt haben – wie z. B. der Trompeter Don Cherry, der Gitarrist Ralph Towner oder der Bassist Jonas Hellborg.

Starken Einfluss auf die Platte hatte der aus Bremen stammende Produzent Walter Quintus, der die Aufnahmen musikalisch mitgestaltete. Das markante Plattencover bzw. Artwork verantwortete der Hamburger Graphikdesigner Ulf von Kanitz, der zum Haus-und-Hof-Graphiker des CMP-Labels avancierte. Bei CMP veröffentlichten viele (internationale) Jazzstars wie Joachim Kühn, Christof Lauer, Dave Liebman, Richie Beirach oder der Cream-Bassist Jack Bruce.

Fotos: Lukas Klose