Top of page

Aus dem Archiv des Klaus-Kuhnke-Instituts für Populäre Musik

Aus dem Archiv des Klaus-Kuhnke-Instituts für Populäre Musik: Fundstücke des Monats

Juli: Black Europe. The Sounds and Images of Black People in Europe pre-1927

Lukas Klose Kopie.jpg

Black Europe. The Sounds and Images of Black People in Europe pre-1927, Compilation Box, Deluxe Edition mit 2 Hardcover-Büchern und 45 CDs, hrsg. von Jeffrey Green, Rainer E. Lotz & Howard Rye, unter Mitwirkung diverser Autor:innen, limitierte Auflage: Nr. 251 von 500, Holste: Bear Family Records 2013.

In ihrem Umfang und der inhaltlichen Tiefe ist „Black Europe“ ein ganz besonderes Highlight der Sammlung des Klaus-Kuhnke-Instituts.

Rainer E. Lotz, ein in Fachkreisen bekannter deutscher Musiksammler und Privatforscher, hat gemeinsam mit einigen Mitstreiter:innen eine Deluxe Box mit 600 Buchseiten (2 x 300), 1244 Tracks auf 45 CDs (Gesamtspielzeit knapp 57 Stunden) sowie 2000 farbige Abbildungen (Fotografien, Plakate und Filmszenen) zusammengetragen und ausgewertet. Das in Holste-Oldendorf ansässige Plattenlabel Bear Family Records hat die extrem aufwändig gestaltete Sammler:innen-Box herausgebracht – mit einer limitierten Stückzahl von nur 500 Exemplaren.

Zielgruppe für diese Kollektion, die sieben Kilogramm wiegt und für knapp 2000 Euro erhältlich ist, sind große Bibliotheken, Archive und Museen. Da alle Texte in englischer Sprache verfasst wurden, richtet sich „Black Europe“ von vornherein an ein internationales Fachpublikum.

Neben der Materialdichte besteht die Besonderheit dieser kuratierten Box in der historischen Eingrenzung auf die Zeit vor 1927. Die berechtigte Frage, warum gerade diese zeitliche Beschränkung, ist schnell beantwortet: Um 1927 herum wurde das vollelektrische Mikrofon erfunden, mit dem fortan die meisten Schallaufnahmen gemacht worden.

Inhaltlich beschäftigt sich dieses Pionierprojekt mit Schwarzen Menschen, deren Einfluss auf die Entwicklung der modernen Massenmedien (vor allem in Europa) lange Zeit übersehen worden ist. Dabei waren sie von Anfang an maßgeblich beteiligt bei der Entstehung der Tonträger- und Film-Industrie und wurde auf Phonographen-Zylindern, Grammophon-Platten und in den ersten Filmen (sowie in den noch jungen Printmedien) vermarktet. „Black Europe“ zeigt anhand von mehr als 100 individuellen Biographien wie Schwarze Menschen um die Jahrhundertwende die Anfänge des europäischen Entertainments geprägt haben und mit welchen rassistischen Vorurteilen sie konfrontiert waren.

Weitere Infos zur Box finden Sie hier.  

Juni: Trilok Gurtu: „Usfret“ (Vinyl-Platte, CMP Records: 1988)

Klaus-Kuhnke-Archiv-005.jpg

Der indischstämmige Perkussionist, Schlagzeuger und Sänger Trilok Gurtu lebt seit vielen Jahren in Hamburg. Sein musikalischer Lebensweg hat ihn jedoch um den gesamten Erdball geführt. Unzählige Kooperationen mit Künstler:innen wie Angelique Kidjo, Salif Keita, Neneh Cherry, John McLaughlin, Joe Zawinul, Pat Metheny, Dave Holland oder Jan Garbarek belegen seine stilistische Offenheit.

1988 veröffentlichte er seine Debüt-Platte „Usfret“ beim deutschen Label Creative Music Productions (CMP) Records. Dort definierte er erstmals seine Version von sogenannter World Music. Neben seiner Mutter Shobha Gurtu, einer bekannten Sängerin der klassischen indischen Musiktradition, wirken auch große Namen aus dem Jazzkontext mit, die sich ebenfalls mit regionalen Spielarten von World Music auseinandergesetzt haben – wie z. B. der Trompeter Don Cherry, der Gitarrist Ralph Towner oder der Bassist Jonas Hellborg.

Starken Einfluss auf die Platte hatte der aus Bremen stammende Produzent Walter Quintus, der die Aufnahmen musikalisch mitgestaltete. Das markante Plattencover bzw. Artwork verantwortete der Hamburger Graphikdesigner Ulf von Kanitz, der zum Haus-und-Hof-Graphiker des CMP-Labels avancierte. Bei CMP veröffentlichten viele (internationale) Jazzstars wie Joachim Kühn, Christof Lauer, Dave Liebman, Richie Beirach oder der Cream-Bassist Jack Bruce.

Fotos: Lukas Klose