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Digitale Wege künstlerischer Forschung

Digitale Wege künstlerischer Forschung

Hochschule für Künste Bremen stärkt ihre künstlerisch-wissenschaftliche Position und erhält Fördermittel aus dem Bremen Fonds

Digitalisierung, das Wechselspiel zwischen Analogem und Digitalen, aber auch die kritische Reflexion der digitalen Transformation für Gesellschaft und Individuum sind für Lehre und Praxis an der HfK Bremen von höchster Relevanz und Aktualität. Zahlreiche Projekte untersuchen und erforschen verschiedene Fragestellungen und Aspekte, die damit mittelbar und unmittelbar in Zusammenhang stehen. Zwei dieser interdisziplinär-digitalen Forschungsvorhaben der Hochschule für Künste (HfK) Bremen und ein Kooperationsprojekt mit der Hochschule Bremen (HSB) zum digitalisierten Entwerfen und Herstellen von Textilien und Gebäuden setzten sich gegen zahlreiche eingereichte Forschungsprojekte der Bremer Hochschulen durch und werden nun im Rahmen der Sonderausschreibung des Bremen Fonds der Senatorin für Wissenschaft und Häfen gefördert.

Ziel der Förderung ist die Weiterentwicklung der Forschungsvorhaben und die zukünftige Antragstellung in Forschungsförderprogrammen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Bundes und der EU. „Es ist daher als sehr großer Erfolg zu werten, dass drei ambitionierte Vorhaben der HfK Bremen nun gefördert werden. Damit positioniert sich die HfK Bremen zugleich als forschende Hochschule unter den anderen Bremer Hochschulen und wird in ihrer Forschung auch stärker sichtbar,“ so die Konrektorin für Forschung, künstlerische Entwicklungsvorhaben und Internationales, Prof. Dr. Andrea Sick.

Innovative Hochschule sein bedeutet in den HfK-Fachbereichen Kunst und Design, sich nicht mehr nur um schöne und nützliche Gestaltung des Lebensumfeldes zu kümmern. In Design wie in der Kunst gilt es mehr denn je gesellschaftlichen Wandel und Paradigmenwechsel zu reflektieren, Handlungsanleitungen für soziale, ökologische und politische Prozesse aufzuzeigen und durch künstlerische und gestalterische Forschung Lösungsentwürfe anzubieten. Dieses Bewusstsein innerhalb des künstlerisch-wissenschaftlichen Diskurses nimmt zunehmend einen zentralen Stellenwert in der Grundlagenforschung ein. Dr. Kathrin Gollwitzer-Oh, Leiterin der HfK-Stabsstelle Forschungsförderung, erklärt die Bedeutung so: „Neben den traditionellen universitären Kernaufgaben in der Lehre geht Forschung an der HfK Bremen immer schon aus der Praxis und dem Austausch in Lehrveranstaltungen hervor. Forschung ist in höchstem Maße eingebettet in aktuelle Diskurse, in technologisch-mediale und künstlerisch-musikalische Kontexte sowie in die kritische Auseinandersetzung mit den kulturellen Grundlagen, Werten und sozialen Praktiken der Gesellschaft.“

Die Nähe zu wissenschaftlichen Intentionen und Praktiken liegt im Nochnichtwissen und daraus folgendem Verstehen- und Aufzeigenwollen begründet sowie darin, dass Künstler:innen häufig ethnografische, soziologische, sammelnde oder laborhafte Arbeitspraktiken anwenden, mit bildgebenden Verfahren experimentieren oder sich mit neuen Medien befassen. „Praxisgeleitete Forschung in Kunst und Design, aber auch in der Musik bringt ein anderes Wissen, neue Wege der Wissensproduktion und auch der Präsentation von und der Teilhabe an Wissen hervor“, so Dr. Kathrin Gollwitzer-Oh.

Zu den geförderten Forschungsvorhaben

In den drei geförderten Projekten soll neues Wissen auf dem sich dynamisch entwickelnden Gebiet der digitalen Transformation generiert und in den Austausch mit Fachcommunities, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Öffentlichkeit gebracht werden.

1. Projekttitel: Von analogen Prinzipien zu hybriden Praktiken

  • Förderzeitraum 24 Monate
  • Fördersumme: bis zu 200.000 €
  • Das Vorhaben wird durch zwei Modedesign-Professorinnen der HfK Bremen und einem Professor für Digitales Planen und Bauen der Hochschule Bremen in Kooperation mit dem Kommunikations- und Produktdesign an der HfK und internationalen Partner:innen durchgeführt; Federführung HfK Bremen
  • Thema: Unter welchen Voraussetzungen können analoge Methoden auf und in digitale Design- und Produktionsprozesse übertragen werden? An welchen Stellen treten Reibungen und Widerstände auf – z. B. im vernetzten Interagieren der Akteure und Systeme? Ausgehend von diesen Fragen und aktuellen Erkenntnissen der Materialforschung sowie Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) will das interdisziplinäre Explorationsprojekt erste methodologische und anwendungsbezogene Ansätze für die Untersuchung von intelligenten und automatischen Schnittstellen zwischen Mode und Architektur erproben – auf der Suche nach dem freien kreativen Entwurfsprozesses und individualisierter, automatisierter digitaler Produktionstechnik, etwa der Herstellung einer digitalen Strickmaschine und architektonischer Prototypen im 3-D-Druck.

2. Projekttitel: Picturing the Digital

  • Förderzeitraum 12 Monate, zum Ziel einer weiteren Antragsstellung
  • Fördersumme: bis zu 50.000 €
  • Um die Komplexität des Themas in der notwendigen Breite und Tiefe multidisziplinar untersuchen zu können, sind sieben Professor:innen aus dem Integrierten Design, der Theorie/Wissenschaft und der Freien Kunst beteiligt
  • Thema: Betrachtet man, was heute von der Unterhaltungsindustrie als visuelles Erzählen in Augmented Comic Books/Motion Books über VR Games zu computeranimierten Spielfilmen entwickelt wird, lässt sich eine starke Vereinheitlichung der Bildsprachen feststellen. Dem gezeichneten Bild, so will das Projekt zeigen, liegt eine andere Epistemologie, Narratologie und Ikonologie zugrunde. Wie diese in die digitalen Medien übersetzt werden können – ohne ästhetische Qualitätsverluste –, dafür soll erste wichtige Grundlagenarbeit geleistet werden. Theoretisch wie praktisch sollen die semiotischen Kompetenzen unserer Zeichenkultur von der archaischen zur technologisch angereicherten Bildlichkeit erforscht und gestaltet werden.

3. Projekttitel: Gegen den Strom

  • Förderzeitraum 12 Monate, zum Ziel einer weiteren Antragsstellung
  • Fördersumme: bis zu 50.000 €
  • Gemeinsame Vorhaben der HfK Bremen und der Universität Bremen
  • Wie verändern digitale Interaktionsmuster analoge Erfahrungsräume? Wie beeinflussen sie soziale Beziehungen, ethische Urteile und kollektive Wissensgenerierungsprozesse? Wie hierarchisieren digitale Strukturen unterschiedliche Wissensformen? Ausgehend von diesen Fragen will das Projekt in und durch performativ-künstlerische Versuchsanordnungen die Chancen und Risiken des digitalen Wandels für die kollektive Hervorbringung kultureller, ökologischer und politischer Wirklichkeiten erfahrbar machen, erforschen und dokumentieren.