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Hfk war Teil der Jazzahead-Clubnight

"Ein echtes Talent"

HfK-Clubnight der Jazzahead unterstützt ukrainischen Saxofonisten Rostyslav Voytko

Die Jazzahead ist das international wohl am stärksten beachtete Kulturereignis Bremens.

Sie war vom 28. April bis 1. Mai 2022 mit etwa 100 Konzerten, zu den weit über 500 internationale Musiker anreisten, das erste große Musikfestival in Norddeutschland seit zwei Corona-Jahren. An der Clubnight beteiligte sich die HfK mit einem Programm im „Musikkeller“, als der die Mensa 13 an der Dechanatstraße abends Raum für Live-Musik aller Genres bietet. „New faces“ war der Abend überschrieben. Mit dieser HfK-Reihe sollen Studierende neue Erfahrungen sammeln und Kontakte in die Jazzszene knüpfen. Ab 22. Juni 2022 gastieren „New faces“ der HfK unregelmäßig auch im Kölner Jazzclub „King Georg“, der Auftritte als Live-Erlebnis vor Ort wie auch als Stream anbietet.

„Together again“ stand auf dem Jazzahead-Plakat, „endlich wieder live“ jubelte der künstlerische Leiter Peter Schulze zur Eröffnung mit einem Konzert im Theater am Goetheplatz. Aus dem Publikum kam als Antwort sehnsüchtiges „Yeah“. Aber obwohl die Lust auf unmittelbaren Austausch so groß scheint wie nach kopräsent erlebter Kunstdarbietungen, kämpft die Kulturszene derzeit mit der Zuschauernachfrage. Auch die Jazzahead-Veranstalter spürten vorsichtige Zurückhaltung beim Ticketverkauf. Zudem war kein Konzerte-Hopping mehr im Angebot für die 45 Bands in 22 Spielstätten der Clubnight am International Jazz Day, 30. April 2022. Da frei flottierende Besucherbegegnungen in der Stadt wegen Corona verhindert werden sollten, gab es dieses Jahr nur Einzeltickets für jeden Veranstaltungsort. Annähernd 50 Jazzfans holten sich eines für die Clubnight der HfK.

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Corona-bedingt mussten dort leider die geplanten Auftritte der Quartette von Magnus Bodzin und Christopher Olesch abgesagt werden. Kurzfristig sprang die Band von Diddie Meyer ein, Student im 2. Semester Kontrabass bei Markus Schieferdecker, der die Clubnight organisiert hat. Elektronischer Jazz mit vielen Sounds war zu hören. Mit auf der Bühne agierten Tobi Hausmann (Schlagzeug), Felix Kanthelberg (Gitarre), Nils Oswald (E-Piano) und Dani Catalán (Vibraphon). Alle unterstützten an diesem Abend Rostyslav Voytko, ein aus Kiew nach Bremen geflüchteter Saxofonist „mit reichlich Erfahrung“, wie Schieferdecker sagt: „Wir haben ihn auf unseren Jazzclub-Sessions kennengelernt. Bei der Clubnight hat er jetzt sehr gut spielt. Es war ein lebendiger, anregender Abend. Fest steht, dass die HfK auf jeden Fall auch 2023 bei der Jazzahead wieder dabei ist.“

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Rostyslav Voytko erzählt: „Ich bin 23 Jahre alt. Geboren in der Ukraine, in Winnitza. Ich habe mit elf Jahren angefangen, Musik zu machen. Mit 16 Jahren begann ich mein Studium in Kiew. Ich studierte in der Jazz-Saxophon-Klasse. Zu Hause habe ich in zwei Big Bands und verschiedenen Combos gespielt und eigene Musik geschrieben. Im Jahr 2018 habe ich in Berlin ein Album mit meiner Band aufgenommen. Es heißt ,Rostyslav Voitko - Above The Crowd‘. In den letzten Jahren habe ich auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine bin ich mit meiner Familie nach Bremen gezogen. Und jetzt versuche ich, mir ein neues Leben in Deutschland aufzubauen.“ Vielleicht studiert er bald an der HfK. „Er ist ein echtes Talent und unterstützenswerter Aspirant. Ich habe ihn bereits eingeladen, Gast bei Proben zu sein“, so Martin Claasen, HfK-Professor für Jazz-Saxofon.

Die Jazzahead war 2006 als Messe gestartet, wollte aber mehr als reine B2B-Vernstaltung der globalen Jazz-Branche, sondern ein Publikumsfestival sein, weswegen 2011 die Konzerte hinzukamen. Gleichzeitig wuchs das Messegeschäft. Mit Bundesmitteln gefördert ist die Jazzahead heute die wohl wichtigste Exportplattform für Jazz aus Deutschland. In diesem Jahr wurde die Ausstellungsfläche auf 10.000 Quadratmeter verdoppelt. Für mehr Aussteller, aber auch um mit breiteren Gängen, luftigeren Arbeitsflächen und raumgreifenderen Lounges größere Abstände zu ermöglichen. Insgesamt waren über 2.700 Teilnehmer:innen aus 55 Nationen am Start – Aussteller:innen, Musiker:innen, Fachbesucher:innen. „Mir ist aufgefallen, dass das Durchschnittsalter der Teilnehmer:innen an der diesjährigen Jazzahead deutlich gesunken ist – und das lässt wirklich für die Zukunft hoffen“, sagte der Londoner Journalist Sebastian Scotney.

Fotos: Lukas Klose