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(Klang-)KÖRPER(-Kunst)

(Klang-)KÖRPER(-Kunst)

Professor Raphael Sbrzesny überzeugt bei Antrittskonzert als „Mittler zwischen den Fachbereichen“

+++ wfb Artikel zu Prof. Raphael Sbrzesny

In seinem Antrittskonzert mit dem Titel „Was vom Glockenspielmann übrig blieb – eine kleine Krampfmusik“ stellte Raphael Sbrzesny am 15. Januar seine spartenübergreifende künstlerische Arbeit im Konzertsaal der HfK vor. Nachdem Sbrzesny bereits zu Beginn des Semesters seine Antrittsvorlesung im Fachbereich „Kunst und Design“ gehalten hatte, zeigte er nun in Performances, Videos, mit bespielbaren Skulpturen und – einem Antrittskonzert im entsprechenden Fachbereich angemessen – mit Musik die ganze Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Praxis. Das Konzertprogramm des studierten Schlagzeugers, der darüber hinaus Kammermusik, Experimentelles Musiktheater und Komposition sowie Bildende Kunst und Theorie studiert hat, machte neugierig auf kommende Projekte und seine Lehre an der HfK. Mehr interessierte Zuschauer, als der Konzertsaal eigentlich aufnehmen konnte, sahen und hörten ein Konzert, welches musikalische Miniaturen, komponierte Musik, theatrale Elemente, klingende Kostüme und Text verband.

Nach einer Einführung durch Rektor Roland Lambrette und den Dekan des Fachbereichs „Musik“, Professor Jörg Birkenkötter, strukturierte Raphael Sbrzesny sein Antrittskonzert in sieben Essays, die jeweils unterschiedliche Konzeptionen von Körper behandelten.
Neben Videoarbeiten und einer Performance mit Adaptern und Accessoires, die Sbrzesny in Kooperation mit dem Designer Christian Camehl entwickelt hatte und in der ein nervöser Körper gezeigt wurde, stellte er einen beweglichen, virtuos tänzelnden Körper in „Zyklus für einen Schlagzeuger“ von Karlheinz Stockhausen vor.
In einer Bearbeitung von Samuel Becketts minimalistischen Fernsehstück „Square“ traten acht Studierende Sbrzesnys auf, die, mit Instrumentenkästen behängt, die immer gleichen Schrittfolgen inmitten der Konzertbesucher abliefen. Durch exaktes Timing wurde dabei eine mathematische Präzision und variable Choreografie erreicht, die durch die Anzahl der Akteure und die dadurch wechselnden Konstellationen bestimmt wurde. Dieser Choreografie von sich erschöpfenden Körpern ließ Sbrzesny vier Figuren folgen, die er selbst in einer drei Meter hohen Skulptur, einer sogenannten Star Trap, einem Theaterunterboden, präsentierte. In vier wechselnden Kostümen, entworfen von Felipe Asán Escobar, der derzeit seinen Master im Studio „Mensch Gesellschaft Mode“ absolviert, erklang, eingebettet in die Live Elektronik von Mattia Bonafini, der Text „Geflüster aus der Interpretenkammer“ den Sbrzesny 2017 für das ECLAT Festival Neue Musik geschrieben hatte.
Den Abschluss machte erneut Musik, als Sbrzesny, im Zusammenspiel mit Mattia Bonafini und Claudius Tölke seine in Klänge und Noise übersetzte Interpretation von Druck und Nervosität darbot – die titelgebende „kleine Krampfmusik“ für Live-Elektronik, E-Bass, Hi-Hat-Skelett und diverse Korsettskupturen, die am Körper angelegt zu Instrumenten wurden.
Nach anderthalb Stunden Antrittskonzert leitete Professor Raphael Sbrzesny mit tragbarem Lautsprecher und stark verfremdeten Choralgesängen das Publikum eine Etage tiefer. Dort wurde die „Wabe“, eine temporäre Bühne, die in Zukunft für kleine Konzertformate, Interventionen, Ausstellungen und Performances genutzt werden kann, eingeweiht.

Fotos © Verena Gilhaus

Seit diesem Wintersemester besetzt der Künstler und Musiker Raphael Sbrzesny die neu geschaffene Professur für „Kreation und Interpretation mit den Schwerpunkten Sound, Performance und Konzept“ an der HfK Bremen.
Raphael Sbrzesny interessiert sich für den Körper als Instrument und Schauplatz einer subjektiven Geschichtsschreibung. Das künstlerische Subjekt seiner Praxis an der Schnittstelle von Musik und Bildender Kunst nennt Sbrzesny den „Interpreten“. Genauer den „emanzipierten Interpreten“, den er dem historisch informierten Interpreten in der Musik zur Seite stellt.
Sbrzesnys Seminare und Unterricht steht Studierenden aller Fachbereiche offen. Die Student*innen sollen in einem dynamischen Austausch von den unterschiedlichen Disziplinen, die an der HfK unterrichtet werden, profitieren und in gemeinsamen Projekten von einander lernen.

Stand: 18. Januar 2019