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Neue CD von Veronika Skuplik

Musikalische Edelsteine aus dem 17. Jahrhundert

„Violino 2 Catena Bohemica“ ist die soeben auf dem Wiener Frabernardo-Label erschienene CD von Veronika Skuplik betitelt.

Die Künstlerin hat 1991 ihr Diplom mit dem Hauptfach Barockvioline bei Professor Thomas Albert an der Hochschule für Künste in Bremen (HfK) absolviert und bringt ihre Fachkompetenz gleich wieder ein - als Dozentin für Barockvioline an der HfK. Live zu erleben ist Skuplik, laut ihrer Plattenfirma eine "Primadonna am Barockgeigenhimmel“, in solistisch besetzten Ensembles wie L’Arpeggiata, Concerto Palatino und Weserrenaissance sowie in ihren Formationen Movimento, Chelycus und La Dolcezza.

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Was Skuplik mit ihrer aktuellen Veröffentlichung zu Gehör bringt, sind etwa 350 Jahre alte Kompositionen. Das Noten-Manuskript dazu stammt aus dem Nachlass des englischen Autors, Musik- und Kunstsammlers sowie Tennisspielers Julian Marshall und kam 1880/81 an die British Libary in London. Skuplik hat in der schmucken Handschrift „repräsentative und im Effekt höchst unterschiedliche Sonaten“ entdeckt. Zwei von ihnen stammen aus den „Sonatae unarum fifium“ des Geigenvirtuosen Johann Heinrich Schmelzer. „Von einer weiteren Sonate ist die Autorenschaft Schmelzers erwiesen, bei anderen meines Erachtens naheliegend“, so Skuplik. Mit ihren ostinaten Formen, Toccaten über Haltetönen und Variationen enthielten die Werke alle für die österreichisch-böhmische Violinmusik des 17. Jahrhunderts typischen Merkmale, so die Musikerin. Aufgrund der Anklänge an Volksmusik und einer zutiefst menschlichen Emotionalität kämen uns die Werke auch anno 2021 sehr nahe. „Für mich als Geigerin ist die vorliegende Sonatensammlung mit ihren ausgeprägten Charakteren und ihrer hohen musikalischen Qualität eine Kette verschieden geschliffener Edelsteine.“ Daher der Titel „Catena bohemica“.

Eingespielt wurde die CD im Duett. „Ohne mit der zeitgeistigen Mode des üppig besetzten Continuo zu gehen“, so der Werbetext, werde Skuplik ausschließlich vom Cembalisten und Organisten Jörg Jacobi, der ebenfalls an der HfK studiert hat, auf der historischen Orgel der Laurentiuskirche in Langwarden begleitet, die 1650/51 erbaut und von Arp Schnitger 1704/05 um drei Register erweitert wurde.

Wie das alles klingt, kann hier bei einem Hörbeispiel erlebt werden.

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Veronika Skuplik und Jörg Jacobi. Fotos: Foppe Schut

Ebenfalls bei Frabernardo erschienen ist „Silk & Tweed Nicola Matteis’ Sentimental Journey“. Die CD hat Skuplik zusammen mit dem Lautenspieler Andreas Arend aufgenommen – als Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk von Nicola Matteis. Der Violinist, Gitarrist und Komponist des 17. Jahrhunderts wanderte einst von seiner Heimat Neapel bis ins britische Norwich. Skuplik und Arend stellten entsprechend Musik zusammen, die zu Lebzeiten von Matteis an möglichen Stationen seiner Wanderung erklungen sein könnte.

Laut Überlieferungen erstaunte Matteis seine Zuhörer in England mit „hinreissenden Dingen“, die er auf der Violine über einen Ground spielen konnte. Deswegen enthält „Silk & Tweed“ auch drei solcher Grounds, die sich wiederholen, während man darüber in Variationen spielt. „Vielleicht fand Signore Nicholas hier die Möglichkeit, sein neapolitanisches Erbe anzubringen, sein zart gewebtes seidenes Hemd mit einem Mantel aus rauem englischen Tweed vor schlechter Witterung  zu schützen und auf diesem Wege der englischen Musik seiner Zeit einen entscheidenden Impuls  und sich selbst eine Heimat zu geben“, so Skuplik.

Reinhören in das Album ist hier möglich.