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CD-Neuerscheinung: „Telemann Cantatas & Fantasies 1735“

Dezember 2021

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Barocke Fantasien, neu bearbeitet

Bettina Pahn, unterrichtet historischen Gesang an der HfK, und Joachim Held, HfK-Professor für historische Lauteninstrumente, haben bei Hänssler Classic eine CD herausgebracht: „Telemann Cantatas & Fantasies 1735“.

Mit dabei sind HfK-Alumna Juliane Laake (Viola da Gamba) und Carsten Lohff, ehemaliger HfK-Professor für historische Tasteninstrumente.

Joachim Held verfasste zu der Produktion folgenden CD-Booklet-Text:

„Auch findest Du dabei moralische Cantaten woran fast jedermann sich bis hieher vergnügt“, so kündigte Telemann seine „VI Moralischen Kantaten“ dem Freund J. R. Hollender in Riga an. Eine schöne Sammlung von Kantaten, die in kurzer Form, mit einer Prise Humor und einem freundlich erhobenen Zeigefinger einige Charaktereigenarten beschreiben. Es wird auf die wahre Bestimmung des Menschen hingewiesen, Stolz, Hochmut und Geiz sollen durch Bescheidenheit, Güte und Großherzigkeit ersetzt werden. Die Kantaten waren sehr beliebt und sind auch heute in ihrer humorvollen und ehrlichen Aussage beeindruckend.
So ist das „Glück“ von behäbiger Faulheit und schläft vor lauter Wonne mitten in der Kantate ein.
Der „Geiz“ appelliert an diejenigen, die sich aus Geiz alles vom Munde absparen, nicht geben können und am Ende ihr Vermögen nur den lachenden Erben hinterlassen.
Die „Falschheit“ erzählt von falscher Freundlichkeit und Tücke.
Die „Zeit“ frisst ihre eigenen Kinder und wird niemals satt und erinnert auch an die Endlichkeit und Sinnsuche im Leben.
Die Kantaten dienten der Musikpflege des (Hamburger) Bürgertums und spiegelten ein aktuelles Anliegen wieder – die Verbesserung der Sitten und die Suche nach einem in Bescheidenheit, Vernunft, Toleranz und auch den anderen Menschen zugewandten Daseinsglück – im Sinne der Aufklärungsphilosophie.
2015 wurden die Fantasien für Viola da Gamba gefunden, eine Sensation. Während die Viola da Gamba im 17. Jahrhundert größte Beliebtheit erlangte, so wurden die Kompositionen nach 1700 spärlich. Das Instrument kam aus der Mode, die Herausgabe von gleich 12 Kompositionen von Telemann ein Wagnis, das er allerdings geschickt kalkulierte. Der Komponist druckte lediglich auf Subskription, was ihm erlaubte, mit dem Druck kein Risiko einzugehen.

Die Kompositionen Telemanns zeichnen sich durch eine reiche Formensprache aus, die das Instrument in den verschiedensten Facetten erklingen lässt. 1736 wurden sie in dem „Hamburger Relations-Courir“ angekündigt: „Von Telemannischer Music sind folgende neue Werke, in nicht gar langer Zeit, ans Licht getreten, und bey deren Verfasser zu bekommen: Zwölf Fantasien für die Violine ohne Bass, … dergleichen für die Gambe“. Telemann widmete die Gambenfantasien dem Hamburger Kaufmann und Bankier Pierre Chaunel, der schon mehrfach als Käufer von Kompositionen Telemanns in Erscheinung getreten ist.

1728 veröffentlichte Telemann „Der getreue Music-Meister“ (1728) eine Suite von Ernst Gottlieb Baron und das Presto der B-Dur Sonate (SW 49) von Silvius Leopold Weiss.
Es gibt von ihm keine originalen Kompositionen für Laute, allerdings einige zeitgenössische Bearbeitungen. So gibt es Kompositionen für Quartett in einer Fassung für zwei Lauten (unter dem Namen „Melante“), einige Stücke in a-Moll und gar den ersten Satz der Methodischen Sonate in g-Moll, arrangiert für die 11-chörige Barocklaute. Im Wittgenstein-Manuskript gibt es das Lied „Komm, ach komm, mein wehrtes Leben" (TWV 36:10).
Es ist bezeichnend für die Beliebtheit der Telemann’schen Kompositionen, dass sie so gern bearbeitet wurden, auch für andere Instrumente.

So habe ich mir die Freiheit genommen, zwei der Fantasien für Violine solo für die 13-chörige theorbierte Barocklaute einzurichten. Eine Bearbeitung erscheint mir persönlich immer dann sinnvoll, wenn sie in der Lage ist, bestimmte Qualitäten der Komposition in anderem Licht erscheinen zu lassen und musikalische Parameter anders zu betrachten. Die Laute kann die polyphonen Phrasen deutlicher darstellen und auch in der harmonischen Ausformung ist sie der Violine naturgemäß überlegen.