Vortragsreihe Freie Kunst – Tom Holert: Art as a Weapon. A Brief History of a Difficult Trope
Art as a Weapon. A Brief History of a Difficult Trope
Einzelne Kunstwerke oder „die Kunst“ als solche als „Waffe“ zu charakterisieren – das ist in der Moderne zwar keine Seltenheit, aber Ausnahme genug, um Überzeugungen zur Aufgabe und Eigentümlichkeit des Künstlerischen ebenso zuverlässig zu erschüttern wie es der Skandal der Reziprozität von Gewalt und Ästhetik seit jeher tut. Bekanntlich suchte die Avantgarde (beziehungsweise deren Theorie) schon in ihrem Namen die Nähe zum Militärischen. Doch wie genau war und ist zu verstehen, wenn Kunst „als Waffe“ adressiert wird? Signale politischer Militanz in den Diskurs der Kunst zu integrieren, ist das eine; eine – ebenso in Betracht zu ziehende – Veränderung der konzeptuellen und ontologischen Grundlagen der Kunst in Momenten ihrer „weaponisation“ aber wohl etwas anderes. Unter dem Eindruck gegenwärtiger Debatten über das Verhältnis von Kunst und Politik wird der Vortrag sich den historischen Waffengängen der Kunst und ihrer potenziellen, kontingenten und strukturellen „Gewaltsamkeit“ (Max Weber) widmen.
Bio
Tom Holert arbeitet als Autor und Kurator, schwerpunktmäßig zu Politik und Verräumlichung von Wissen in Kunst und Kultur. Er hat Zeitschriften redigiert, an verschiedenen Hochschulen gelehrt und geforscht (z.B. an der Akademie der bildenden Künste Wien) und Ausstellungen organisiert (z.B. Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930 (mit Anselm Franke) und Bildungsschock. Lernen, Politik und Architektur in den 1960er und 1970er Jahren, beide am Haus der Kulturen der Welt, Berlin). 2015 gründete er mit anderen das Harun Farocki Institut in Berlin (harun-farocki-institut.org).
Neuere Buchveröffentlichungen: Navigation Beyond Vision (Hg., mit Doreen Mende, 2023), ca. 1972. Gewalt – Umwelt – Identität – Methode (2024),Pierre Bourdieu, Fragen zur Kunst für & mit Studierenden einer Kunsthochschule, die infrage gestellt wird (Hg., 2024), Bildformen des Rechts. Juridische Schauplätze technischer Bilder (Hg., mit Claudia Blümle und Katja Müller-Helle) sowie Kunst und Politik – zur Einführung (beide 2026).