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Was macht eigentlich

Was macht eigentlich…?

In unserer neuen Rubrik „Was macht eigentlich…?“ erzählen Hochschulangehörige von und über ihre Arbeit.

Erwan Tacher und Tom Voss
Kuratoren Open-Space-Programm

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Das Open-Space-Programm der HfK wird für den Fachbereich Musik von Erwan Tacher und für den Fachbereich Kunst und Design von Tim Voss betreut. Über diese Arbeit und die Bedeutung des Veranstaltungsreigens für die Hochschule und die Innenstadtentwicklung sprachen wir mit den beiden Kuratoren.

Ist Open Space derzeit ein Vollzeit-Job?
Erwan Tacher: Das ist sehr intensiv, dafür investiere ich deutlich mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit pro Woche.
Tim Voss: Ein totaler Vollzeitjob, ja.

Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht das Open-Space-Programm kuratieren?
Erwan Tacher: Ich studiere noch an der HfK – im 4. und letzten Master-Semester für Gesang und Pädagogik. Ich bin Sänger, Stimmlage Bariton. Als Kinde habe ich auch Klavier, später Gitarre gelernt und vor der Pandemie mein ganzes Geld damit verdient, Konzerte mit französischen Chansons zu geben und Chöre zu leiten. Ich komme aus Paris und habe bretonische Wurzeln. In der Coronazeit merkte ich, zukünftig gern Gesang unterrichten, Chöre anleiten und nur noch nebenher auftreten zu wollen. Derzeit leite ich den Deutsch-Französischen Chor in Bremen, einen Frauenchor in Grolland und einen Chor Verden.
Tim Voss: Ich komme zwar aus Bremen, habe aber visuelle Kommunikation an der Hochschule der bildenden Künste Hamburg studiert, war Filmemacher, dann wurde mein erstes Kind geboren, ich musste Geld verdienen und professionalisierte mich als Kurator. Ich verstehe das als eine künstlerische, also gestalterische Arbeit. So baute ich die Galerie der Hochschule mit auf, wurde dann eine vom Arbeitsamt finanzierte Ich-AG, die vom Kunstverein Harburger Bahnhof engagiert wurde, um möglichst kostenfrei junge Kunst zu präsentieren. Ich war sehr erfolgreich in der Akquise, kam finanziell irgendwie über die Runden und wechselte dann nach vier Jahren an den Artspace W139 nach Amsterdam. Mit Familie, Sack und Pack. So ging das Matrosenleben weiter. Ich leitete anschließend die Künstlerhäuser Worpswede und ab 2017 das Künstlerhaus Wien. Aber die Interessenslage wurde mir dort zu unüberschaubar in den Gremien der 450 Mitglieder, nur Künstler. Ich kündigte und war mit Beginn der Pandemie arbeitslos. Da kam das Open-Space-Angebot gerade richtig. Was für eine Erleichterung, sich nun um ein Festival zu kümmern, das aufploppt und nach drei Monaten wieder verschwindet, im Gegensatz zu einem 150 Jahre alten Institutionstanker wie dem Wiener Künstlerhaus. Wenn ich nicht arbeite, bin ich mit meinem kleinen Sohn zusammen oder bei meinem schon großen Sohn, die beide noch in Amsterdam leben.

Was reizt Sie persönlich am Open Space?
Erwan Tacher: Es ist ein Projekt, das Menschen verbindet – also das Bremer Publikum, das so lange keine Live-Musik erfahren hat, und Musikstudierende, die so lange nicht in der Öffentlichkeit auftreten durften.
Tim Voss: In Wien hatte ich mit Künstlern zu tun, die alle so um die 60, 70 Jahre alt sind und manchmal gefühlt ausschließlich Nabelschau betrieben. Das wurde klaustrophobisch für mich. Daher genieße ich es gerade sehr, dass Studierende mir neue Diskurse, neue Formen und Inhalte, neue Sichtweisen zutragen. Dabei fühle ich mich zwar älter denn je (lacht), habe aber so viel Input bekommen wie lange nicht. Künstlerisch ist das ein Jungbrunnen. Und das versuche ich auch dem Publikum zu vermitteln. Denn Open Space ist ein Projekt im öffentlichen Raum mit der Chance, neue Besuchergruppen für junge Kunst zu interessieren.

Was animiert Studierende, bei Open Space mitzumachen?
Erwan Tacher: Ein Auftritt zentral in der Innenstadt zu haben, endlich wieder Bremer live erfreuen zu dürfen und dabei noch eine kleine Aufwandentschädigung zu kassieren.
Tim Voss: Endlich wieder eigene Arbeiten auszustellen und zu kommunizieren, endlich auch wieder miteinander zu arbeiten, sich auszutauschen und hoffentlich ein bisschen feiern zu dürfen. Viele Studierende kennen ihre Mitstudierenden bisher ja nur online.

Das Open-Space-Programm der HfK soll ja ein Schaulaufen ihrer vielfältigen Aktivitäten sein und die Hochschule repräsentieren, nach welchen Kriterien werden daher die Beiträge ausgewählt?
Erwan Tacher: Zwischen den Angeboten aus den Abteilungen Jazz, Klassik, Alte und Neue Musik, Instrumentalmusik und Gesang soll ein Gleichgewicht herrschen.
Tim Voss: Mir ging es um die Verbindungen der Studierenden untereinander – von Kollektivität bis Kollaboration. Und so haben wir einen Open Call auch formuliert. Ich habe dann, bis auf ein oder zwei, alle eingereichten Projekte angenommen und noch zahlreiche Projekte nachträglich dazu geholt.

Wie viele Studierende machen mit bei Open Space?
Erwan Tacher: Insgesamt rund 70 Musik-Studierende werden 15 Konzerte für die HfK gestalten. Nachfrage und Angebot von Auftrittsmöglichkeiten halten sich in etwa die Waage.
Tim Voss: Über 100 Studierende sind dabei. Zahlreiche Präsentationen an den Außenflächen der Gerüstskulptur und insgesamt 13 Ausstellungen zeigen wir, jede Woche eine andere.

Spiegelt sich die Interdisziplinarität der HfK im Programm, kommen Kunst, Design und Musik zusammen?
Erwan Tacher: Man muss sie erstmal nebeneinander existieren lassen und schauen, was daraus wird. Bei der Eröffnung aber wird bereits während der Konzerte live neben der Bühne gezeichnet.
Tim Voss: Design, Kunst und digitale Medien tauschen sich bereits sehr gut untereinander aus. Da wird viel studienfachübergreifend gearbeitet, da kennt man einander. Kompliziert ist der Austausch zwischen den Fachbereichen Musik mit Kunst und Design. Man weiß wenig voneinander und lebt in völlig unterschiedlichen Welten. Kunst und Design will sich in alle gesellschaftlichen Bereiche verbinden, zeitgenössisch sein, die Alte Musik beispielsweise entweltlicht eher ihre Kunst. Das sehe ich aber voller Respekt, wie die an Diskurse der Vergangenheit anknüpfen und manchmal eine Existenz im Elfenbeinturm pflegen.

Welches HfK-Image vermittelt die Veranstaltungsfolge?
Erwan Tacher: Zumindest die Konzertfolge zeigt die HfK-Ausbildung in ihrer Breite, zeigt Qualität und Kreativität.
Tim Voss: Die Vielfalt der Ausdrücke, die Diversität der Kunststudierenden und ihre Energie vermitteln sich unmittelbar und das werden wir für ein Publikum vermittelnd unterstützen. Natürlich auch die Arroganz, gar nicht gefallen zu wollen. Ich finde es besonders schön, dass an der HfK nicht Opportunismus gelehrt wird, also gesellschaftliche Anwendung, ökonomische Verwertung, ästhetische Anpassung von Kunst und Design. Open Space zeigt, an der HfK lernt man frei zu sein. Die Studierenden mischen sich damit in gesellschaftliche Kontexte ein. Auch das soll Open Space zeigen.

Was fehlt im Angebot?
Erwan Tacher: Wir haben noch viel Potenzial, dass etwas zwischen den Fachbereichen was passiert.
Tim Voss: Mir fiel es schwer, performative Formate im Fachbereich Kunst und Design zu finden, die fehlen. Dabei haben sich die Diskurse von Theater, Tanz, Performance und bildender Kunst deutlich angenähert. Wie man miteinander spricht, ist eigentlich identisch. Nur die Produktionsbedingungen unterscheiden sich.

Beim HfK-Programm für den Open Space handelt sich ja nicht um voraussetzungslos zu genießenden Stadtfest-Mainstream, daher braucht es Vermittlungsarbeit, oder?
Erwan Tacher: Da macht das Presseteam des Projekts eine sehr gute Arbeit. Durch die Webseite, Flyer, Plakate und Zeitschrift wird das Bremer Publikum über die Inhalte gut informiert. Außerdem spielen die Studierenden ja nicht nur, die moderieren auch ihre Musik. Eigentlich muss man nur dort sein und zeigen, was man macht. Ich glaube nicht daran, dass man viel erklären muss, was für ein Instrument man da warum spielt. Einfach machen. Das reicht.
Tim Voss: Davon kann man ausgehen und das haben die neugierigen Reaktionen während des Aufbaus auch gezeigt. Die Künstler selbst machen ja bei uns Aufsicht in den Ausstellungen, sie sollen die mal zufällig hineinschauenden Menschen abholen, mit ihnen in Kontakt treten und die Kunst vermitteln, die ja nicht immer selbstredend ist. Die Begegnung mit Menschen, die sonst mit Kunst nichts am Hut haben, wird ganz erfrischend sein. Das ist ja auch für viele immer eine tolle Sache, mit dem Künstler eines Objektes da im Raum sprechen zu können. Darum geht es bei Open Space.

Auf dem riesigen, historischen Domshofplatz regiert eine mächtige Architektur, das Wochenmarktgeschehen und eine Atmosphäre des Vorüberflanierens der Paare, Passanten und Stadtbummelanten. Wie kann sich Kunst dagegen behaupten?
Erwan Tacher: Wir spielen nicht gegen, sondern mit den Voraussetzungen. Wir passen uns an und schenken dem Publikum sogar Pop-Stücke, also etwas unterhaltsamere Programme, als wenn wir in einem Konzertsaal spielen würden und mehr Aufmerksamkeit von den Zuhörern hätten. Das ist ein Zeichen an das Publikum: Kommen sie mit.
Tim Voss: Indem junge Studierende einfach ihre Verspleentheit ausleben, es müssen ja keine Kompromisse gemacht werden, so erobert die Kunst den Ort und vielleicht auch die Menschen und so verbindet sich Open Space mit dem Markt umzu. Die Studierenden interessieren sich dabei weniger für die Repräsentanz der umgebenen Gebäude, als zum Beispiel für den Spuckstein, der an die Hinrichtung Gesche Gottfrieds erinnert.

Was sagen Sie Menschen, die denken, ach, das sind ja nur Studierende, noch gar keine professionellen Künstler, sondern Auszubildende, die können ja noch gar nicht gut sein, die bieten ja nur nachsichtig zu begutachtende Beiträge, das ist ja nicht reizvoll für erfahrene, anspruchsvolle Kulturrezipienten?
Erwan Tacher: Die Studierenden sind so gut, da muss man nicht zweifeln.
Tim Voss: Natürlich kann man sich Kunst und Design im Museum anschauen, alte Meister studieren, aber es ist doch toll, wenn man junge Designstudierende erlebt, die erste Ideen haben. Man versteht doch viel besser, was sich kanonisiert, durchgesetzt hat, wenn man die Multitude der Möglichkeiten sieht.

Was hat uns die Kunst und die Live-Musik zu sagen, wenn sie jetzt nach anderthalbjährigem Schmoren im Lockdown wieder an die Öffentlichkeit tritt?
Erwan Tacher:
Man wird merken, was für ein riesiger Unterschied das ist, physisch anwesend bei einem Konzert zu sein oder CD-Aufnahmen oder online etwas zu hören. Von diesem Live-Zauber haben wir zu erzählen.
Tim Voss: Die HfK verbindet sich mit den kulturellen Akteuren in Bremen und erweckt uns aus der Tiefschlafphase, die die Pandemie für uns bedeutete. Das ist die Botschaft.

Inwieweit können Kunst und Musik etwas zur Entwicklung der Shopping-City vom leerlaufenden Konsumzentrum zur urbanen, divers lebendigen Stadtmitte beitragen?
Erwan Tacher: Der Domshof ohne Open Space ist zu leer, die rein kommerzielle Nutzung traurig, dagegen veranstalteten wir mit Open Space dort bereits Konzerte mit bis zu 400 Besuchern. Wir machen die Innenstadt lebendig, holen Menschen hierher, bringen sie dazu stehenzubleiben, sich zu unterhalten, der Erlebniswert der Innenstadt ist mit uns viel größer.
Tim Voss: Die Innenstadt wirkt ja an vielen Orten verwaist. Und es ist ja kein Zufall, dass Open Space nicht mit Geld der Kulturbehörde, sondern mit Wirtschaftshilfe finanziert wird, es geht um die Reaktivierung der Innenstadt.

Kunst und Musik sollen als Dienstleister der Geschäfte die Aufenthaltsqualität für die City-Besucher und ihre Aufenthaltsdauer erhöhen sowie dem öden Domshof über den Sommer helfen? Dann ist alles wieder vorbei? Oder ist das der Anfang für etwas Nachhaltiges?
Erwan Tacher: Die Open-Air-Veranstaltung ist nachhaltig, weil sie ja nun schon zum dritten Mal stattfindet, auch 2022 stattfinden wird und sich gut und nachhaltig entwickelt hat, weil wir uns mit der Bremer Szene vernetzen, in diesem Jahr unter anderem mit der Shakespeare Company, Breminale, Globale, Langen Nacht der Musik und dem Domchor. Wir lassen auch Pop-Cover-, Rock- und Latin-Bands auftreten. Da kommen ja viel mehr Anfragen von Bremer Künstlern als wir derzeit Termine haben. Das ist also ausbaufähig. Wir hoffen nun mit nationalen und internationalen Kooperationen bald ein noch reicheres und prominenteres Angebot realisieren zu können für ein auch überregionales Publikum. Man könnte Open Space auch noch nachhaltiger gestalten, wenn wir nicht nur ein Budget für den Sommer bekommen würden, sondern auch im Herbst und Winter verschiedene Orte, etwa leerstehende Geschäfte, kontinuierlich bespielen dürften.
Tim Voss: Nachhaltigkeit im schönsten Sinne wäre ja, dass man merkt, dass Handel, Wohnen, Gastronomie und Kultur in der Stadtentwicklung nicht ghettoisiert werden sollen, sondern eine entsprechende Mischnutzung der Innenstadt die Zukunft wäre. Der einst dort allein regierende Handel scheut die Mischnutzung aber wie der Teufel das Weihwasser. Denn nur mit Kommerz, nicht mit Kunst sind höchste Renditen bei den Vermietungen zu erzielen. Um das zu ändern, müsste die Stadt die Kultur hochsubventionieren. Nachhaltig wäre daher an Open Space, wenn sich die Frage aufdrängt, warum muss man eigentlich so eine riesige Gerüststruktur für all die Kunst bauen, warum haben wir in der City nicht auf Dauer einige Orte dafür? 
In Paris wird das gerade richtig erfolgreich als politische Planwirtschaft realisiert: Semaest. Ganze Straßenzüge im 11. Arrondissement werden mit viel Geld wieder in Mischnutzung gebracht, Buchhandlungen beispielsweise angesiedelt und ihnen die Miete subventioniert, der Handel muss vielfältig aufgestellt, Wohnen bezahlbar, Kultur und Gastronomie mit einbezogen sein. Es gibt dazu eigentlich auch in Bremen keine Alternative. Politik muss die Vermieter zwingen, Läden der Kultur zumindest zur Zwischennutzung zu überlassen, sonst passiert da nichts. Das haben wir erfahren, als wir leere Ladenfenster als Ausstellungsräume buchen wollten und nirgendwo in der Innenstadt die Erlaubnis erhielten. Da regiert die Broken-windows-Theorie. Die besagt, wenn ein Fenster kaputt ist in der Nachbarschaft, drohe die Verwahrlosung und schon sinke das Mietniveau für alle Objekte im ganzen Bezirk. Kunst ist für die Renditeaussicht der Immobilienbesitzer offenbar angsteinflößend wie ein zerbrochenes Fenster.

Prof. Patrick O'Byrne
Dekan Fachbereich Musik

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Seit 2002 ist der Pianist Patrick O'Byrne HfK-Professor für Klavier und wurde im Dezember 2020 zum Dekan des Fachbereichs Musik gewählt. Darüber sprachen wir mit dem in Dublin geboren und in Neuseeland aufgewachsen Künstler.

Ein Dekan ist traditionell mit Eure Spektabilität anzureden, das klingt nach Macht. Zumindest nach etwas Macht. Denkt der eitle Altlateiner in mir doch bei Ihrem Titel an Decanus, also dem Führer von zehn Mann – was übertragen auf das Jahr 2021 vielleicht einer Leitungsposition in der mittleren Verwaltungsebene entspricht. Was und wen leiten Sie?
Da ein Rektor oder eine Rektorin es zeitlich nicht schaffen, die beiden Fachbereiche Kunst und Design sowie Musik zu bedienen, wurde die Position des Dekans geschaffen.

Und Sie sind der Chef für die Musik?
Das klingt sehr wichtig, aber ja, es stimmt.

Sie bestimmen also die Zukunft der Studiengänge und -möglichkeiten und moderieren die Interessen im Fachbereich?
Danke für das Stichwort. Ich sehe meine Rolle als Dekan tatsächlich darin, ausgleichender Moderator zu sein.

Außer für alles, was an der Dechanatstraße passiert, die Verantwortung zu übernehmen – was haben Sie als Dekan denn konkret zu tun?
Man hat täglich eine Flut von E-Mails zu bewältigen. Ich bin alte Schule, also nicht besonders Internet-affin, und versuche daher mit meinen zwei Dekanatskolleginnen, Katrin Scholz und Maria Kowollik, die Nachrichten abzuarbeiten. Ich kümmere mich aber auch in den Gremien und vor Ort um die Qualität der Lehre, die Umsetzung der Corona-Regeln und bin zuständig für die Finanzen.

Ein klassischer Streitpunkt.
Natürlich gibt es immer wieder Proteste, man stößt auch auf Unverständnis mit seinen Entscheidungen, der einzige Weg für ein Miteinander ist da die Kommunikation miteinander. Daher lege ich Wert auf Transparenz, ermögliche also allen Entscheidern den Zugriff auf alle Daten, lege auch dem Fachbereichsrat alles offen, was wir an Mitteln haben und wie wir warum damit umgehen oder umgehen sollten – etwa bei der Kursmittelverteilung. Meine Aufgabe ist es, dabei neutral zu bleiben.

Wie erhöhen Sie die Qualität der Lehre?
Durch die Auswahl des Personals. Derzeit sind viele Stellen neu zu besetzen und da es Musiker*innen gerade nicht möglich ist, weltweit zu konzertieren, haben sie vermehrt Interesse an der Lehre als Einkommensmöglichkeit. So gibt es jetzt sehr gute Chancen, wirklich Top-Kolleg*innen an die HfK zu holen.

Sind Top-Musiker auch Top-Pädagogen?
Können sie sein. Aus meiner Sicht unterrichtet man am besten, gezieltesten, förderlichsten, wenn man fast gar nichts macht. Man wartet, psychologisch gesehen, darauf, eine Jalousie hochzuziehen, ein Fenster zu öffnen, damit der/die Studierende auf Ideen kommt – ein Selbsterkennungsprozess stattfindet. Den müssen wir Lehrende initiieren und entwickeln.

Sie müssen ja die Stellenbesetzungen im Fachbereich priorisieren, wo ist gerade der größte Bedarf?
Wir müssen die Orchesterfähigkeit herstellen, uns fehlen ja nach wie vor zum Beispiel Posaune, Trompete und Horn, die entsprechenden Professuren sind neu zu besetzen, die Flöten-Professur wurde gerade zur Wiederbesetzung ausgeschrieben. Unglaublich froh und sehr dankbar bin ich, dass die Wissenschaftsbehörde trotz des eingefrorenen Hochschulentwicklungsplans neun Stellen für Lehrkräfte entfristet hat, so dass wir die Kolleg*innen nicht auf die Straße und in prekäre Verhältnisse entlassen müssen.

Ist Dekan ein beliebter Nebenjob?
Nein. Jeder weiß, man hat als Dekan viel mit Verwaltung zu tun und muss dafür reichlich Zeit investieren. Gerade für Künstler*innen, die ihre Karriere und Klasse aufbauen, wirkt das wenig reizvoll. Deswegen konnte dieses Amt letztes Jahr nicht besetzt werden, niemand wollte es übernehmen. Daher hat man mich, ein Auslaufmodell des akademischen Betriebs, angesprochen und aus dem Ruhestand zurückholt, um ein bisschen zu helfen, zumindest befristet für anderthalb Jahre.

Warum haben Sie zugesagt?
Für mich ist das kein undankbarer Job, ich habe das auch gemacht, weil so viele Pläne in Coronazeiten verschoben werden mussten. Ich darf nicht reisen, niemanden treffen, sitze immer im Homeoffice herum, meine Lebenspartnerin lebt in Südkorea, wir haben uns ein Jahr nicht gesehen, mein Privatleben ist auf Eis gelegt. Und meine Familie ist in Neuseeland und Irland beheimatet, die kann ich nicht besuchen, mein Sohn studiert an der TU München, den sehe ich nicht, meine Tochter lebt in Barcelona und ich sitze hier in Bremen zu Hause auf der Teerhof-Insel. Seit einem Jahr habe ich keinen Schritt aus Bremen herausgetan. Dabei aber endlich mal Natur wahrgenommen. Ich wusste ja bisher gar nicht, wann die Schwalben kommen, die Mauersegler eintreffen, wann die Nachtigallen anfangen zu singen. Die Gegend am Werdersee ist mein Garten geworden. Aber ich wollte auch was tun und habe nun vor, als Dekan zu bleiben, bis ich 95 bin … (lacht)

Was ist das Besondere des Musikstudiums an der HfK?
Dass man hier unter anderem sehr fundiert Alte Musik studieren kann, das ist eine Bremer Spezialität …

… wie Labskaus mit Spiegelei ...
… genau. Aber als ich von der Musikhochschule Stuttgart nach Bremen wechselte, sagte man mir, das sei doch eine Sackgasse. Ich sehe das ganz anders. Wir sind hier eine sehr kleine Hochschule, das bedeutet, dass sehr viel Austausch möglich ist. Man findet immer schnell zusammen. Und es ist fast einmalig in Deutschland, mit dem Fachbereich Kunst und Design die Möglichkeit zu Kooperationen und Interdisziplinarität zu haben.

Was bringt das Studierenden?
Mir schwebt vor, dass man beispielsweise als GeigerIn auch etwas von der Malerei oder Bildhauerei studiert, das bringt einen weiter als Mensch und KünstlerIn. Ich würde sowas gern zur Pflicht für Bachelorstudiengänge an beiden Fachbereichen machen.

Aber leben Künstler*innen nicht bevorzugt in ihrer eigenen kleinen Blase?
Gerade deswegen wäre das eine solche Bereicherung, damit man sich nicht länger einbildet, dass Grenzen existieren, wo gar keine sind. Nur wenn einem gezeigt wird, das könntest du auch noch, dann eröffnen sich neue Perspektiven.

Sie meinen, Künstler*innen können sich per se in mehreren Medien ausdrücken?
Ja, es geht nicht um Musik oder Bildende Kunst, sondern um beides. Bariton Dietrich Fischer-Dieskau und Komponist Arnold Schönberg waren beide auch tolle Maler. Die Klaviermusik von Enrique Granados würde gar nicht existieren, wenn Goya nicht seine Bilder gemalt hätte.

Das widerspricht dem Musikmarkt-orientierten Denken einer hochschulischen Eliteausbildung. Gut zu vermarkten sind ja nicht komplexe Künstlerpersönlichkeiten, sondern Virtuosen an den Tasten oder auf den Saiten.
Ja, wir sind zu perfektionistisch, das ist so hinderlich. Das wollen wir mit der interdisziplinären Ausbildung ändern.

Inwieweit funktioniert die interdisziplinäre Lehre innerhalb des Fachbereichs, also zwischen Alter Musik, Klassik, Jazz und zeitgenössischer beziehungsweise elektroakustischer Komposition?
Ich glaube, da ist sehr viel Luft nach oben. Etwas aber passiert bereits. Die Alte Musik spielt beispielsweise auch Beethoven, Schumann und Schönberg, weil sich bestimmte historische Spieltechniken besonders gut daran anpassen lassen. Jeder und jede Studierende bei uns setzt sich mit historischer Aufführungspraxis auseinander. Und der fachübergreifende Musikwissenschaftler Michael Zywietz verlinkt und vernetzt die Studienrichtungen.

Was hat Bremen von der HfK-Musikausbildung?
Ein gutes Renommee als Musikstadt und die vielen Konzerte mit jungen, talentierten Künstlern, dafür haben wir ja schon ein Stammpublikum.

Wie funktioniert der Spagat, Lehrender und selbst Künstler zu sein?
Sehr schwer am Anfang. Weil man als junger Musiker nur spielen will. Ich bin ja extra nach Deutschland gegangen als dem Zentrum der traditionellen klassischen Musik, hier ist sie geboren, hier lebt sie weiter, hier ist sie zu Hause. So sehe ich das jedenfalls als Ausländer. Um mich in Deutschland finanziell über Wasser zu halten, ging es mir wie vielen anderen, ich musste unterrichten – und hatte auch schon recht früh eine Stelle. Ich war 29 Jahre alt, als ich meine erste Professur, damit auch ein großes Arbeitspensum an der Hochschule bekam und schon konnte mein Fokus nicht mehr nur auf der eigenen Musikerkarriere liegen. Das war hart. Andererseits finde ich es auch ein wenig einseitig und etwas töricht, nur das eigene Süppchen kochen zu wollen. Der Austausch mit Kolleg*innen und Studierenden ist doch sehr wichtig. Heute denke ich jedenfalls, selbst spielen und unterrichten, das ergänzt einander. Ich bin ein besserer Musiker geworden, weil ich Musik gelehrt habe, dabei immer wieder wachgerüttelt wurde und erkannte, was ich alles noch nicht kann und weiß.

Leiden Sie beruflich unter Corona?
Nicht mehr. Das Online-Semester 2020 war schlimm, nur über Aufnahmen und Medien miteinander zu kommunizieren, so funktioniert Musik nicht. Leider ist ja auch weiterhin verboten, beispielsweise die großen Klavierwerke mit Orchester zu spielen. Sehr erfreulich aber, dass Präsenzunterricht wieder erlaubt ist, auch können in kleineren Gruppen Projekte realisiert werden. Das fortgesetzt zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass etwa unser Opernprojekt nicht einfach pauschal verboten wird, sondern eingeschränkt stattfinden kann, ist mir ein großes Anliegen.

Yvonne Westdörp und Hubert Notzon
Security Service

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Sie sind die ersten Gesichter, in die HfK-Besuchende blicken, und in Corona-Zeiten manchmal auch die einzigen Menschen, die einem live in der Hochschule begegnen – die Security-Dienstleister*innen, Moderator*innen der Verhaltensregeln und Ersthelfer*innen bei allen Irritationen, mit einem Wort: die Pförtner*innen. Sie vermitteln den ersten Eindruck von der Institution und werden schnell mit ihr identifiziert. Es könnte Liebe auf den ersten Blick sein. Auch skeptische Distanz erwachsen. Oder gleich eine gewisse Ablehnung keimen. Unzweifelhaft wichtig fürs Image der HfK sind daher die Pförtner*innen als erste Anlaufstation. Haben sie sich selbst im Laufe ihrer Berufsjahre mit der Hochschule identifiziert? Warum oder warum nicht? Wir fragten Yvonne Westdörp (YW) im Speicher XI und Hubert Notzon (HN) an der Dechanatstraße.

YW: Klar identifiziere ich mich mit der Hochschule. Als sie am 3. August 2003 vom ehemaligen Standort Am Wandrahm in den Speicher zog, war das mein erster Arbeitstag. Ich bin sozusagen von Anfang an hier mit reingewachsen. Zwar über die Fremdfirma Siba Security Service engagiert und zuerst auch nur als Wachfrau tätig, hat sich der Job bereits nach fünf Jahren mit dem Bau des Front-Office weiterentwickelt, der Empfangsdienst kam hinzu.
HN: Ich bin ja seit Juni 1998 hier tätig, das ist eine lange Zeit, da identifiziert man sich mit der Hochschule, ganz klar.

Dein Traumjob?
HN: Zugereister in Bremen bin ich, deutschstämmiger Pole, 1979 aus Schlesien gekommen, das mit dem Job war kein Traum, sondern Zufall. Ich kam hier häufig an die Dechanatstraße zum Musizieren und saß hier auch viel rum, da fragte mich eines Tages ein Wachmann, die hatten 1998 ihren Dienst aufgenommen, ob ich nicht mal seine Schicht übernehmen könnte. Ich habe mit seinem Chef gesprochen, mich dann hier morgens früh hingesetzt und bin sitzenglieben, weil dann der, der die Nachmittagsschicht machen sollte, einfach nicht gekommen ist. Und so habe ich einen Vertrag bekommen, ich weiß noch, es gab 11.11 DM die Stunde.
YW: Ich komme aus dem Büro, bin ausgebildete Phonotypistin, habe mich weitergebildet in Datenverarbeitung und war in dem Bereich überwiegend tätig. In den 1990er Jahren aber kam ich in die erste großen Arbeitslosenwelle, wo ich keinen Job mehr bekommen habe. Arbeitslosenhilfe zu beziehen, das kam für mich nicht in Frage. Und so half mir eine Freundin, in den Wachdienst hineinzurutschen.

Du hast ja einen gläsernen Arbeitsplatz, der nicht ins Homeoffice zu verlegen ist. Aber viele wissen gar nicht, was zur Arbeitsplatzbeschreibung alles dazugehört.
YW: Meine drei Kollegen und ich sind als Vollzeitkräfte ja 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag der Dreh- und Angelpunkt für alles, was hier rein- und rausgeht, Telefonate etwa. Wir verknüpfen Ankommende und bereits Anwesende, zum Beispiel Handwerker und ihre Einsatzorte, Schließberechtigungen für Studierende und Räume, Post und Adressaten, Autoschlüssel und -Nutzer. Und wir liefern natürlich Orientierung hier im Haus, machen auch Materialausgabe, da kommt man schnell in Kontakt mit Studierenden, ob die nun Hammer, Pinsel oder Farbe brauchen. Bei all den Tätigkeiten wuchs die Identifikation mit den Menschen hier und ihrer Kunst.
HN: Früher war ich nicht so auffällig, sondern hatte näher an der Tür unter der Treppe wie in einem Pferdestall meinen Arbeitsplatz, jetzt werde ich ja hier am Empfang wie in einem Schaufenster ausgestellt. 6.45 Uhr fange ich morgens an, dann kommen die Putzkräfte, das muss ich organisieren mit den Generalschlüsseln sowie das An- und Abmelden. Dann kommen auch schon die Studierenden, ich verteile den ganzen Tag über die Schlüssel für die 54 Überäume, manchmal muss ich auch Hausmeister spielen oder Post verteilen.

Und der Sicherheitsdienst?
YW: Ist geblieben mit den nächtlichen Rundgängen durchs Haus, dem Überprüfen, ob alle Räume verschlossen sind, sowie tagsüber eben das Achten auf Personen, die sich nicht zu benehmen wissen oder hier nicht reingehören, Diebstähle sind ja leider an der Tagesordnung. Wir haben im Namen der Hausverwaltung, dem Dezernat 4, das Hausrecht und müssen das auch durchsetzen. Aber selbst wenn Hochschultage sind oder Erstsemesterpartys, dann mag zwar mal was kaputtgehen, aber die Veranstaltungen gingen immer friedlich aus, keine Schlägereien irgendwo. Künstler sind halt schon von der Sensibilität her ein besonderes Völkchen.
HN: Ich mache Rundgänge, beobachte die Bilder der Videoüberwachung. Ich vertrete ja hier das Hausrecht und muss es durchsetzen, also auf Ordnung achten und gegebenenfalls Menschen zum Verlassen des Hauses auffordern, wenn sie sich nicht ordentlich benehmen. Nachts sind meine Kollegen und ich aber nicht im Dienst, da darf hier auch niemand üben. Da ist es in den letzten 20 Jahren auch schon dreimal zu Einbrüchen gekommen.

Mensa zu, Bäcker weit weg, kein Imbisswagen kommt vorbei, wie kommst du da über den Tag?
YW: Meine Kanne Tee habe ich dabei und einen Pott Essen zum Warmmachen in der Mikrowelle. Manchmal habe ich auch Appetit auf Pizza, dann bestelle ich mir eine vom Lieferdienst. Das ist der Nachteil hier, dass ich ja nicht einfach mal so weggehen und den Laden kurz zumachen kann.
HN: Ich frühstücke nie, das ist gesund. Ich esse normalerweise nie vor 15 Uhr. Dann vielleicht Tomaten und Gurken. Im Laufe des Arbeitstages trinke ich schwarzen Kaffee und Wasser. Früher habe ich abends mich mit Süßigkeiten zugestopft, jetzt verzichte ich komplett auf Zucker, genieße aber viele, sehr viele Nüsse. Walnüsse, Mandeln, Chashewkerne und Haselnüsse. Ich nehme nie zu.

Was hat sich in deiner Verantwortung geändert seit Corona?
HN: Früher konnte jeder reinkommen, jetzt muss jeder klingeln und ich lasse ihn rein. Ich muss darauf achten und hinweisen, dass alle Maske tragen. Ich gebe auch welche aus. Und muss ja auch eingreifen, wenn sich Leute umarmen. Ich sage dann, ihr müsst Abstand halten, die sagen dann, sie kommen aus einem Haushalt, ich sage dann, das ist egal, hier im Haus müsst ihr Abstand halten. Klipp und klar sage ich das auch Liebespaaren.
YW: Darauf achten, dass sich jeder ein- und auscheckt, das ist jetzt das absolute Muss. Aber man vermisst das Leben hier in der Bude. Als sich vor Corona alle frei im Haus bewegen durften, liefen sie massenhaft hier durch, einfach vorbei, man erlebte zwar auch kleine Tragödien und selten auch mal Liebesgeschichten, aber du hast meist nicht mal die Gesichter dir richtig merken können, es waren einfach zu viele. Klingt blöd, ist aber so: Vor Corona hatten wir viel weniger mit den Studierenden zu tun als jetzt, wo zwar viel weniger hierherkommen, aber jeder einzeln, und er meldet sich an, bevor er kreativ wird, und anschließend auch wieder ab. Man sieht und redet mit jedem.

Kennst du Studierende persönlich?
YW: Klar, gerade weil viele wie ich im Viertel wohnen, ich bin im Ostertor aufgewachsen und lebe auch immer noch dort.
HN: Ich kann fast jeden mit Vornamen begrüßen. Obwohl hier auch was los ist, wenn im Speicher XI so zehn, 20 pro Tag reinkommen, kommt hier ein Vielfaches an Menschen vorbei. Früher bin ich auch zu Abschlusskonzerten und Partys von Studierenden gegangen, das mache ich jetzt nicht mehr, wenn ich acht Stunden gearbeitet habe, dann will ich meine Ruhe haben – außerdem wird die altersmäßige Schere zwischen mir und den Studierenden immer größer, ich bin jetzt 60 und die immer noch in den Zwanzigern, wie soll ich da mit denen feiern? Überhaupt muss man ja aufpassen, dass aus der Nähe nicht Kumpanei wird. Auf der Arbeit vertrete ich ja die Regeln der Hochschule, nicht die Wünsche der Studierenden, bin die Gegenseite für sie und muss das auch zeigen.

Was waren, was sind die häufigsten Fragen und Probleme, mit denen du konfrontiert wirst?
YW: Vor Corona dominierten Fragen, wo was zu finden ist. Jetzt geht es vor allem um Zutrittsberechtigungen.
HN: Früher kam man vorbei und fragte, hast du ‘nen freien Raum. Heute holt man einfach die gebuchten Raumschlüssel ab.

Funktioniert das System?
YW: Zu Beginn des Lockdowns war das schwierig, da gab es noch viele, die unangemeldet kamen und mit denen man diskutieren musste bis zu dem Punkt, wo man sagte, jetzt reichts, ihr müsst akzeptieren, die Berechtigungen, Räume zu betreten, dürfen wir nur nach der uns täglich neu übermittelten Voranmeldeliste rausgeben und keine Ausnahmen erlauben. Das hat sich jetzt aber eingespielt. Mal einen anderen Ton anschlagen, das ist kaum mehr nötig. Erstsemester kennen es ja gar nicht ohne diese Prozedur.
HN: Das ist gut organisiert, die Räume sind aber nicht immer ausgebucht, das sehen die Studierenden ja auch auf ihrem Handy, da ist dann auch kurzfristig immer mal was möglich.

Musstest du dich auf die Künstler*innen erst einstellen?
YW: Nein, damit hatte ich von zu Hause aus schon zu tun. Eine gute Freundin war Malerin, auch ein Großcousin war Künstler.
HN: Nein, ich mag das. Bedauere aber, dass wegen Corona viel weniger Kontakte stattfinden. Und jetzt haben die mir ja auch noch eine Extra-Scheibe eingebaut zwischen mich und den Studierenden, das trennt natürlich und die Akustik ist viel schlechter, man versteht einander häufig einfach nicht mehr.

Hast du selbst künstlerische Interessen?
HN: Ich habe vor 40 Jahren Musik studiert, nämlich Jazz- und Barock-Trompete am Konservatorium am Osterdeich, das ja 1979 als Fachbereich Musik in die Hochschule für Gestaltung integriert wurde. Aber das Niveau von damals ist mit dem heutigen nicht zu vergleichen. So wie ich damals gespielt habe, hätte ich heute keine Chance gehabt, jemals die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Trotz Studienabschluss konnte ich aber als Berufsmusiker nicht wirklich leben, nur mich über Wasser halten. Ganz früher habe ich in meinem Raum hier an der Dechanatstraße auch immer noch mal geübt, jetzt ist es zu laut, zu hallig und einfach zu viel los. Aber manchmal spielte ich eine Fanfare durchs Mikrofon ins Haus, um Studierende auszurufen, wenn ihr Übungsraum frei wurde. Aber meine Trompete habe ich seither schon Jahre nicht mehr angefasst. Höre aber noch gern Bebop, Bigband-Jazz und Trompeter wie Maynard Ferguson, der hat hier 1990 einen Kurs gegeben, und Wayne Bergeron.
YW: Ich habe früher viel fotografiert und selbst entwickelt, zeichnerisch zudem so rumgespielt, grafisch am Computer mit Corel Draw gearbeitet, auch Fotomontagen erstellt, da kamen ganz urige Sachen heraus. Ich gucke mir auch an der Hochschule an, was Studierenden so machen, zum Beispiel der Fachbereich Mode, dort fotografiere ich auch ab, was ich richtig toll finde. Manchmal laden mich Studierende auch zu Ausstellungen ein.

Worauf freust du dich jeden Tag?
HN: Solche Gedanken habe ich nicht. Ich stehe auf, ziehe mich an und dann komme ich hierher aus der Vahr mit dem Auto und arbeite. Das ist ganz normal mein Job hier. Dass ich besondere Freude habe, nee. Ach, doch, Montag, Dienstag mache ich bis 18 Uhr Dienst, Mittwoch kann ich schon um 15 Uhr nach Hause gehen, das freut mich.
YW: Ich freue mich auf den Mittagsspaziergang während meiner Pause mit dem Rollwagen zum Verteilen all der Pakete im Haus, das heißt auch: hier mal ‘nen Schnack, da mal ‘nen Schnack.

Es ist ja klar, dass wir die Hochschule nur wieder weiter öffnen und geöffnet halten können, wenn sich alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Funktionieren die, was ist dein Eindruck?
HN: Als Checkin angelaufen ist, hatten ja alle eine Mail dazu bekommen, wie das funktioniert, aber die überwiegende Mehrheit, die hier ankam, wusste überhaupt nichts davon, hatten die Mail gar nicht gelesen, da musste ich ganz viel erklären, so dass ich abends ganz schön erschöpft war, das Erklären macht jetzt zum Glück eine studentische Hilfskraft. Was trotzdem nicht so gut klappt: Nun checken sich die meisten zwar richtig ein, aber vergessen, sich wieder auszuchecken. Und für mich ist das Pflegen der Listen der Raumbuchung natürlich viel mehr Arbeit als vorher.
YW: Im Haus ist ja eine weitere Sicherheitsfirma unterwegs, um auf die Einhaltung zu achten, wir können ja nur im Foyer aufpassen. Da habe ich aber noch nie jemanden gesehen, der ohne Maske reinkam. Studierende und Mitarbeiter sind sehr genau beim Einhalten der Regeln, die sagen eher mir mal, ey, Maske auf …

Sue Wendlandt
Projektmanagement Website-Launch

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Wie bist du an die HfK gekommen und seit wann arbeitest du als Projektmanagerin?

Im Oktober 2010 habe ich das Bachelorstudium Integriertes Design an der HfK begonnen und bin deswegen nach Bremen gezogen. Ursprünglich habe ich eine Ausbildung im Bereich Printmedien gemacht, aber schnell gemerkt das mir das gestalterisch auf Dauer nicht reicht. Die Interdisziplinarität und das vielseitige Angebot der Hochschule hat mich damals fasziniert und mir den nötigen Schups für ein Studium gegeben. Das Studium an der HfK hat mich gelehrt, freier zu denken und dass ich für ein Projekt nicht alles alleine schaffen und können muss.
Nach dem Bachelor folgte der Master, ebenfalls an der HfK, jedoch habe in dieser Zeit bereits als selbstständige Gestalterin im Bereich Ausstellungen und Grafik gearbeitet. Hier wurde ich als Projektmanagerin gefordert, wenn es um die Kommunikation und Organisation von Ausstellungen ging. Seit April 2019 bin ich für das Projektmanagement des Website-Relaunches verantwortlich. Zu wissen, wie ich Ideen umsetzen kann und wo ich Hilfestellungen bekomme, sowie die Strukturen der HfK zu kennen, ist dabei natürlich von Vorteil.

Wie komplex ist das Projekt Website-Relaunch?
Warum ist die alte Website in die Jahre gekommen und was muss eine neue Website leisten?

Der Wunsch nach einer neuen HfK-Website besteht schon länger. Gerade in Zeiten von COVID merkt man, dass unsere Website nicht mehr den aktuellen Standards entspricht und uns es an wichtigen Features fehlt. Die neue Website muss in erster Linie den verschiedenen Bedürfnissen der Nutzer*innen gerecht werden – von der Vermittlung der komplexen Strukturen der HfK mit ihren interdisziplinären Ansätzen bis zum Anlegen einer Veranstaltung. Das unglaublich kreative und außergewöhnliche Potenzial, die zahlreichen großen und kleinen Projekte unserer Hochschule und die Menschen selbst gilt es widerzuspiegeln und gerecht zu werden – um somit auch national und international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Welche konkreten Verbesserungen wird es bei der neuen Website geben?
Ein wesentlicher Bestandteil der Erneuerung ist der Veranstaltungskalender – ein sehr wichtiges Tool für die zahlreichen Veranstaltungen an der HfK in beiden Fachbereichen. Die Verknüpfung bzw. das Einbinden auf verschiedenen Seitentypen und ein moderner Umgang mit Medien stehen ebenso im Mittelpunkt wie das Back-End für die Bearbeitung der Redakteur*innen.
Die neue Website muss relevante Informationen besser und schneller einbinden und Rückkopplungen, die wir aufgrund der Vielzahl an Lehrenden, Projekten und Studiengängen haben, schneller sichtbar machen. Insgesamt sollte die Website zeigen, welche Freiheiten Studierende während eines Studiums an der HfK in Bezug auf interdisziplinäres Studieren haben. Der Freiraum, die Flexibilität und die Verzahnung der einzelnen Bereiche sollten sich auch in der Website widerspiegeln.

Welche Abklärungen sind hierfür nötig? Wie sieht das grobe Prozedere aus?
Wer ist dabei involviert?

Im Vorfeld befasste sich ein Steuerkreis, bestehend aus Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden, mit den Bedürfnissen und Wünschen der Hochschulangehörigen in Bezug auf eine neue Website. Basierend auf Best Practice Beispielen und Interviews wurde dann ein Dokument verfasst, welches mir als Grundlage für den Website-Relaunch dient.
Mit dem Beginn meiner Stelle habe ich mich erst einmal tiefgehend mit der alten Website auseinandergesetzt, um mir einen Überblick über die Aktivitäten zu verschaffen. Außerdem tauschte ich mich mit den unterschiedlichen Fachbereichen aus und erfragte, was gebraucht wird, aber auch, was schon vorhanden ist und gut funktioniert. Diese Arbeit braucht zwar Zeit, ist aber wichtig um die verschiedenen Bedürfnisse zu verstehen. Zudem kommt im öffentlichen Dienst hinzu, dass gewisse Anschaffungen nur über offizielle Ausschreibung erfolgen dürfen.
Die offizielle Ausschreibung besteht aus zwei Phasen. Die erste Phase ist der Teilnehmendenantrag. Jede interessierte Agentur kann sich mit den erforderlichen Formularen und Informationen bewerben. In der zweiten Phase werden dann einige Agenturen aufgefordert am Angebotsverfahren teilzunehmen, das in einem Pitch endet. Der Pitch ist besonders wichtig: Hier können sich alle Beteiligten kennenlernen. Arbeitsweise, Unternehmensstruktur der Agentur und erste Ideen zu der Website werden ersichtlich. Welche Agentur letztlich die neue Website für uns umsetzt, entscheide ich natürlich nicht alleine – eine Kommission aus den unterschiedlichen Bereichen der HfK wird das gemeinsam beschließen. Wenn wir uns dann für eine Agentur entschieden haben, kann die Umsetzung beginnen.

Du hast an der HfK Integriertes Design studiert, betreust u.a. die alte Website, die Social Media Kanäle der HfK und hast die Übergangs-Website federführend begleitet. Was reizt dich besonders an deiner Arbeit?
Im Studium und während meiner Arbeit als Gestalterin liegt mein Fokus auf der Gestaltung im analogen Raum: Ausstellungen, Printprodukte und vor allem Materialien. Während meiner Zeit im Referat 1 habe ich großen Gefallen an der Bearbeitung der Website und dem Social Media Management gefunden. In den vergangenen Monaten haben wir als Team einen guten Drive auf unseren sozialen Kanälen entwickelt und die Zahl der Abonnent*innen wächst. Es ist natürlich schön zu beobachten, wie sich ein gutes Team bewährt. Ich kann meine eigenen Stärken gut einbringen und von den Stärken der anderen profitieren.
Im Alltagsgeschäft werden häufig Anfragen von HfK-Angehörigen aufgrund eines Problems mit der Website an mich herangetragen. Es bereitet mir total Spaß mich in die Probleme reinzufuchsen und herauszufinden, wie man diese behebt. Durch diese Arbeit habe ich festgestellt, wie wichtig ein gutes Back-End ist, damit die Redakteur*innen einfach und schnell arbeiten können, am Ende dient es dem Output. Nichts ist frustrierender, als die Arbeit mit einer komplizierten und umständlich zu bedienenden Website.

Als Nicht-IT-lerin bist du mit vielen unbekannten Begrifflichkeiten konfrontiert. Welches sind die besten Böhmischen Dörfer und was bedeuten sie?
Für mich gab es anfangs nicht nur zwei Böhmische Dörfer. Wenn Vergaberecht und Web-Development aufeinandertreffen, kann man schon mal schlucken. Unterschwellenverordnung, Verschwiegenheitserklärungen, Leistungsbeschreibungen, Barrierefreiheit und „erschöpfend beschreiben“ sind nur einige Beispiele. Für mich ist das wie eine andere Sprache. Ich habe festgestellt, dass man durch eigenes Recherchieren und die nötigen Kontakte vieles in Erfahrung bringen, aber sicherlich Fachwissen nicht aufwiegen kann. Daher ist es wichtig, sich die richtigen Ansprechpartner*innen und die nötige Hilfe zu holen. Eigentlich sollte ich, wenn die Ausschreibung fertig ist, ein Handbuch schreiben mit dem Titel: „Wie erstelle ich Ausschreibungen im öffentlichen Dienst – für Dummies“. Das gestalte ich dann natürlich noch super schön.

Melanie Franz-Özdemir
Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Qualitätsmanagement und Evaluation im Fachbereich Musik

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Was ist Ihr Werdegang und seit wann sind Sie an der HfK?

Nach einem Studium in Kultur- und Musikwissenschaft sowie Germanistik an der Universität Bremen war ich freiberuflich in den Bereichen Musikvermittlung, Kulturmanagement und Evaluationsforschung tätig. Von 2009 bis 2012 leitete ich ein Forschungsprojekt der empirischen Bildungsforschung an der Technischen Universität Braunschweig. Darin ging es um eine begleitende Evaluation des Programms „Jedem Kind ein Instrument“ (JEKI) in NRW und Hamburg mit Fokus auf der interprofessionellen Kooperation zwischen Grund- und Musikschullehrkräften. Für die Hochschule für Künste arbeite ich seit Mai 2012 und bin hier Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Qualitätsmanagement und Evaluation im Fachbereich Musik und lokale Koordinatorin für das Netzwerk Musikhochschulen – einem Projekt des Qualitätspakt Lehre, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Was beinhaltet Ihre Arbeit? Was kann man sich unter Qualitätsmanagement und Evaluation vorstellen?

Unter Qualitätsmanagement (QM) kann man sich eine Zusammenstellung von Verfahren, Instrumenten, Prozessen u.ä. vorstellen, mit deren Hilfe die Qualität – im Falle von Hochschulen ist das im Wesentlichen die Qualität von Studium und Lehre – auf verschiedenen Ebenen systematisch weiterentwickelt werden kann. Einen zentralen Baustein im QM an Hochschulen machen Evaluationen aus. Hier liegt auch einer meiner Arbeitsschwerpunkte im Rahmen des Netzwerks Musikhochschulen. Als das Netzwerk 2012 als Zusammenschluss von zwölf deutschen Musikhochschulen antrat, waren strukturierte Evaluationen an Musikhochschulen nicht weit verbreitet und hatten den Charakter von kleinen Pilotversuchen. Ein Ziel des Netzwerks und damit auch meiner Arbeit war und ist es, musikhochschulspezifische Evaluationsverfahren zu entwickeln, also Verfahren, die die spezifischen Lerninhalte, -formate und Rahmenbedingungen von Musikhochschulen berücksichtigen. Mit diesen Evaluationen wird es dann möglich, systematisch erkenntnisorientierte Daten aus der Lehre zu gewinnen und darauf aufbauend in dialogischen Prozessen die Lehrqualität zu verbessern.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit und der des Netzwerks ist die Lehrentwicklung, was im Wesentlichen Fortbildungsangebote für Lehrende beinhaltet. Wir haben z. B. das erste deutsche Lehrzertifikat für Musikhochschulen entwickelt. Ein großer Vorteil bei meiner Arbeit ist die Zusammenarbeit und der Austausch mit meinen Netzwerkkolleg*innen.

Was sind die Besonderheiten und Spezifika im Fachbereich Musik, auf was muss besonderes Augenmerk gerichtet werden?

Vergleicht man die Lehre an Musikhochschulen mit der in wissenschaftlichen Fächern an Universitäten wird schnell deutlich, wo die Besonderheiten eines Musikstudiums liegen. Im Gegensatz zu Massen-Vorlesungen finden bei uns die Lehrveranstaltungen in kleinen Gruppen statt und ermöglichen damit ganz andere Formen der Interaktion und des Lernens. Die Lehre kann allein durch diese Gruppengröße viel individueller und praxisorientierter gestaltet werden als anderswo. Praxisorientierung ist überhaupt auch das nächste Stichwort. Während Universitäten sich seit Jahren bemühen, ihre Studiengänge praxisorientierter zu gestalten, ist das seit jeher ein inhärenter Bestandteil des Musikstudiums, so z. B. im Einzelunterricht und in den vielen Projekten der künstlerischen Praxis. Und im Einzelunterricht liegt natürlich die ganz spezielle Besonderheit des Studiums. Er ist sozusagen die Krone des individuellen Lernens und ermöglicht die Spezialisierung auf einem Instrument oder der Stimme. Er bildet den Kern der künstlerischen Entwicklung der Studierenden hin zur musikalischen Exzellenz. Und dann ist da noch die ausgeprägte Heterogenität und Diversität der Studierenden- und Lehrendenschaft als Besonderheit zu nennen.
Aus diesen Besonderheiten leiten sich dann auch die Anforderungen für Evaluationen ab. Die Bewertungskriterien, aber auch die Formate der Befragung müssen angepasst werden. Insbesondere durch die kleinen Gruppen ergibt sich die Notwendigkeit eher dialogorientierte Verfahren einzusetzen statt der traditionellen Massenbefragungen mit anonymen Fragebögen. Aber genau darin liegt auch eine große Chance für die Lehrentwicklung, da sie den direkten Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden über die Lehre befördern. Ich verstehe Evaluationen nicht als kontrollierendes Element, sondern als Instrument der Lehrentwicklung.

Sie haben jüngst eine Studierendenbefragung zur digitalen Lehre im Sommersemester 2020 – sowohl aus dem Fachbereich Musik als auch aus dem Fachbereich Kunst und Design – durchgeführt. Was waren die Ergebnisse?
Durch Corona musste im Sommersemester die Lehre fast ausschließlich digital stattfinden. Dies stellte die Hochschule natürlich vor enorme Herausforderungen. Mit der Befragung – übrigens auch der Lehrenden – wollte ich eine Datenbasis zum Status Quo der digitalen Lehre bieten und Entwicklungspotenziale für die Zukunft aufzeigen. Dabei wollte ich auch herausfinden, wie eine kunst- und musikspezifische Digitalisierung der Lehre aussehen könnte, denn hier gilt das gleiche wie bei den Evaluationen: Eine 1:1-Übertragung von Konzepten aus wissenschaftlichen Fächern ist nicht sinnvoll oder erfolgsversprechend. Sie müssen angepasst oder neu entwickelt werden.

Bei der Befragung zeigte sich, dass insbesondere der Einzelunterricht im Fachbereich Musik nicht adäquat online über Videokonferenzen abgebildet werden kann. Insbesondere die klanglichen Einschränkungen waren zu groß, so dass der Lernerfolg geringer war als beim Präsenzunterricht. Und natürlich fehlte vielen Studierenden der Zugang zu den Überäumen. Im Fachbereich Kunst und Design waren es die Ateliers und Werkstätten, die den Studierenden fehlten, um adäquat künstlerisch arbeiten zu können. Und eine Präsentation der eigenen Arbeit mit Kameras war auch nur eingeschränkt möglich. Besonders schmerzlich vermisst hat die Mehrheit der Studierenden aus beiden Fachbereichen während des digitalen Semesters die Interaktion und den gemeinsamen Austausch. Trotz alledem gab es durchaus auch positive Rückmeldungen. Positiv bewertet wurden zum Beispiel Lehrveranstaltungen im „Blended-learning-Format“ – einer Mischung aus synchronen und asynchronen Lehrmethoden – , die Aufnahme von Videos der Musikstudierenden, die dann im Einzelunterricht besprochen wurden, der gemeinsame Datenspeicher in Teams und die allgemein zu beobachtende Verbesserung in der Pünktlichkeit beim Onlineunterricht.

Wird es nächste Schritte geben? Wie könnte die digitale Lehre verbessert werden?

Natürlich sollten auf die Befragung nun auch Follow-Up-Maßnahmen folgen. Die Frage ist, wie es in Zukunft weitergehen und wie eine kunst- und musikhochschulspezifische digitale Lehre aussehen kann. Klar ist auch, dass diese eine praxisorientierte Lehre nicht adäquat ersetzen kann, aber es gibt durchaus Anknüpfungspunkte für eine digitale Unterstützung bzw. Ergänzung. 

Einige Gremien und einzelne Lehrende haben sich bereits mit den Ergebnissen auseinandergesetzt und sind mit ihren Studierenden in einen Dialog getreten. Auch die Hochschulleitung hat bereits viel getan, z.B. im Hinblick auf Anschaffungen zur Unterstützung der Online-Lehre oder das Schaffen von Raumkapazitäten.

Was hat sich an der HfK verändert seitdem Sie da sind?

Viele Lehrende wussten zu Beginn meiner Tätigkeit nicht, wie man Evaluation für die Lehre einsetzen und nutzen kann und waren skeptisch. Durch die Präsentation von Evaluationsergebnissen und der Initiierung von Follow-up-Maßnahmen konnte ich zeigen, dass auch an Musikhochschulen Evaluationen zu einem Mehrwert für die Lehre führen können. Mittlerweile kommen Lehrende auch von sich aus auf mich zu und wollen ihre Veranstaltungen evaluieren lassen. Es hat sich einiges bewegt, aber das heißt nicht, dass es nichts mehr zu tun gäbe.

Was macht eigentlich...?
Bissan Badran
Language Assistance

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Wie viele Personen sind insgesamt im Team der Language Assistance und was macht ihr genau?
Welche Hilfestellungen gebt ihr konkret?

Das Team der Language Assistance setzt sich zusammen aus studentischen Hilfskräften und freiwilligen Studierenden, die ihren Kommiliton*innen bei Sprachbarrieren helfen möchten. Ich bin erst frisch seit November Teil des Teams und bin eine von insgesamt zwei studentischen Hilfskräften. Mein Kollege und Integriertes Design-Student Sassan Eskandarian setzt den November über aufgrund eines Praktikums aus und ist ab Dezember wieder am Start. 
Wir beantworten allgemeine Fragen der Studierenden und unterstützen bei alltäglichen Studienproblemen, zum Beispiel helfen wir beim Verstehen von Texten und Aufgaben in der Lehre, korrigieren schriftliche Arbeiten auf Grammatikfehler und übersetzen Unterlagen, wie zum Beispiel Motivationsschreiben. Außerdem helfen wir beim Ausfüllen von Formularen in Deutsch oder begleiten HfK-Studierende bei Bedarf zu wichtigen Treffen oder Terminen. Ich bin auch gerne beim Schreiben von Artist Statements oder der Beschreibung von künstlerischen Arbeiten behilflich.

Wie ist die Language Assistance entstanden
und seit wann gibt es dieses Angebot?

Die Language Assistance gibt es seit März/April 2020. Die Idee dafür stammt von Prof. Dr. Andrea Sick und Dr. Kathrin Gollwitzer-Oh. Die Language Assistance ist an das Konrektorat für Internationales angegliedert. Die Stabsstelle, bestehend aus Kathrin Gollwitzer-Oh und Abida Malik, koordiniert das Projekt. Mit der Language Assistance sollen alle Studierenden der HfK insbesondere auch in ihrem Hochschulalltag unterstützt werden.

Was für Fälle kommen normalerweise vor?
Gab es besondere Vorkommnisse?
Welche Erfahrungen hast Du bisher gemacht?

Meistens werde ich gefragt, ob ich bei der Beschreibung von künstlerischen Arbeiten helfen kann, das ist bisher auch meine absolute Lieblingsaufgabe. Ich selbst studiere Freie Kunst an der HfK und weiß daher, wie wichtig es ist, eine treffende Arbeitsbeschreibung oder ein Artist Statement zu schreiben. Ich denke, dass es von Vorteil ist, dass ich selbst Freie Kunst studiere und einen Bezug zu Kunst habe.

Bei welchen Sprachen könnt ihr unterstützen?
Ich verfüge über Englisch-, Deutsch- und Arabisch-Sprachkenntnisse und kann meine Kommiliton*innen bei diesen Sprachen unterstützen. Um unser Angebot um weitere Sprachen zu ergänzen, sind wir derzeit dabei, ein studentisches Netzwerk bestehend aus freiwilligen HfK-Studierenden aufzubauen, die über bestimmte Sprachkenntnisse wie Japanisch, Mandarin, Arabisch, Spanisch und Chinesisch verfügen und Lust haben, ihren Kommiliton*innen bei Sprachbarrieren behilflich zu sein. So können wir sicherstellen, dass alle internationalen Studierenden der HfK bei Bedarf Unterstützung erhalten können.

Wie läuft die Kommunikation momentan genau ab?
Aufgrund der aktuellen Lage trifft sich die Language Assistance momentan wöchentlich über eine Videokonferenz und bespricht aktuelle Aufgaben. Auch die Studierenden können mit uns per Videokonferenz in Kontakt treten oder einfach eine E-Mail an schicken.

Wie bist du zu dem Job gekommen? Was reizt dich daran?
Und was machst du sonst an der HfK?

Ich studiere derzeit im fünften Semester Freie Kunst in der Klasse von Kati Barath (Malerei und Trickfilme) und verbringe für gewöhnlich viel Zeit an der Hochschule. Auch einen Nebenjob an der Hochschule zu haben, kam mir daher sehr gelegen. Anderen HfK-Studierenden bei Sprachbarrieren weiterhelfen zu können und ihnen beim Übersetzen von Texten behilflich zu sein, bereitet mir sehr viel Spaß und es ist schön einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen.

Was macht eigentlich…?
Frank Zühlke
Dezernat 5 Controlling und IT

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Das Dezernat 5 vereint die beiden Bereiche Controlling und IT an der Hochschule für Künste Bremen (HfK). Frank Zühlke leitet das Dezernat seit 2002 und versteht sich selbst mittlerweile nahezu schon als Teil des Inventars der Hochschule. Erstmals kennen und lieben lernte er die HfK während eines Aushilfsjobs als „IT-Feuerwehrmann“ während seines Studiums der Wirtschaftsinformatik. Als dann im Jahr 2002 eine Stelle im Bereich Controlling und IT ausgeschrieben wurde, ergriff Frank Zühlke die Chance und begann bald darauf die Arbeit im Dezernat 5, das mittlerweile aus einem sechsköpfigen Team besteht. 

Controlling oder IT? Beides!

„Morgens wache ich mit der Frage im Kopf auf, ob ich an diesem Tag Controller oder ITler bin“, sagt Zühlke scherzend. „Doch dann stehe ich mit beiden Beinen gleichzeitig auf und entscheide mich für: beides!“ Als Controller verantworte ich Themen, in denen es um Haushalt, Budgetierung, Finanzpläne oder Statistiken aller Art geht – ein teilweise recht dröger Job. Im IT Bereich sieht es da schon anders aus: Dieser stellt den Internetzugang und das WLAN für alle Hochschulangehörigen sicher, richtet Benutzerkonten und Gastzugänge ein und gewährleistet ein reibungsloses Funktionieren der zugrunde liegenden Infrastruktur, auf der beispielsweise das E-Mail System oder die Telefonanlage laufen. Das Dezernat 5 ist dabei eine reine Verwaltungseinheit, es gibt kein klassisches Rechenzentrum für die Lehre, wie an größeren Hochschulen und Universitäten üblich. Außerdem versteht es sich als Servicestelle für alle Hochschuleinheiten. Auch bedingt durch das Landeswissenschaftsnetz Bremen ist das Dezernat 5 gut vernetzt und steht im Rahmen dieses Netzwerks im regelmäßigen Austausch mit anderen Hochschulen.

Entwicklung eines IT-Konzeptes für die gesamte Hochschule

Als Frank Zühlke 2002 an die HfK kam, stand er vor der großen Herausforderung, ein IT-Konzept bzw. eine Strategie für die Hochschule zu entwickeln. Sein Team begleitete den Einzug in den Speicher XI in der Überseestadt und entwickelte dort die IT-Infrastruktur. Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde im Jahr 2006 die interaktive Web-Plattform und das gleichzeitige Hochschulmanagementsystem ARTIST geboren. ARTIST kann laut Zühlke als echter Meilenstein angesehen werden, denn es verbindet den gesamten „Lebenszyklus“ einer oder eines Studierenden – von der Bewerbung über das Studium bis hin zum Alumni – in einer Software. Zühlke erklärt, ARTIST sei prozessorientiert und erleichtere die administrative Arbeit erheblich.

And then Corona happened…

Anfang diesen Jahres sollte die gut bewährte Software auf die neueste Version aktualisiert werden. Doch dann kam Corona dazwischen. Die Pandemie verschob die Planungen und es mussten kurzfristig neue Prioritäten gesetzt werden. Um einen Lehrausfall des Sommersemesters zu verhindern, musste in kürzester Zeit ein digitaler Lernraum für angebotene Lehrveranstaltungen ins Leben gerufen werden. Glücklicherweise waren die Grundstrukturen durch die Vorbereitungen auf eine neue ARTIST Version bereits seit Herbst 2019 gelegt, sodass zahlreiche Lehrveranstaltungen des Sommersemesters online stattfinden konnten.

Entwicklung mehrstufiger Online-Auswahlverfahren

Eine weitere große Herausforderung stellte das mehrstufige Auswahlverfahren zum Wintersemester 2020/21 dar. Normalerweise finden diese Prozesse vor Ort an der Hochschule statt und u.a Mappen werden physisch eingereicht bzw. ein Vorspielen findet statt. Dies war unter den besonderen Umständen nicht möglich. Frank Zühlke beschreibt das Vorhaben als eine der größten Herausforderungen seit Bestehen des Dezernats, für das es keinerlei Vorbereitung gab und das unter einem gewissen Zeitdruck stand. Das komplette, mehrstufige Auswahlverfahren – sowohl im Fachbereich Musik als auch im Fachbereich Kunst und Design - musste virtuell stattfinden. Das Dezernat 5 arbeitete unter Hochdruck an dieser Entwicklung. Nach unzähligen Stunden Arbeit, diversen Nachtschichten sowie zahlreicher Abstimmungsschleifen mit den am Auswahlprozess Beteiligten gelang das Vorhaben. „Da geht ein riesiges Dankeschön an mein Team – ohne diese tolle Zusammenarbeit und den großartigen Einsatz aller wäre das nicht möglich gewesen!“ sagt Zühlke.

Dank der unermüdlichen Arbeit des gesamten Teams des Dezernats 5 können auch in diesem Wintersemester Erstsemester ihr Studium an der HfK antreten. „Die digitalen Bewerbungsunterlagen und eingereichten Dateien der Studienbewerber und –bewerberinnen blockieren nun Tonnen an Speicherkapazitäten“, sagt Zühlke schmunzelnd. Diese würden jedoch nach abgeschlossener Immatrikulation gelöscht bzw. ins dauerhafte Backup verschoben werden können.

Zentrale Anlaufstelle während des Online-Semesters

Natürlich stellte auch der Umgang mit den vielen noch unbekannten neuen Medien das Dezernat 5 vor Herausforderungen. Das Team wurde während des Online-Semesters zur zentralen Anlaufstelle bei technischen Problemen jeglicher Art. „Uns erreichten während des Semesters unzählige Anrufe und E-Mails, in denen wir um Hilfestellung und technischen Support gebeten wurden“, so Zühlke. Insgesamt erfordere Corona eine gewisse Kompromissbereitschaft, Abstriche müssten gemacht werden, auch was die Unmittelbarkeit der Lehre anbelangt, und Alternativen müssten gefunden werden. Dennoch erlebe Frank Zühlke großes Engagement von Seiten aller Hochschulangehörigen, denn oberstes Ziel aller sei natürlich, eine trotz der Umstände qualitativ hochwertige Lehre zu ermöglichen.

Daher entschied sich das Team des Dezernats 5, sich trotz des geplanten „Hybrid-Semesters“ auf den Ernstfall vorzubereiten: Sollte das hybride Semester komplett digital stattfinden müssen, ist das Team gewappnet. Mittlerweile treffen sie sich wieder an drei von fünf Tagen vor Ort an der Hochschule. Zühlke genießt es, seine Kollegen und Kolleginnen persönlich zu treffen, natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften, damit nicht das ganze Team ausfalle. Der Austausch mit anderen Hochschulangehörigen auf den Fluren fehle ihm jedoch schon, dieser müsse nun entsprechend der Vorgaben bedacht und mit Abstand bzw. überwiegend telefonisch oder per E-Mail stattfinden. 

Foto © Alina Holz

Was macht eigentlich…?
Karl-Robert Strecker
Leitung Modellbauwerkstatt

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Seit 2002 ist Karl-Robert Strecker Werkstattleiter der Modellbauwerkstatt an der Hochschule für Künste Bremen (HfK). Ursprünglich kommt der gelernte Tischler aus Verden, für sein Industriedesign-Studium zog er nach Wuppertal. Dort arbeitete Karl-Robert Strecker neben dem Studium in einer Tischlerei, die damals für eine bekannte Designergruppe aus Düsseldorf fertigte. Nach 10 Jahren in Wuppertal zog es ihn zurück in den Norden. Seine Erfahrung und sein präzises Arbeiten beim Holz- und Messebau hat er mitgenommen.

Von der Idee bis zur Umsetzung ist Präzision gefragt

Obwohl der Modellbau heutzutage größtenteils digital erfolgt, Modelle werden am Computer entworfen und anschließend mit dem 3D-Drucker gedruckt oder CNC-Gefräst, ist es notwendig, einen Teil der Arbeiten manuell auszuführen. Ebenso gibt es reichlich Projekte, die nur manuell herzustellen sind. In Karl-Robert Streckers Werkstatt geht es darum, die Entwürfe der Studierenden passgenau umzusetzen. Die Studierenden kommen mit ihren Projektideen in der Werkstatt vorbei. Konstruktion, Machbarkeit und Kosten werden gemeinsam besprochen. Das Material wird bestellt und Hilfestellung bei der Umsetzung der Projekte gegeben. „Das A und O ist genau zu wissen wie die Arbeit am Ende aussehen soll. Nur so kann jeder nötige Schritt vorab festgelegt und am Ende korrekt umgesetzt werden“, erläutert Strecker seine Arbeit.

Eines der besonderen Highlights in seiner Zeit an der Hochschule war die Zusammenarbeit mit Studierenden, deren Aufgabe es war, Entwürfe für Schlitten anzufertigen. Mit Streckers Unterstützung und unter Einsatz unterschiedlicher Materialien – von Alu über Kunststoff bis Holz – entstanden verschiedene Designs, die allesamt den Praxistest bestanden haben.

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Neues Mobiliar für die mensa academia

Aktuell wird die Modellbauwerkstatt wenig frequentiert. Neben den Corona-bedingten Einschränkungen tragen hierzu natürlich die Semesterferien bei. Durch die freien Kapazitäten ergibt sich ein weiteres spannendes Projekt: Zusammen mit seiner studentischen Hilfskraft Niko Hohlt baut Karl-Robert Strecker derzeit die Möbel für die mensa academia in der Dechanatstraße, die zu Beginn des Wintersemesters 20/21 nach einer umfangreichen Sanierung und mit neuem Konzept aus Gastronomie, Veranstaltung und Mensa gemeinsam mit Jan-Philip Iwersen, Betreiber der Küche 13, neu eröffnet. Gebaut werden Tische und ca.30 Meter lange Bänke, zudem werden 86 Stühle neu lackiert. Der Prototyp ist bereits in der Dechanatstraße zu sehen. „Der Look gefällt mir. Ich bin gespannt, wie es ankommt“, schmunzelt Karl-Robert Strecker und sägt an einem der letzten Meter Holz.

Fotos © Sabine Lewandowski