Boeun Kim ist im Masterstudiengang Digitale Medien eingeschrieben und nun zur 34. Kunstpreisträgerin der Stiftung der Johannis-Freimaurer-Loge „Zum silbernen Schlüssel“ erkoren worden. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis richtet sich an Absolvent:innen, Masterstudierende sowie Meisterschüler:innen des HfK-Fachbereichs Kunst und Design, ausgezeichnet werden künstlerische Arbeiten, die gesellschaftlich relevante, soziale oder humanitäre Fragestellungen reflektieren. Mit lobenden Erwähnungen bedacht wurden außerdem folgende Bewerber:innen: Yuliya Tsviatkova, Jana Kristin Thiel, Leon Butt und Jannes Schmidt.
Boeun Kim erhält die Auszeichnung für ihre performative Installation „Mourning Heat“, die zur Preisverleihung am 29. Januar 2026, 19 Uhr, im Bremer Logenhaus, Kurfürstenallee 15, zu erleben sein wird. „In diesem Projekt wird Wärme zu einer sensorischen Sprache, die sich über Körper und Erinnerungen hinweg bewegt und einen Raum schafft, in dem Erinnerungen durch eine gemeinsame physische und emotionale Resonanz aufeinandertreffen können“, so die Künstlerin. „Das Werk ist von stiller, eindringlicher Kraft und hat die Mitglieder der Jury auf sehr unterschiedliche Weise aber intensiv berührt. Die Arbeit spricht leise, aber nachhaltig und lädt zur kontemplativen Begegnung mit dem eigenen Empfinden ein", so die Jury.
Im Zentrum der Installation steht das „Trauergerät”, das thermoakustische Schwingungen erzeugt, die durch die Ausdehnung und Kontraktion von erhitzter Luft entstehen. Diese Schwingungen werden von den Darstellern geformt und gesteuert, während sie ihre eigenen individuellen „Töne der Trauer” suchen, die allmählich zu einer kollektiven Resonanz verschmelzen. Boeun Kim: „Während die Wärme durch Keramikrohre aufsteigt, verwandelt sich der Klang in eine gemeinschaftliche Geste des Abschieds, eine Verflechtung vieler unterschiedlicher Verlusterfahrungen innerhalb eines gemeinsamen Klang- und Wärmefeldes.“
„Mourning Heat“ reflektiert darüber, wie Trauer in der heutigen Gesellschaft zunehmend in den privaten Bereich verlagert oder komprimiert wird, wodurch unsere Möglichkeiten, die Verlusterfahrungen anderer gemeinsam anzuerkennen und uns gegenseitig zu unterstützen, eingeschränkt werden. Das Projekt reagiert auf diesen Umstand, indem es eine sinnliche und gemeinschaftliche Praxis der Trauer vorschlägt. Trotz unterschiedlicher Sprachen, Kulturen oder sozialer Hintergründe können Menschen, die einen Verlust erlebt haben, einander dennoch spüren – durch Wärme, Vibrationen und gemeinsame Präsenz. Die Installation erweitert diese Möglichkeit und lädt die Teilnehmer dazu ein, Trauer als soziale Praxis zu betreiben, sich wieder mit anderen zu verbinden und ein neues Gefühl der kollektiven Empathie zu entwickeln.
„Für mich“, so Boeun Kim, „ist künstlerisches Schaffen eine Praxis der Fürsorge, eine Art, sich um das Menschliche, das Nicht-Menschliche und die zerbrechlichen Beziehungen, die sie verbinden, zu kümmern. Mit ,Mourning Heat‘ möchte ich untersuchen, wie wir uns um die unsichtbaren Spuren kümmern können, die andere hinterlassen, und wie Trauer nicht nur als Akzeptanz der Abwesenheit, sondern als Akt der Aufrechterhaltung von Verbindung und Relationalität neu gedacht werden kann. Die Arbeit versucht, individuelle emotionale Erfahrungen in eine gemeinsame soziale Sensibilität zu verwandeln und Möglichkeiten für neue Formen der Verbindung zwischen verschiedenen Menschen zu schaffen. Ich hoffe, dass ,Mourning Heat‘ als kleine soziale Plattform dienen kann – als Raum, in dem Resonanz, Wärme und Solidarität neu spürbar werden.“
