Das Dazwischen verorten
Künstlerische Interventionen entlang des linken WeserufersFür die einen ist es der tägliche Weg zur Arbeit oder zur Entspannung an den Werdersee; für Brauereien und Fabriken seit Jahrhunderten Ort der Produktion, Anlieferung und Verschiffung von Waren; für die Platanen und Vögel umkämpfter Lebensraum – der Stadtraum entlang des linken Weserufers ist geprägt von vielen, unterschiedlichen Präsenzen. Aktuell befindet sich das Ufer in einer Phase des Übergangs. Aufgrund steigender Wasserspiegel und neuer Anforderungen an den Hochwasserschutz wird sich die Strecke zwischen Piepe und Stephanibrücke in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Auch die 136 imposanten und klimaschützenden Platanen stehen zur Disposition, ob sie im Zuge dieser Baumaßnahmen vollständig gefällt werden oder ob Alternativen zum Erhalt möglich sind, ist Gegenstand anhaltender politischer Debatten und Petitionen.
Bevor 2028 die Umbauten beginnen werden, will die GAK „[Das Dazwischen verorten]“ und lädt vom 11. bis 13. September 2026 zu einer künstlerischen Ortsbegehung zwischen Stephanibrücke und Wilhelm-Kaisen-Brücke ein. Sieben Künstler:innen, darunter vier HfK-Absolvent:innen, kommentieren und markieren den Ort mit temporären Skulpturen, Malereien, Fotografien und Soundarbeiten. Sie richten den Blick auf das, was schon (und noch) da ist, verhandeln den Zustand des Überganges selbst oder imaginieren Zukunftsszenarien. Während einige der Werke das ganze Wochenende über zu sehen sind, tauchen andere nur kurzzeitig auf, in Form von Spaziergängen, Performances und Aktivierungen. Die aktuellen Termine stehen hier.
Die beteiligten HfK-Absolvent:innen sind:
Eghbal Joudi. Er schloss 2026 sein Studium als Meisterschüler bei Natascha Sadr Haghighian ab. Für „[Das Dazwischen verorten]“ setzt er sich in seiner malerischen Praxis mit der Zeitlichkeit, dem Verschwinden und Überlagern von (medialen) Bildern auseinander. Auf den Steinen des Weserufers bearbeitet das Wasser seine Malerei. Je nach Tidenstand zeigen sich andere Bildausschnitte, wieder andere waschen sich aus, während andere Details erhalten bleiben.
In einer Soundarbeit sowie Fotografien verschränkt Angela Lieber (schloss 2023 ihr Studium als Meisterschülerin bei Prof. Ingo Vetter ab) die Transformation des Ortes mit körperlichen Veränderungsprozessen. Lieber arbeitet regelmäßig unter anderem mit Text, Sound und Performance, um sich affektiven Zuständen wie Erinnerung, Sehnsucht und Verlangen anzunähern.
Bubu Mosiashvili schloss 2026 sein Studium als Meisterschüler bei Natascha Sadr Haghighian ab. Seine Skulpturen für „[Das Dazwischen verorten]“ erinnern an Informationstafeln in Botanischen Gärten. Sie nehmen Bezug auf die Riesenbärenklauen, die sich entlang des Ufers angesiedelt haben. In Deutschland zählen diese zu den invasiven Pflanzenarten. Mosiashvili fragt nach ihrer Geschichte als kolonialbotanische Zierpflanze sowie Gegenwart als kriminalisierte Neophyte – in einer Umgebung, die geprägt ist von kolonialer Geschichte.
Julija Paškevičiūtė schloss 2020 ihr Studium als Meisterschülerin bei Natascha Sadr Haghighian ab. Sie schafft landschaftsähnliche Installationen, die temporäre Gemeinschaft und gegenseitige Wertschätzung für „[Das Dazwischen verorten]“ thematisieren. In der unmittelbaren Nachbarschaft der ansässigen Brauereien formt sie kleine Objekte aus Biertreber, einem Nebenprodukt der Bierproduktion, und lädt in zwei Aktivierungen dazu ein, materielle Transformation und Nachhaltigkeit gemeinsam zu reflektieren.
Während die tatsächlichen Bau- und Gestaltungsvorhaben der Stadtstrecke funktionale Anforderungen und Sachzwänge einhalten müssen, denkt „[Das Dazwischen verorten]“ im Entwurfsstadium: in modellhaften Formaten und der temporären Präsenz von Objekten, Körpern und Bildern. Im Entwurf lässt sich über Möglichkeiten, die tatsächlich umsetzbar sind, hinausdenken, um den Blick in den öffentlichen Raum hinein zu schärfen und daran anknüpfend über Möglichkeiten nachzudenken, sich diesen als Bewohner:innenschaft (wieder-)anzueignen.
Programm
Freitag, 11.9.
19:00 Eröffnung
19:15 Spaziergang mit Felisha Carénage
Samstag, 12.9.
14:00 Sich kümmern um … mit Julija Paškevičiūtė
15:00 Performance von Zhenru Liang
Sonntag, 13.9.
13:00 Sich kümmern um … mit Julija Paškevičiūtė
14:00 Performance von Zhenru Liang
17:00 Gemeinsamer Spaziergang
Kuratiert von Maxie Kiwitter (GAK Bremen)