Vom 13. Juni bis zum 13. September 2026 präsentiert das Paula Modersohn-Becker Museum (PMBM) neue Malereien von Wiebke Mertens. Die 28-jährige Preisträgerin des Paula Modersohn-Becker Nachwuchspreises 2024 gewann im gleichen Jahr als HfK-Meisterschülerin auch den Karin Hollweg Preis, der eine Einzelausstellung in einem der Bremer Museen einschließt. „Wiebke Mertens – Main Character“ ist räumlich und inhaltlich eingebunden in die Retrospektive „Becoming Paula“ zum 150. Geburtstag Paula Modersohn-Beckers, die ebenfalls bis zum 13. September läuft.
Wiebke Mertens wurde 2024 für ihre Arbeit „Slim Fit“ mit dem Karin Hollweg Preis ausgezeichnet. In dieser mehrteiligen Arbeit zeigte sie Körperausschnitte, die mit Öl auf Papier gemalt und in einer installativen Hängung präsentiert wurden, sodass sich Bezüge und Gegenüberstellungen zwischen den Körperteilen ergaben. Die ausschnitthaft dargestellten Personen befinden sich somit im Austausch, sind aber zugleich in ihren auf sie zugeschnittenen Bildformaten fragmentiert und vereinzelt. Die Malereien spielen mit dem In-Beziehung-Stehen und der Möglichkeit zur Kommunikation der abgebildeten Körper untereinander.
Die aktuelle Einzelausstellung „Main Character“ im PMBM verdeutlicht die künstlerische Entwicklung von Wiebke Mertens seit 2024: Die Künstlerin vertieft und erweitert den Ansatz der Serie „Slim Fit“, indem sie Begegnungen und Beziehungen ins Bild rückt und Gesten der Selbstdarstellung, Annäherung oder Abgrenzung speziell im Kontext von Freundschaften zwischen Frauen untersucht. Dabei sucht sie nach Möglichkeiten, die Verkörperung von Nähe, Unterstützung und Fürsorge darzustellen, ohne Ungleichheiten und die damit verbundenen Konkurrenz- und Machtdynamiken, die auch Teil von Freundschaften sein können, außer Acht zu lassen. Sie thematisiert den Selbstinszenierungsdrang – den Wunsch die eigene Geschichte selbst zu erzählen – und das gleichzeitige Bedürfnis nach aufrichtiger Nähe. Wie entstehen Intimität und Zusammenhalt? Wie äußert sich Distanz im Hinblick auf sich selbst und andere? Mit ihrem eindrücklichen Blick auf Körper und deren Inszenierung beleuchtet die Künstlerin die unterschiedlichen Ebenen der Verbundenheit.
Besonders auffallend sind dabei die Präsenz der Farben, die die Malerin durch ihre Technik erzielt, in Öl auf Papier zu malen, sowie die teils ungewöhnlichen Formate, die Körperteile übersteigern und Bewegungsabläufe betonen. Damit schab die Künstlerin einen hybriden Bildtypus, der die Schwere des gemalten Bildnisses bricht, andererseits durch seine präzise Technik beeindruckt.
Die Präsentation umfasst zwölf neue Werke, die im 3. Obergeschoss des Museums – dem sogenannten „Paula Modersohn-Becker Saal“ – gezeigt werden. Bezüge der Arbeiten zu den Werken Paula Modersohn-Beckers finden sich in der radikalen Selbstbefragung und kompromisslosen Menschendarstellung ebenso wie in der formalen Konzentration und Zuspitzung der Bildinhalte und -formate auf das Wesentliche. Im Gespräch mit der Ausstellungskuratorin Henrike Hans beschrieb Wiebke Mertens ihr persönliches Verhältnis zu Paula Modersohn-Becker wie folgt: „Ich bin Fan! Besonders das Porträt, das Paula Modersohn-Becker von Clara Rilke-Westhoff gemalt hat, hat mich im Studium beeinflusst, sicherlich auch wegen der Freundinnenschaft zwischen den beiden.“
Aktuell sind Werke von ihr auch in der Worpsweder Gemeinschaftsausstellung „Impuls Paula“ zu sehen, die bis zum 1. November 2026 in den Worpsweder Museen gezeigt wird.
