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Montag | 12. Oktober 2009

HfK-Studierende überzeugen Faserexperten und Innovationsmanager mit stabilen Leichtgewichten

Kompetenzen nutzen und Verwertung steigern.

„Ultra Light – Super Strong“: Erfolgreiche Zusammenarbeit von HfK, Universität Bremen, Faserinstitut und InnoWi / Kompetenzen nutzen und Verwertung steigern.

Faserverbundwerkstoffe bestehen aus mehreren miteinander verbundenen Materialien wie unter anderem Fasern. Sie sind sehr leicht und stabil, und aus ihnen lassen sich viele nützliche, schöne Dinge herstellen. Das haben elf Studierende des Studiengangs „Integriertes Design“ der Hochschule für Künste – Bremen (HfK) unter der Leitung von Professor Andreas Kramer nun bewiesen. Während der Lehrveranstaltungen „Ultra Light – Super Strong“ haben sie aus Faserverbundwerkstoffen Beeindruckendes geschaffen: vom Damenschuh bis zum Fahrrad oder zur Bierzeltgarnitur, von Reisekoffer und Haltestelle bis hin zum Rollstuhl. Einige ihrer Ideen haben jetzt reelle Chancen, mit Hilfe der InnoWi GmbH ihren Weg auf den Markt zu finden.

Es war eine ungewöhnliche Lehrveranstaltung, und möglich wurde sie durch die Zusammenarbeit der Universität Bremen, des Faserinstitutes Bremen e. V. (FIBRE) an der Universität Bremen, der HfK sowie der InnoWi. Das ist die Dienstleistungsagentur für Entwickler und Designer wissenschaftlicher Einrichtungen des nordwestdeutschen Raumes. Die Mittel für das Projekt kamen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Im Rahmen der Maßnahme „Schutz von Ideen für die gewerbliche Nutzung“ (SIGNO) unterstützt es Hochschulen, Unternehmen und freie Erfinder bei der rechtlichen Sicherung und wirtschaftlichen Verwertung innovativer Ideen.

 

Mit ihrem Antrag „Fortführung der Verwertungsoffensive – Strategieförderung – Kompetenzen nutzen, Verwertung steigern“ hatte die Uni-Transferstelle die BMWi-Mittel eingeworben. Koordiniert werden die einzelnen Vorhaben im Land Bremen von der Projektleiterin Dr. Lieselotte Riegger und der InnoWi GmbH. Einer der ersten Aufträge ging an die HfK und ihr Lehrprojekt „Ultra Light – Super Strong“. Offensichtlich eine gute Entscheidung, denn die Studierenden warteten nun bei der Abschlusspräsentation mit überraschenden Ergebnissen auf. In den vergangenen Monaten hatten sich die angehenden Diplom-Designer mit Werkstoffen und Verfahrenstechniken beschäftigt und gemeinsam mit den Faser-Spezialisten vom FIBRE Produktkonzepte und neue Anwendungen für Faserverbundwerkstoffe entwickelt.

„Wir waren wirklich sehr überrascht von den Ideen der Studierenden“, sagt Dipl.-Ing. Holger Purol, Leiter Faserverbund am FIBRE. „Die Qualität der Ausarbeitungen, die intensive Auseinandersetzung mit dem Material und den Verfahrenstechniken und die Ergebnisse haben uns erstaunt. Täglich beschäftigen wir uns mit diesem Werkstoff und denken dabei auch über Anwendungen und neue Produkte nach, aber solche Ideen haben wir noch nicht gehabt“, sagt Purol. In dieser Form habe man auch noch nicht mit der HfK und mit Designern zusammen gearbeitet, erklärt er, und dass das FIBRE „jetzt auf jeden Fall eine Kooperation mit der HfK anstrebt“. Erste Gespräche dazu mit Kramer, Leiter des Lehrgebietes „Computerunterstütztes Entwerfen“ im Studiengang „Integriertes Design“, gab es schon unmittelbar nach der Präsentation. Die Erkenntnisse aus diesen Erfahrungen würden sicher künftig auch in die Ingenieurausbildung am Uni-Fachbereich Produktionstechnik einfließen, wo das FIBRE angesiedelt ist.

„Ziel voll erreicht!“, heißt es auch bei der InnoWi. „Wir wollen das kreative Potenzial nutzen, Erfindungen entdecken, gute Ideen für neue Produkte fördern und ihnen zum Weg auf den Markt verhelfen“, sagt InnoWi-Geschäftsführer Dr. Jens Hoheisel. Schon mit dem ersten SIGNO-Projekt sei eine Punktlandung gelungen. Um mindestens drei der zehn vorgestellten Objekte werde sich die InnoWi nun sicher intensiver kümmern und strebt den Schutz von Design- und Gebrauchsmustern an.

Um die Weiterentwicklung der präsentierten Ideen zu ermöglichen wurden aus dem SIGNO-Topf für das Projekt „Ultra Light – Super Strong“ auch weitere zur Verfügung gestellt. Damit sollen die Studierenden die Möglichkeit erhalten, die Arbeiten an ihren Produkten auch über die Lehrveranstaltung hinaus fortzusetzen und zum Beispiel Material zu kaufen. Eigentlich sollten diese Mittel auf drei Projekte verteilt werden, doch die Jury – bestehend aus HfK, FIBRE und InnoWi, auch die Studierenden hatten eine Stimme – tat sich schwer. Es waren einfach zu viele hoffnungsvolle Ideen. So gab es am Ende einen ersten, zwei zweite und einen dritten Platz. Unangefochten an erster Stelle stand der Rollstuhl von Simon Michel. Die beiden zweiten Plätze  gingen an die Outdoor-Möbel von Andrea Dizler und das Tragesystem von Marta Szczelkun und David Grünwald. Rang drei belegte der Damenschuh von Nadine Mühlbach.

Da es ja hier auch um den Schutz der Ideen und deren ökonomischer Verwertung gehe, dürfe an dieser Stelle noch nicht zu viel über die Objekte und ihre Besonderheiten verraten werden, sagt  Riegger schmunzelnd und bremst die Beteiligen bei den Darstellungen der Details ein wenig. „Es wäre doch schade, wenn wir dadurch nun Chancen verwirken“, pflichtet Prof. Andreas Kramer ihr bei, kann aber den Enthusiasmus seiner Studierenden bestens verstehen. Sie hätten sich in dieser Lehrveranstaltung monatelang weit über das übliche Maß hinaus engagiert und freuten sich jetzt über den Erfolg und die Anerkennung ihrer Arbeit. Auch für ihn sei dieses Projekt ein besonderes gewesen, sagt Kramer. Integriertes Design sei mehr als „schön machen“, sondern es erfordere auch die intensive Auseinandersetzung mit sehr vielfältigen Themen und Disziplinen.

„Die Studierenden haben sich mit Materialien und Produktionsmethoden beschäftigt, mit Funktionalität, Ergonomie und gesetzlichen Bestimmungen, auch mit Physik und den Problemen der Ingenieure sowie der Beschaffenheit und den Preisen der am Markt verfügbaren Komponenten für ihre Produkte“, sagt Kramer. Vom Federsystem für das Fahrrad und dem Silikonkissen zur Auspolsterung des Damenschuhs bis hin zur Kostenrechnung – Produktdesigner müssten bei ihrer Arbeit sehr viele Aspekte berücksichtigen, wenn sie erfolgreich sein wollten. An einer weiteren Zusammenarbeit mit der InnoWi, der Uni und dem FIBRE sehe er daher einen Gewinn für die HfK und ihre Studierenden. Kramer setzt auf eine ganzheitliche Ausbildung. „Und dafür braucht es auch derartige Kooperationen“, sagt er. (Sabine Nollmann)

Weitere Informationen und Ansprechpartner:

www.hfk-bremen.de.de
www.innowi.de 
www.unitransfer.uni-bremen.de 
www.faserinstitut.de

Prof. Andreas Kramer (Hochschule für Künste Bremen)
Telefon: 0421 95 95-12 36, E-Mail: a.kramer@hfk-bremen.de

Dr. Lieselotte Riegger (Universität Bremen, UniTransfer und Geschäftsführerin InnoWi GmbH)
Telefon: 0421 96 00-711, E-Mail: lieselotte.riegger@innowi.de

Dipl.-Ing. Holger Purol (Leiter Faserverbund, Faserinstitut)
Telefon: 0421 218-93 30, E-Mail: purol@faserinstitut.de