Review
Donnerstag | 25. Juni 2026

Natürliche Werkstoffe und traditionelle Techniken als Impulsgeber für Gestaltung

Forschungs- und Designprojekt „Farm to Form to Fair“ bei der Milan Design Week 2026
„Farm to Form to Fair“-Präsentation auf der Milan Design Week 2026. © Piergiorgio Sorgetti

Mit dem Forschungs- und Designprojekt „Farm to Form to Fair“ präsentierten Studierende von Alexander Sahoo, Professor für Grundlagen der Gestaltung, und Ursula Zillig, Professorin für Mode-Design, ihre Arbeiten auf der Milan Design Week 2026. Gezeigt wurden die Ergebnisse bei Alcova, einer der profiliertesten Plattformen der Design Week. In diesem Jahr bespielte Alcova das Gelände des ehemaligen Militärhospitals Baggio im Mailandär Stadtteil Primaticcio und schuf dort einen außergewöhnlichen Rahmen für aktuelle Designpositionen.

Im Mittelpunkt des Projekts stand die Frage, wie sich aus natürlichen Materialien und handwerklicher Praxis zeitgemäße Gestaltung entwickeln lässt. Über ein Jahr hinweg ernteten, erforschten und verarbeiteten die Studierenden Werkstoffe wie Weiden, Seggen, Binsen, Rohrglanzgras, Wasserlilie, Baumrindenstreifen, Maisblätter oder Lindenbast. In Workshops mit erfahrenen Flechtgestalter:innen, Handwerker:innen und Designer:innen erlernten sie traditionelle Techniken wie Flechten, Weben, Wickeln und Zwirnen. Wuchs, Struktur, Textur und weitere Materialeigenschaften wurden neben dem Handwerk zu zentralen Parametern des Entwurfsprozesses. Die entstandenen Arbeiten reichen von körperbezogenen Accessoires bis hin zu Möbeln und Interior-Objekten. Sie zeigen, wie natürliche Werkstoffe und traditionelle Techniken zu aktiven Impulsgebern für Gestaltung werden können.

Die Studierenden ziehen ein positives Fazit. Emily Kullik (Bachelorstudentin Integriertes Design): „Unsere Objekte während der Design Week in Mailand ausstellen zu können, war eine riesengroße Chance für uns, Feedback von einem internationalen Publikum zu erhalten. Die Entwürfe außerhalb des gewohnten Hochschulkontexts zu diskutieren und zu präsentieren, eröffnete neue Perspektiven. Dabei war der Austausch mit designinteressierten Menschen, die die Weidenobjekte nicht bereits seit längerer Zeit kannten, besonders belebend und motivierend. Mein Lieblingssatz der Besucher:innen war: ,Your room is so refreshing.‘ Ich glaube, dass wir mit unserem Ausstellungskonzept genau den richtigen Nerv getroffen haben. Die Naturmaterialien ließen den Raum frisch riechen, und zusammen mit den offenen Fenstern und dem schönen Sonnenlicht entstand direkt beim Betreten eine besondere Atmosphäre. Auch die Präsentation der Objekte spielte dabei eine wichtige Rolle: Durch die Hängung an der Wand wurden die Besucher:innen eingeladen, in den Raum einzutreten und die Arbeiten aus nächster Nähe zu betrachten. Gleichzeitig fügte sich unsere Ausstellung wunderbar in das Alcova-Gelände ein. Das alles im Kontext der Design Week erleben zu dürfen, war ein unglaubliches Gefühl, das nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.“

„Die Ausstellung im hochschulexternen Kontext hat uns wertvolle Einblicke in die Designbranche und deren professionelle Arbeitsweisen ermöglicht. Besonders prägend waren der internationale Austausch sowie die Erfahrung, eigene Projekte in einem relevanten Ausstellungsumfeld zu präsentieren und zu vermitteln. Wir konnten unsere Kenntnisse in den Bereichen Kuratieren, Projektkoordination und Zusammenarbeit vertiefen und zugleich Bestätigung für unsere gestalterische Arbeit gewinnen. Diese Erfahrung hat unser Selbstverständnis als Studierende des Integrierten Designs nachhaltig beeinflusst“, so Clara Schuster und Elektra Schnee.

Aussteller:innen: Bianca Belck, Aditi Chauhan, Felix Depping, Emilia Drückler, Sophia Gommeringer, Delaina Hasca, Annika Hollmichel, Sascha Iwana Heller, Enna John, Eunhye Kim, Hyobin Kim, Mika Kross, Emily Kullik, Lena Ludwig, Leonie Noss, Marlene Ostertag, Ite Plaar, Marana Potzkai, Marco Roßnagel, Elektra Schnee, Clara Schuster, Tamar Shalom Shachar, Alia Tasler und Elena Weritz.

Die Expert:innenworkshops leiteten Hanswerner Kirschmann, Claudia Reuter, Evey Kwong, Gundel Liebmann, Juliane Petri, Dr. Charlett Wenig, Prof. Kai Lehmann, Brigitte Stadler sowie Maria Thamm und das Freiwilligenteam des Strohmuseums Twistringen.