Review
Montag | 13. Juli 2026

Neudefinition von Gemeinsamkeiten

Großer Erfolg für das interdisziplinäre Opernprojekt
Thérèse (Madoka Sakai) befreit sich in „Les mamelles de Tirésias“ von ihren Brüsten, weil sie genug hat vom ständigen Blick durch die Brille männlicher Erwartungen. © Lars Rosenkranz

Einen außergewöhnlichen Erfolg feierte das interdisziplinäre Opernprojekt der Hochschule für Künste (HfK) Bremen. Nach einer Planungszeit von anderthalb Jahren gelang vom 9. bis 12. Juli 2026 in Halle1 des Speichers XI A das einzigartige Experiment, einen zweiteiligen Opernabend mit dem Barock- und den klassischen Sinfonieorchester der Hochschule zu gestalten. 

Vor der Pause präsentierte die Alte-Musik-Abteilung unter der Leitung von Prof. Detlef Bratschke das Opern-Pasticcio „Seven“ nach einer Idee des südafrikanischen Opernregisseurs Kobie van Rensburg. Er hat Stücke des reichen Repertoires von Henry Purcell (1659-1695) ausgewählt und mit Werken anderer Barockkomponisten ergänzt. Die Klassische Abteilung der HfK Bremen brachte nach der Pause mit dem großen Hochschulorchester unter der Leitung von An-Hoon Song die Opéra-bouffe „Les mamelles de Tirésias“ (1947) von Francis Poulenc auf die Bühne. 

150 Studierende waren an der Produktion beteiligt, neben den Musiker:innen und Sänger:innen auch die Klasse Figurative Malerei von Prof. Heike Kati Barath für die Ausgestaltung von Heike Neugebauers Bühnenbild sowie die farbige Kostümgestaltung. Erik Wälz aus dem Studiengang Digitale Medien steuerte die Videoprojektionen bei. Außerdem im künstlerischen Team: Kostümdesignerin Emilia Sting, HfK-Alumna des Studiengangs Integriertes Design, Sprachcoach Erwan Tacher, HfK-Lehrender für Singen in Französisch, und Suwon Kim, HfK-Korrepetitor. Die Tanzsequenzen wurden erarbeitet mit den Choreografinnen Sabrina Stein und Carla Linné, lehrt an der HfK Bremen Historischen Tanz. Wie gutes Licht den künstlerischen Gesamteindruck unterstützen kann, hat Charlene Brass vom Theater Osnabrück bewiesen.

 Das Interesse an der Produktion war groß, die Premiere gleich ausverkauft. Von den insgesamt angeboten 600 Tickets für die vier Aufführungen gingen 550 weg, das entspricht einer Auslastung von 92 Prozent.

Einen guten Einblick in das Opernprojekt gibt ein Bericht von „buten un binnen“ (8. Juli 2026), der hier zu sehen ist (ab Minute 18:14).

Regie bei beiden Opern führte Ansgar Weigner, HfK-Professor für Szenische Gestaltung. Er resümiert die Probenzeit so: „Zuallererst hat es mich mit großem Stolz erfüllt, dass wir 150 Studierende des Fachbereichs Musik in Kombination mit dem Fachbereich Kunst und Design zusammenbringen konnten, die gemeinsam dieses Projekt zu dem ihrigen gemacht haben und die im Zusammenspiel so unglaublich viel voneinander lernen konnten. Ich bin meinen Kolleg:innen aus Kunst und Design für die so unproblematische, konstruktive, unbelastete und immer im Sinne ihrer Studierenden denkenden Arbeitseinstellung äußerst dankbar und neu verbunden. Die Kommunikation zwischen der Alten Musik und der Klassischen Abteilung war stets eine große Freude, so voll an Wertschätzung und so wichtig für die Neudefinition von Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen musikalischen Richtungen.“ 

Laut Weigner habe das Opernprojekt „mit seiner so positiven Resonanz seitens des Publikums und der umliegenden Theater gezeigt, wie wichtig das Fach Gesang an unserer Hochschule ist und wie synergetisch und repräsentativ eine Opern-Produktion für unsere Hochschule sein kann.“ Wie bedeutsam die Verbindung von Körper und Stimme sei, hätten die Tanzchoreographien bewiesen. „Eine Erfahrung, die sicher denjenigen sehr helfen wird, die nach dem Studium die Möglichkeit haben, ihren beruflichen Weg weiter zur Bühne zu entwickeln. Aber am allermeisten ist es die Leistung unserer Studierender, egal ob auf oder vor der Bühne, die mich beeindruckt hat und die sichtlich Freude an den Stücken entwickelten. Man konnte so große Fortschritte bei jeder, bei jedem einzelnen feststellen und genau das ist es, was das Ziel der Lehre und die größte Freude der Lehrenden ist.“