“Über den militärischen Raum“
H. A. Bockmeyer-Reisestipendium 2009 für den ehemaligen HfK-Studenten Wolfgang EschenhagenH. A. Bockmeyer-Reisestipendium 2009 für den ehemaligen HfK-Studenten Wolfgang Eschenhagen / Ausstellung der Preisträgerin 2008 Joanna Kosowska in der HfK-Galerie
Das mit 3000 Euro dotierte Heinz Arnold Bockmeyer-Reisestipendium der Hochschule für Künste geht in diesem Jahr an den Diplom-Grafik-Designer und Fotografen Wolfgang Eschenhagen. Die Auszeichnung wurde im Rahmen der HfK-Hochschultage 2009 von HfK-Rektor Professor Manfred Cordes sowie dem 96 - jährigen Stifter und Ehrensenator der HfK Heinz Arnold Bockmeyer persönlich an den Preisträger verliehen. Das Preisgeld ist zweckgebunden und soll dem Künstler die mit der Realisierung des prämierten Konzepts verbundene Reise finanziell ermöglichen.
Die Jury unter Vorsitz von Dr. Dorothee Hansen (Kunsthalle Bremen) zeigte sich beeindruckt von Wolfgang Eschenhagens Buchprojekt „Design im historischen Kontext“, in dem er 2008 die Bildsprache und Gestaltung der Maya-Kultur untersucht hat. In dem vielschichtig angelegten Projekt stellt er u.a. die Frage nach der Funktion von Design im historischen Kontext sowie nach den fließenden Grenzen zwischen Kunst und Design und gibt ausgewählte Informationen zur Maya- Epoche.
Dieses Projekt zur spätklassischen Mayakultur möchte Wolfgang Eschenhagen im Rahmen des Bockmeyer-Reisestipendiums fortsetzen und vertiefen. Ziel ist es, die Hochkultur von San Agustin in Kolumbien anhand zweier Ausgrabungsstätten in San Agustin und Tierradentro zu untersuchen.
Anders als die Archäologen, die in erster Linie historisches Material und den Fundkontext zur Interpretation der Artefakte heranziehen, wird sich Eschenhagen vor allem visuell dem Material nähern. Gerade an diesen Fundorten, die durch Grabräuber stark zerstört worden sind und über die gesicherte historische Fakten fehlen, scheint diese Form der Annäherung heute als eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten. Aus der Perspektive des Graphik-Designers geht es ihm dabei nicht nur um archäologische Erkenntnis, sondern um grundsätzliche Fragen zur Funktion von Gestaltung über die Jahrhunderte hinweg und zur Kontextualität der visuellen Kommunikation.
Erfolgreich von ihrer Reise zurückgekehrt ist inzwischen die Preisträgerin des Jahres 2008 Joanna Kosowska. Mit dem gewonnenen Bockmeyer-Reisestipendium konnte sie die mehrwöchigen Recherchen für ihr künstlerisches Projekt „Über den militärischen Raum II“ finanzieren.
Kosowska war in ganz Europa unterwegs, um strategisch bedeutende Orte des 2.Weltkriegs zu besuchen und den heutigen Zustand fotografisch darzustellen. Ihr Hauptinteresse richtete sich dabei auf Orte und Regionen, an denen die großen Schlachten des Weltkrieges tobten. Der Bogen ihrer Spurensuche spannte sich deshalb vom Ladogasee vor Leningrad bis nach Kreta.
In ihrer Diplomarbeit an der Hochschule für Künste hatte Joanna Kosowska eine Fotoserie über Bunkerruinen realisiert und damit das Bockmeyer-Reisestipendium gewonnen. Angetan war die Jury vor allem von der Qualität dieser Arbeiten: „Durch ihre Gestaltungshöhe gehen sie weit über nüchterne Dokumentarfotografie hinaus. Sie zitieren historische Kompositionen von der romantischen Landschaftsmalerei bis zu Architekturphantasien Piranesis“, hieß es in der Begründung der Jury.
Die Ergebnisse des Reisestipendiums sind vom 20. bis 27. Februar 2009 zu sehen in der Galerie der Hochschule für Künste, Dechanatstr. 13-15
Eröffnung: Donnerstag, 19. Februar, 20.00 Uhr
Öffnungszeiten: Mo. - Do. , 17.00 – 20.00 Uhr, Sa., 14.00 – 20.00 Uhr, So., 11.00 – 16.00 Uhr
Seit 1990 ermöglich Heinz Arnold Bockmeyer durch das von ihm gestiftete Stipendium alljährlich einem Studierenden oder Absolventen der HfK eine Reise zur Realisierung eines künstlerischen Projektes. „Ich will etwas Gutes tun, weil ich selbst Gutes erfahren habe,“ erklärt der Bremer Bauunternehmer, der seinerzeit selbst sein Architekturstudium an der heutigen Hochschule für Künste absolviert hat, sein Engagement mit hanseatischem Understatement. Rektor Manfred Cordes: „Die HfK ist Heinz Arnold Bockmeyer zu großem Dank verpflichtet. In einer Zeit, in der klassische Mäzene und selbstlose Gönner der Kunst leider seltener werden, ermöglicht er unseren Studierenden künstlerische Projekte, die ohne sein Engagement oftmals nur Pläne und Träume bleiben müssten.“