Auszeichnung
Freitag | 28. August 2026

Visuelle Recherche über Erinnerung, Arbeit und den Wert der Zeit

Der 29. Bremer Videokunst Förderpreis geht an HfK-Alumnus Patrick Peljhan
Patrick Peljhan in seiner installativen Videoarbeit "Quartz". © Selina Verbarg

HfK-Alumnus Patrick Peljhan gewinnt mit seiner installativen Videoarbeit „Quartz“  den 29. Videokunst Förderpreis des Filmbüros Bremen – zusammen mit Johanna Strobel (Regensburg)deren Arbeit „Chasing Dawn, Dusk Passed“ aus einem Video, sich transformierenden Skulpturen und einer Publikation besteht. Das Preisgeld von 10.000 teilen sich die Gewinner:innen. Die ausgezeichneten Arbeiten sind bis 19. September 2026 in der Ausstellung „Borrowed Time“ in der Galerie Mitte, Beim Paulskloster 12, zu sehen. Geöffnet donnerstags bis sonntags, jeweils 15 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

„Quartz“ ist ein Kurzfilm aus dem Jahr 2026, der sich zwischen dokumentarischer Erzählung und persönlicher Spurensuche bewegt. Ausgangspunkt ist die Uhrensammlung der Großmutter von Patrick Peljhan, die in den 1970er-Jahren als jugoslawische Gastarbeiterin in der deutschen Uhrenindustrie in Pforzheim arbeitete. Der Film und die begleitende Installation verbinden persönliche Geschichte mit einem Stück deutscher Industrie- und Migrationsgeschichte. Eingebettet ist die Erzählung in den Wandel der Zeitmessung – von mechanischen Uhren hin zur Quarztechnologie – und dessen soziale wie wirtschaftliche Folgen. Die Uhr erscheint dabei als Messinstrument, als Arbeitskraft und als Ressource. Neben dem Kurzfilm werden originale Objekte wie Uhren, Fotografien und Werkzeuge gezeigt – stille Zeugnisse eines globalen Umbruchs. 

Jurybegründung des 29. Videokunst Förderpreises Bremen: „Mit ,Quartz‘ entwickelt Patrick Peljhan ein persönliches, sensibles und zugleich gesellschaftlich relevantes Projekt, das die Geschichte seiner Großmutter als jugoslawische Gastarbeiterin in der deutschen Uhrenindustrie mit den globalen ökonomischen Umbrüchen der 70er-/80er-Jahre verknüpft. Der geplante Kurzfilm sowie die begleitende Installation schlagen eine Brücke zwischen individueller Erinnerung, materiellen Zeugnissen – in Form einer Uhrensammlung – und den Strukturen von Migration und Globalisierung. Die Uhr wird zum Symbol für Zeit im doppelten Sinn: als Maßstab industrieller Produktion und als Metapher für gelebte Biografie. Peljhan verbindet dokumentarische Recherche, persönliche Erzählung, Voice-over und filmisches Tagebuch zu einer offenen, assoziativen Form, die sich am Werk von Chris Marker oder Jonas Mekas orientiert. Dadurch entsteht ein vielschichtiger Blick auf ein Stück deutscher Zeitgeschichte, das aus migrantischer Perspektive erzählt wird und zugleich Fragen nach Erinnerung, Vergänglichkeit und Wert neu stellt. Die Jury würdigt die poetische Verdichtung historischer Prozesse in einer persönlichen Familiengeschichte. ,Quartz‘ ist ein künstlerisch wie inhaltlich starkes Projekt, das den Blick für die Komplexität von Migration, Arbeit und Erinnerung in eindringlicher Weise öffnet.“

Für den 29. Videokunstförderpreis gingen 158 gültige Einreichungen ein, die von der Jury online sowie bei einer zweitägigen Sitzung im Filmbüro Bremen bewertet und besprochen wurden. Die Jury  bestand aus: Matina Lohmüller (Kulturreferentin, Kunstsachverständige und Freie Kuratorin, Bremen), Jula Schürmann (Geschäftsführung Kunsthaus KUBO, Bremen) und Patrik Thomas (Künstler, The Random Collective, Preisträger 25. Videokunst-Förderpreis, München).

Patrick Peljhan (geb. 1991 in Pforzheim) hat an der HfK Bremen Freie Kunst studiert und absolvierte 2021 sein Meisterschülerjahr bei Prof. Natascha Sadr Haghighian. 2023 erhielt er den 46. Bremer Förderpreis Bildende Künste. 2024 war er Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg. Seit Dezember 2025 ist er Stipendiat der Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode.