Auszeichnung
Dienstag | 16. Juni 2026

„Von ungewöhnlicher Reife und Resonanz“

Die Digital Media Graduation Awards 2026 wurden verliehen
Bei der Verleihung der Digital Media Graduation Awards 2026 ging der 1. Preis an Julia Vollmer. © Jimmy Liu

An vier HfK-Absolvent:innen, die ihre Abschlussprojekte beim 1. Digital Media Graduation Festival an der Hochschule für Künste (HfK) Bremen präsentiert hatten, wurden die mit insgesamt 5.500 Euro dotierten Digital Media Graduation Awards 2026 verliehen. Außerdem gab es lobende Erwähnungen.

Der erste Preis geht an Julia Vollmers Arbeit „to heat (series): to heat a candle with the warmth of you, to hurt for a thought“. Das Werk thematisiert die verborgenen Energiekosten der künstlichen Intelligenz (KI). „Eine Metalltastatur erwärmt sich, und diese Wärme wird genutzt, um eine Kerze zu erhitzen, deren Wachs sich im Laufe der Zeit langsam auf dem Boden des Kunstraums ansammelt. In dieser einfachen Kette von Ursache und Wirkung demonstriert die Künstlerin eine bemerkenswerte Fähigkeit, den Prozess des Energieverbrauchs auf greifbare Weise zu materialisieren. Was normalerweise abstrakt ist, wird zu etwas, das wir klar erkennen können“, so das Statement der Jury. Weiter heißt es darin, Vollmer visualisiere „erfolgreich komplexe Systeme durch ein minimales Objekt und lässt eine Kerze und ein kleines Stück Hardware eine Aussage von beträchtlichem Ausmaß vermitteln. In diesem Minimalismus liegt auch die Schönheit des Werks.“ Ihm liege eine tiefgreifende konzeptionelle Intelligenz zugrunde. „Durch die Rückbesinnung auf Flamme und Kerzenlicht beschwört das Werk die Erfindung von Licht und Feuer als grundlegende Metapher der Technologie herauf und verortet den Energiebedarf der KI im Kontext der langen Geschichte des menschlichen Überlebens.“ In seiner „seltenen Verbindung von Dringlichkeit, Poesie und konzeptioneller Strenge“ steche „to heat (series)“ als ein Werk „von ungewöhnlicher Reife und Resonanz“ hervor.

Der zweite Preis geht an Valentina Gaete Urrutias Arbeit „What the rope taught me about displacements“. Ausgehend von der eigenen körperlichen Auseinandersetzung der Künstlerin mit einem Hanfseil entfalte sich eine „Reflexion über Bewegung, Arbeit und Zugehörigkeit“, urteilt die Jury. „Ein Hafenseil ist zugleich ein Werkzeug der Ankunft und der Abreise; es erzählt von Häfen, Überfahrten und der langen Geschichte von Gütern und Menschen, die über das Wasser transportiert wurden, einschließlich Kolonialisierungsprozessen. Gaete Urrutia lässt dieses einzelne Objekt eine außergewöhnliche Bedeutungsdichte tragen, sodass Vertreibung durch die Fasern des Materials selbst spürbar wird. Dies ist eine greifbar gemachte Metapher, eine durch Berührung vorgebrachte Argumentation. Das Werk verwebt Themen wie Migration und Feminismus mit bemerkenswerter Intelligenz.“  

Den 3. Platz teilen sich die Hiuyan Lee und Timm Albers

Die Jury beschreibet Lees Arbeit „Talking to others(--- - .... . .-. ... )“ so: „Ausgehend von etwas so Persönlichem und Bürokratischem wie den zwölf Ziffern ihrer Hongkonger Identitätsnummer entwickelt Lee eine weitreichende Untersuchung der Spannungen zwischen der chinesischen Sprache und der westlichen alphabetischen Ordnung. Ausgehend von einer einzigen offiziellen Inschrift eröffnet das Werk Fragen nach Identität, Klassifizierung und Zugehörigkeit und beweist dabei eine bewundernswerte Fähigkeit, vom Intimen zum Strukturellen überzugehen.“ Die Jury hebt den installativen Aspekt der Arbeit besonders hervor: „Die Art und Weise, wie Schriftzeichen zu optischen Fasern werden, ist eine wahrhaft schöne Geste, die der abstrakten Vorstellung von Sprache als Signal eine materielle und leuchtende Form verleiht. In dieser Umsetzung treffen das Konzeptuelle und das Poetische aufeinander.“

Zu Timm Albers’ „Strategies for an Auction“ notierte die Jury: „Die Arbeit nimmt die Logik des Echtzeit-Bietens zum Thema – jene automatisierten, im Millisekundenbereich ablaufenden Auktionen, in denen Werbetreibende um das Recht konkurrieren, eine Anzeige im Internet zu platzieren – und inszeniert sie als Wettstreit zwischen sechs Akteuren (Lautsprechern), die jeweils um das Recht kämpfen, einen Ton abzuspielen. Indem er einen abstrakten algorithmischen Prozess in etwas Hörbares übersetzt, macht Albers ein System hörbar, das normalerweise auf der Wahrnehmungsebene operiert und unsere Aufmerksamkeit lenkt, ohne sich jemals zu offenbaren.“ Klang sei hier kein Ornament, sondern Argument: „Die Umwandlung der Bietlogik in einen klanglichen Wettbewerb offenbart, wie solche Systeme Werte zuteilen, ausschließen und entscheiden.“ Dies führe das Projekt zu seiner tieferen Frage – „der Verteilung von Aufmerksamkeit selbst und wie der Markt damit zusammenhängt.“

Lobende Erwähnungen erhielten Alberto Salgado Harres, Mohar Kalra, Boeun Kim und Nicolás Sánchez Noa.

Die Jury bestand aus Natalia Fedorova (Künstlerin), Martin Hesselmeier (Professor für Interface Design an der Bauhaus-Universität Weimar), Bruno Moreschi (Associate Professor für New Media an der Aalto University in Finnland) und Constanza Piña Pardo (Künstlerin).