Öffnungszeiten
Donnerstags: 16:00–21:00 Uhr
Freitags: 16:00–19:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 22.5.–26.6.2026
Eröffnung: Freitag, 22.5.2026, 20:00 Uhr
Es spricht: Prof. Ingo Vetter, Hochschule für Künste Bremen
In der Ausstellung zeigen drei ehemalige Meisterschülerinnen von Prof. Ingo Vetter an der Hochschule für Künste Bremen Arbeiten zum Thema Pferde.
Warum Pferde? Weil sie in der Kunst nie einfach nur Tiere sind. Pferde erscheinen fast immer als Erweiterung des Menschen: als Zeichen von Status, Macht oder Freiheit, aber ebenso als Projektionsfläche für Nähe, Romantik und Sehnsucht. Kaum ein anderes Motiv ist so stark aufgeladen und zugleich so widersprüchlich. Genau diese Ambivalenz macht es heute schwierig, Pferde ohne Kontext darzustellen.
Die Ausstellung versammelt drei künstlerische Positionen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Bild des Pferdes beschäftigen – nicht als Naturdarstellung, sondern als kulturelles Konstrukt, als Geste, Relikt oder Übergangsfigur.
Ruth Lübke (Meisterschülerin 2022–2023) untersucht in Zeichnungen das Pferd als Symbol und Bildträger. Ihre großformatigen Arbeiten zeigen Pferde im Umfeld von Polizisten – Figuren, die selbst stark codiert sind. Im Zentrum steht der Moment, in dem Rollen sich verschieben und Macht in Fürsorge übergeht. Das Pferd erscheint hier nicht als klassisches Zeichen von Kontrolle oder Stärke, sondern als sensibles Gegenüber. „Mich interessiert, wie wenig es braucht, damit ein starkes Bild seine Richtung ändert – und plötzlich weich wird.“
Minjeong Park (Meisterschülerin 2024–2025) nähert sich dem Pferd aus einer biografischen und körperlichen Perspektive. Ihre großformatigen Handskulpturen, mit einem 3D-Stift aus modernem Filament gefertigt, bilden die Geste eines galoppierenden Pferdes. Sie verweisen auf ein kindliches Spiel, entstanden in einer Zeit materiellen Mangels, in der das Pferd nur als Bild existierte. „Meine Hände wurden zu Pferden“, beschreibt Park diesen Moment, in dem Fantasie, Wunsch und Bewegung in einanderfallen. Ergänzt werden die Skulpturen durch Alltagsmaterialien wie Instantnudeln und Konservendosen, die auf die Lebensumstände dieser Erinnerungen verweisen.
Martin Reichmann (Meisterschüler 2021–2022) richtet den Blick auf die Gegenwart – und darüber hinaus. Er versteht das Pferd als popkulturelles Phänomen und kurzlebigen Trend: als Meme, Lifestyle und Projektionsfläche. „Horses are everywhere right now“, schreibt er. Seine Arbeiten fragen danach, was bleibt, wenn dieser Hype vorbei ist. Mit Motiven wie dem Sattel oder dem pferdelosen Reiterstandbild setzt er bei der Leerstelle an – beim Moment nach dem Pferd.
Gemeinsam verhandeln die drei Positionen das Pferd als Bild zwischen Macht und Spiel, Nähe und Kontrolle, Trend und Erschöpfung. Die Ausstellung fragt nicht, was ein Pferd ist, sondern warum es immer wieder erscheint – und wie sich dieses Bild verschieben lässt.
„Neigh“ ist das englische Lautwort für das Wiehern eines Pferdes. In der Verdopplung wirkt es fast kindlich oder verniedlichend. Genau diese Verschiebung interessiert die Drei. In der Ausstellung trifft ein stark aufgeladenes Tier auf ebenso stark codierte Figuren und Bilder – etwa den Polizisten als Symbol von Ordnung und Autorität (Ruth Lübke). In dem Moment, in dem Polizisten sich um ihre Pferde kümmern, sie beruhigen oder streicheln, kippt etwas: Nicht das Pferd wird niedlich, sondern die Rolle des Polizisten. Diese absurde, beinahe intime Situation – ein Polizist, der liebevoll mit seinem „Neigh Neigh“ spricht – verbindet sich mit Minjeong Parks spielerischem Zugang zum Pferdebild und Martin Reichmanns Bezug auf popkulturelle Überzeichnung und Trend. Der Titel beschreibt diesen leisen, merkwürdig komischen Moment der Verschiebung.
Wichtige Informationen
Mitwirkende
- Ruth Lübke
- Minjeong Park
- Martin Reichmann
