Heal, Hex, Hack Technology – Ginevra Petrozzi
In unserer heutigen kapitalistischen Realität glauben viele, dem Schicksal entkommen zu können, dass unsere Zukunft gestaltbar ist und dass unser Schicksal ausschließlich von unseren persönlichen Handlungen bestimmt wird.
Ginevra Petrozzi widersetzt sich in ihrer Arbeit diesem kapitalistischen Mythos und legt nahe, dass die Zukunft in Wirklichkeit in den Händen von prädiktiver Analyse, Algorithmen und künstlicher Intelligenz liegt: allesamt Technologien, die in einem digital regulierten Kosmos mittlerweile die Rolle von Schicksalsgestaltern übernommen haben, Kontrollsysteme aufrechterhalten und die Nutzer in eine einheitliche Zukunft führen. Der Vortrag „Heal, Hex, Hack Technology“ wird das magische Denken im Kontext von Überwachungstechnologien näher beleuchten und erörtern, wie sich die Vorstellung von der Zukunft seit den alten Wahrsagetechniken bis hin zu modernen algorithmischen Systemen entwickelt hat. Ihre Projekte und laufenden Forschungsarbeiten werden als Leitfaden für die Auseinandersetzung mit diesen Themen dienen und aufzeigen, wie das Übernatürliche als Gestaltungsinstrument genutzt werden könnte, um in aktuelle technologische Kontrollsysteme einzugreifen.
Bio
Ginevra Petrozzi ist Künstlerin und interdisziplinäre Designerin und lebt und arbeitet derzeit in den Niederlanden. Mit ihrer Arbeit möchte sie den Begriff des magischen Denkens im Kontext moderner Vorhersagesysteme wie KI, maschinellem Lernen und algorithmischen Prozessen erweitern. Durch wissenschaftliche Forschung, schriftstellerisches Schaffen und kreative Arbeit möchte sie Raum für andere Ideen und Formen von Intelligenz, Wissen und Weisheit schaffen – sowohl menschlicher als auch nicht-menschlicher Art. Derzeit erforscht sie die Möglichkeiten von Mystik und Okkultismus im Kontext der zeitgenössischen Technopolitik. In diesem Rahmen schlüpfte sie in die Rolle einer „digitalen Hexe“ und griff damit die archetypische Rolle der Zauberin als Heilerin und politische Rebellin wieder auf. Seit 2025 ist sie Doktorandin an der Technischen Universität Eindhoven im Fachbereich Industriedesign, wo sie neue Ästhetiken für intelligente adaptive Systeme erforscht.
Petrozzis Arbeiten wurden vielfach ausgestellt, darunter in aktuellen und bevorstehenden Ausstellungen in der Nationalgalerie für moderne und zeitgenössische Kunst (IT), bei der De Nederlandse Bank (NL), im Stedelijk Museum Amsterdam (NL), bei TENT Rotterdam (NL), im Mattatoio (IT), auf der INDEX Braga Biennale (P), in der Science Gallery London (UK), Het Hem (NL), den World Design Embassies (NL), dem MFRU (SLO) und der Panke Gallery (DE). Zu ihren jüngsten Auszeichnungen zählt der Sonderpreis der GNAM im Rahmen des „Inside Art Talent Prize 2025“, für den ihr Werk „Congregation of Mysteries“ von der Nationalgalerie für moderne und zeitgenössische Kunst in Rom dauerhaft erworben wurde. Sie war eine der Finalistinnen für den Conai-Preis 2025 sowie für den Re:Humanism Art Prize im Jahr 2023. Im Jahr 2021 gewann sie den Gijs-Bakker-Preis für ihr Projekt „Digital Esoterism“.
Den Link zum online Vortrag gibt es hier.