Stimme der Übergänge: Vokalwerke von Younghi Pagh-Paan
Dr. Shin-Hyang Yun
In der Forschung zu Younghi Pagh-Paan wird die Komponistin häufig als Brückenbauerin zwischen koreanischer Tradition und westlicher Avantgarde rezipiert. Weitgehend unberücksichtigt bleibt jedoch die Frage, wie diese Brückenstellung konkret durch ihre spezifische Handhabung der Stimme innerhalb der zeitgenössischen Musik realisiert wird. Pagh-Paan nutzt die menschliche Stimme nicht allein als klangliches Instrument, sondern als Trägerin einer Sehnsucht nach einem Ort, an dem sprachliche Grenzen zwischen Kulturen überwunden werden.
Im Zentrum des Vortrags stehen Vokalwerke von Younghi Pagh-Paan aus verschiedenen Schaffensphasen, in denen sie die Sprachlaute – vorzüglich die koreanischen Phoneme der zugrunde liegenden Gedichte – als Vokaltext verwendete. Der Vortrag geht den Fragen nach: Wie werden die für den deutschen Sprachraum fremden Sprachlaute in ihren Kompositionen eingesetzt? Welche Lautbilder entstehen dabei und was nimmt das Publikum dabei wahr? Inwieweit erfüllen diese die kulturelle Übergangsfunktion? Abschließend wird der sozialutopische Aspekt des sprachlich doppelt kodierten Komponierens im Allgemeinen herausgestellt.
Begleitlektüre:
- Shin-Hyang Yun: Klänge des Widerhalls. Koreanisch-deutsche Komponistinnen und Komponisten unterwegs, Schriftenreihe KlangKulturStudien, Bd.14, (hrsg.) Lars-Christian Koch/Raimund Vogels, Berlin/Münster: LIT, 2022.
- „Poetische Bilder als klangutopischer Entwurf. Warte nur… balde von Younghi Pagh-Paan", in: KlangZeiten – Musik, Politik und Gesellschaft (hrsg.) Nina Noeske, Wien u.a., 2026 (Druck i. V.)

