
Prof. Beat Brogle

- Studiengang Integriertes Design
- E-Mail b.brogle@hfk-bremen.de
Vita
Der schweizer Künstler Beat Brogle lebt und arbeitet in Berlin, Basel und Bremen. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit morphologischen Prozessen und Assoziationen am Rande der Wahrnehmung. Die Arbeit formuliert sich durch unterschiedliche Medien, wie Zeichnungen, Rauminstallation, Film/Video, interaktive Installationen und Webprojekte. Mit seinen Arbeiten ist er auf zahlreichen internationalen Festivals und Ausstellungen präsent. Er dozierte an verschieden Kunsthochschulen im Bereich der Neue Medien, unter anderem an der Weissensee Kunsthochschule Berlin, der Zhdk Zürcher Hochschule für Künste, Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Universität der Künste Berlin. Seit 2015 ist er Professor für bewegtes Bild an der Hochschule für Künste Bremen.
Beat Brogle ist zudem einer der Leitenden des Masterstudios 9D.
- Lehre
Bilder kommunizieren anders als Text. Bewegte Bilder kommunizieren anders als stille Bilder. In den zeitbasierten Medien, den bewegten Bildern und dem Ton verbirgt sich ein eigenes Regelwerk aus Zeit, Bewegung und Montage. Durch die alltägliche Präsenz der digitalen Medien besitzen wir einerseits ein starkes intuitives Sensorium und Aufmerksamkeit für das Funktionieren von bewegten Bildern, doch anderseits unterliegen wir auch dem hypnotischen Sog, den Filme schaffen können, so dass wir unser Umgebung vergessen können.
In den digitalen und Online-Medien treten Bild, geschriebene Sprache, Sprache, Musik Sound und Geräusch in neuartige Beziehungen zueinander. GestalterInnen und KünstlerInnen müssen teilweise die Interaktion des Zuschauers in ihre Konzepte einbeziehen.Der Vertiefungsbereich Bewegtes Bild sucht nach einem zeitgemäßen künstlerischen Umgang mit dem Medium. Zentrales Anliegen ist es, die gestalterischen Aspekte der Dimension Zeit, Bewegung und Ton erfahrbar zu machen, ein Verständnis für die Wirkungsmacht des Mediums zu bekommen, die verborgen Codes zu verstehen. Durch die Verbindung von gestalterischer/künstlerischer Konzeption und experimentellem Umgang mit der Technik erlangen die Studierenden Entscheidungskompetenzen im komplexen Arbeitsbereich der neuen Medien. In der Praxis sollen sie ihre Kreativität und Fachkompetenz in Zusammenarbeit mit technischen Fachleuten vermitteln und vertreten können. Dabei arbeiten wir nicht mit einer bestimmten Technologie, sondern nutzen die gesamte Bandbreite an analogen und digitalen Arbeitsweisen.
In Grundlagenkursen werden Sie praktische Filmische Experimente und Minifilme schaffen, welche sich mit der Phänomenologie und den Gestaltungsmöglichkeiten von Bewegung, Zeit und Montage von Bild und Ton beschäftigen. In Vertiefungsmodulen und im Master entwickeln Sie eigenständige Projekte. Diese können unterschiedliche Filmgattungen und -formate (oder Mischformen dieser Formate) haben, wie Dokumentarfilm, Essayfilm, Kurzspielfilm, Experimentalfilm, Musikvideo oder Videoinstallation.
Ergänzend zur praktischen Arbeit finden parallel zu den Kursen theoretische Input-Veranstaltungen statt. Im erweiterten Zusammenhang wird die Entwicklung der Medien und deren Einfluss auf die Wahrnehmung unseres Alltags kritisch beleuchtet.
Aktuelle Kurse
- (Block B) Grosse Gefühle - Kleine Gefühle Grosse Gefühle - Kleine Gefühle Ein Kurs über filmische Wirkung und den Umgang der Machenden Ein Zucken im Gesicht. Eine Sekunde zu lange Stille. Ein Schnitt, der nicht erwartet wurde. Das Kleinste kann etwas auslösen – wenn es den richtigen Moment trifft. Der Philosoph Aaron Ben-Zeév beschreibt Gefühle als Auslöseereignisse: Emotion entsteht dort, wo etwas die normale Ordnung stört, unsere Lage verändert, bedroht oder bereichert. Wer fühlt, urteilt. Wer urteilt, ist angreifbar. Und wer Bilder macht, löst aus – ob gewollt oder nicht. Der Kurs schöpft aus Spannungsfeld zweier Polen– und der ganzen Klaviatur dazwischen. Wir analysieren Ausschnitte, nehmen Mechanismen auseinander, fragen wie Wirkung entsteht. Das können Filmszenen sein – aber genauso ein Werbespot, ein Musikvideo, ein Kunstfilm, ein Social-Media-Feed, ein Interface, ein KI-Dialog, eine Nachricht auf dem Handy. Überall dort, wo Bilder, Töne und Schnitte eingesetzt werden um etwas in uns auszulösen, lohnt sich der genaue Blick. Die Filmbeispiele sind dabei exemplarische Einstiege – keine Pflichtlektüre, sondern Arbeitsmaterial, das wir gemeinsam befragen. Auf der einen Seite die Bildgewalt. Beispielsweise: Ein Schlussduell in Sergio Leones *Spiel mir das Lied vom Tod* (Italien/USA, 1968): Bild und Musik dehnen die Zeit ins Unerträgliche, Großaufnahmen und Morricones Musik und Partitur arbeiten zusammen bis der Moment selbst zur emotionalen Struktur wird. Leone war ein Meister einer patriarchalen Gefühlsmaschinerie – Männlichkeit als Konstruktion, Schweigen und Kontrolle als höchste Form des Ausdrucks, das Duell als inszenierte Weltordnung. Wessen Gefühle werden hier eigentlich erzeugt und für wen? Die Choreografie eines Musicals wie *42nd Street* (USA, 1933) reißt den Körper mit, bevor der Verstand reagieren kann, ein weiteres Beispiel dafür, wie totale Wirkung funktioniert. Auf der anderen Seite eine völlig andere Emotionsklaviatur. John Cassavetes' Faces (USA, 1968) filmt Gesichter so nah und so lange, bis Intimität zur Zumutung wird – keine Inszenierung für den komfortablen Blick, kein erlösender Schnitt. Chantal Akermans Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles (Belgien/Frankreich, 1975) arbeitet mit Dauer, Stille, Wiederholung – der genaue Blick auf das Alltägliche, bis es kippt. Eine feministische Gegensprache zum überwältigenden Pathos: kein Aufschrei, nur das Verweilen. Und darin eine andere, tiefere, nachhaltigere Erschütterung. Spike Jonzes Her (USA, 2013) führt uns in die Gegenwart dieser Fragen: Ein Mann verliebt sich in ein KI-System – in eine Stimme, die zuhört, antwortet, sich erinnert. Der Film fragt leise und präzise, was Nähe bedeutet, wenn kein Erleben dahintersteht. Und er tut es mit einer emotionalen Wirkung, der man sich kaum entziehen kann. Beide Pole sind Emotion. Aber mit völlig anderen Mitteln, Haltungen und Konsequenzen. Zwischen ihnen liegt die ganze Bandbreite dessen, was bewegte Bilder mit uns machen können. Diese filmhistorischen Mechanismen sind keine Vergangenheit. Sie wirken weiter – in verwandelter Form, in neuen Kontexten. Die Affektökonomien sozialer Medien operieren nach denselben Grundprinzipien: Aufmerksamkeit wird erzeugt, Emotionen werden skaliert, Reaktionen optimiert. KI-Systeme simulieren Nähe und Zugewandtheit – sie inszenieren emotionale Begegnungen, hinter denen kein Erleben steht, nur Prozess. Die Mechanismen sind dieselben, die Infrastruktur ist unsichtbarer geworden. Der Film ist aus der Illusion getreten. Diese Gegenwart ist Bestandteil des Kurses. Wir fragen nicht nur, wie Kino Gefühle erzeugt, sondern wie emotionale Wirkung heute produziert, gesteuert und instrumentalisiert wird – und was es bedeutet, in diesem Kontext selbst Bilder zu machen. Was tun wir mit den Dingen, denen wir uns selbst nicht entziehen können? Wie arbeiten wir mit emotionaler Wirkung ohne sie zu missbrauchen? Wie behalten wir als Machende die Übersicht – über die Mittel, die wir einsetzen, und über die Wirkungen, die wir nicht vollständig kontrollieren können? Praxis Im Kurs entwickeln wir eigene Arbeiten – Film, Installation, Medienperformance oder experimentelles Raumformat. Die ganze Klaviatur ist offen: Eine Arbeit kann überwältigen, mitreißen, große Gefühle spiegeln oder erzeugen. Sie kann aber genauso subtil und minimal sein – anstoßen statt überwältigen, eine kaum merkliche Verschiebung auslösen, einen Moment des Innehaltens provozieren. Wo auf dieser Skala eine Arbeit ansetzt, ist eine künstlerische Entscheidung – und Teil der Auseinandersetzung im Kurs. Wir experimentieren mit Methoden, entwickeln eigene Arbeitsweisen und erproben, was es bedeutet, bewusst mit emotionaler Wirkung zu arbeiten: Überhöhung als Mittel, Weglassen als Entscheidung, Stille als Gestaltung, der eine Schnitt statt vieler. Die Arbeiten entstehen aus kurzen Übungen heraus und führen schrittweise zu einem Abschlussprojekt. Einzelarbeiten und Gruppenprojekte sind beide möglich. Plenumssitzungen dienen der gemeinsamen Auseinandersetzung: Zwischenstände werden gezeigt, Entscheidungen diskutiert. Ein begleitendes Abendfilmprogramm ergänzt den Kurs. Kursraum und Filmstudio stehen als Atelier zur Verfügung. Am Ende steht eine gemeinsame Präsentation. Die Form ergibt sich aus den entstanden Arbeiten. --- Der Kurs bietet ein fundiertes Verständnis über Materialien und Technologien sowie Grundlagen für kreatives Entwerfen. Mit vielen praktischen Materialexperimenten erlernen wir die Grundlagen des 3-dimensionalen Gestaltens. Wir beschäftigen uns mit fortschrittlichen und nachhaltigen Materialien und erkunden die Bedeutung materialgerechter Gestaltung. Im Zentrum steht das experimentelle Arbeiten mit neuen und innovativen Materialien. Die dafür passenden Technologien nutzen wir gezielt als Werkzeuge, um Materialien zu bearbeiten, zu testen und ihre gestalterischen Potenziale zu erforschen. Dabei untersuchen wir die jeweiligen Stärken und Schwächen der Verfahren und entwickeln daraus Minimum Viable Products. Mit kreativen und systematischen Ansätzen erzeugen wir diverse Lösungen und präsentieren die Ergebnisse in Form von kurzen Elevator Pitches. Ziel des Kurses ist es, grundlegende Fähigkeiten zu entwickeln, um Materialien, Technologien und Gestaltung sinnvoll miteinander zu verbinden und erfolgreich in unterschiedlichen Bereichen des Designs zu arbeiten.
- Grosse Gefühle - Kleine Gefühle - Integriertes Projekt + Workshop bei Beat Brogle Ein Kurs über filmische Wirkung und den Umgang der Machenden Ein Zucken im Gesicht. Eine Sekunde zu lange Stille. Ein Schnitt, der nicht erwartet wurde. Das Kleinste kann etwas auslösen – wenn es den richtigen Moment trifft. Der Philosoph Aaron Ben-Zeév beschreibt Gefühle als Auslöseereignisse: Emotion entsteht dort, wo etwas die normale Ordnung stört, unsere Lage verändert, bedroht oder bereichert. Wer fühlt, urteilt. Wer urteilt, ist angreifbar. Und wer Bilder macht, löst aus – ob gewollt oder nicht. Der Kurs schöpft aus Spannungsfeld zweier Polen– und der ganzen Klaviatur dazwischen. Wir analysieren Ausschnitte, nehmen Mechanismen auseinander, fragen wie Wirkung entsteht. Das können Filmszenen sein – aber genauso ein Werbespot, ein Musikvideo, ein Kunstfilm, ein Social-Media-Feed, ein Interface, ein KI-Dialog, eine Nachricht auf dem Handy. Überall dort, wo Bilder, Töne und Schnitte eingesetzt werden um etwas in uns auszulösen, lohnt sich der genaue Blick. Die Filmbeispiele sind dabei exemplarische Einstiege – keine Pflichtlektüre, sondern Arbeitsmaterial, das wir gemeinsam befragen. Auf der einen Seite die Bildgewalt. Beispielsweise: Ein Schlussduell in Sergio Leones *Spiel mir das Lied vom Tod* (Italien/USA, 1968): Bild und Musik dehnen die Zeit ins Unerträgliche, Großaufnahmen und Morricones Musik und Partitur arbeiten zusammen bis der Moment selbst zur emotionalen Struktur wird. Leone war ein Meister einer patriarchalen Gefühlsmaschinerie – Männlichkeit als Konstruktion, Schweigen und Kontrolle als höchste Form des Ausdrucks, das Duell als inszenierte Weltordnung. Wessen Gefühle werden hier eigentlich erzeugt und für wen? Die Choreografie eines Musicals wie *42nd Street* (USA, 1933) reißt den Körper mit, bevor der Verstand reagieren kann, ein weiteres Beispiel dafür, wie totale Wirkung funktioniert. Auf der anderen Seite eine völlig andere Emotionsklaviatur. John Cassavetes' Faces (USA, 1968) filmt Gesichter so nah und so lange, bis Intimität zur Zumutung wird – keine Inszenierung für den komfortablen Blick, kein erlösender Schnitt. Chantal Akermans Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles (Belgien/Frankreich, 1975) arbeitet mit Dauer, Stille, Wiederholung – der genaue Blick auf das Alltägliche, bis es kippt. Eine feministische Gegensprache zum überwältigenden Pathos: kein Aufschrei, nur das Verweilen. Und darin eine andere, tiefere, nachhaltigere Erschütterung. Spike Jonzes Her (USA, 2013) führt uns in die Gegenwart dieser Fragen: Ein Mann verliebt sich in ein KI-System – in eine Stimme, die zuhört, antwortet, sich erinnert. Der Film fragt leise und präzise, was Nähe bedeutet, wenn kein Erleben dahintersteht. Und er tut es mit einer emotionalen Wirkung, der man sich kaum entziehen kann. Beide Pole sind Emotion. Aber mit völlig anderen Mitteln, Haltungen und Konsequenzen. Zwischen ihnen liegt die ganze Bandbreite dessen, was bewegte Bilder mit uns machen können. Diese filmhistorischen Mechanismen sind keine Vergangenheit. Sie wirken weiter – in verwandelter Form, in neuen Kontexten. Die Affektökonomien sozialer Medien operieren nach denselben Grundprinzipien: Aufmerksamkeit wird erzeugt, Emotionen werden skaliert, Reaktionen optimiert. KI-Systeme simulieren Nähe und Zugewandtheit – sie inszenieren emotionale Begegnungen, hinter denen kein Erleben steht, nur Prozess. Die Mechanismen sind dieselben, die Infrastruktur ist unsichtbarer geworden. Der Film ist aus der Illusion getreten. Diese Gegenwart ist Bestandteil des Kurses. Wir fragen nicht nur, wie Kino Gefühle erzeugt, sondern wie emotionale Wirkung heute produziert, gesteuert und instrumentalisiert wird – und was es bedeutet, in diesem Kontext selbst Bilder zu machen. Was tun wir mit den Dingen, denen wir uns selbst nicht entziehen können? Wie arbeiten wir mit emotionaler Wirkung ohne sie zu missbrauchen? Wie behalten wir als Machende die Übersicht – über die Mittel, die wir einsetzen, und über die Wirkungen, die wir nicht vollständig kontrollieren können? Praxis Im Kurs entwickeln wir eigene Arbeiten – Film, Installation, Medienperformance oder experimentelles Raumformat. Die ganze Klaviatur ist offen: Eine Arbeit kann überwältigen, mitreißen, große Gefühle spiegeln oder erzeugen. Sie kann aber genauso subtil und minimal sein – anstoßen statt überwältigen, eine kaum merkliche Verschiebung auslösen, einen Moment des Innehaltens provozieren. Wo auf dieser Skala eine Arbeit ansetzt, ist eine künstlerische Entscheidung – und Teil der Auseinandersetzung im Kurs. Wir experimentieren mit Methoden, entwickeln eigene Arbeitsweisen und erproben, was es bedeutet, bewusst mit emotionaler Wirkung zu arbeiten: Überhöhung als Mittel, Weglassen als Entscheidung, Stille als Gestaltung, der eine Schnitt statt vieler. Die Arbeiten entstehen aus kurzen Übungen heraus und führen schrittweise zu einem Abschlussprojekt. Einzelarbeiten und Gruppenprojekte sind beide möglich. Plenumssitzungen dienen der gemeinsamen Auseinandersetzung: Zwischenstände werden gezeigt, Entscheidungen diskutiert. Ein begleitendes Abendfilmprogramm ergänzt den Kurs. Kursraum und Filmstudio stehen als Atelier zur Verfügung. Am Ende steht eine gemeinsame Präsentation. Die Form ergibt sich aus den entstanden Arbeiten. --- Was passiert nach dem Studium? In diesem Kurs beschäftigen wir uns mit euren möglichen nächsten Schritten. Wir sprechen über Wettbewerbe und Awards – ihre Kosten, ihren Nutzen und wann sie sinnvoll sind. Außerdem geht es um Schutz- und Urheberrechte (und die damit verbundenen Pflichten), sowie um mögliche akademische Wege: direkt in den Beruf, ein Masterstudium oder die Kombination aus Master und Promotion. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage Festanstellung oder Selbstständigkeit – mit Einblicken in verschiedene Berufsrealitäten. Ergänzend planen wir Studio Visits in Bremen und erhalten Einblicke in ihren Arbeitsalltag und haben Gelegenheit für kurze Q
- Grosse Gefühle - Kleine Gefühle - Integrierendes Projekt (zweites Semester) bei Beat Brogle Grosse Gefühle - Kleine Gefühle Ein Kurs über filmische Wirkung und den Umgang der Machenden Ein Zucken im Gesicht. Eine Sekunde zu lange Stille. Ein Schnitt, der nicht erwartet wurde. Das Kleinste kann etwas auslösen – wenn es den richtigen Moment trifft. Der Philosoph Aaron Ben-Zeév beschreibt Gefühle als Auslöseereignisse: Emotion entsteht dort, wo etwas die normale Ordnung stört, unsere Lage verändert, bedroht oder bereichert. Wer fühlt, urteilt. Wer urteilt, ist angreifbar. Und wer Bilder macht, löst aus – ob gewollt oder nicht. Der Kurs schöpft aus Spannungsfeld zweier Polen– und der ganzen Klaviatur dazwischen. Wir analysieren Ausschnitte, nehmen Mechanismen auseinander, fragen wie Wirkung entsteht. Das können Filmszenen sein – aber genauso ein Werbespot, ein Musikvideo, ein Kunstfilm, ein Social-Media-Feed, ein Interface, ein KI-Dialog, eine Nachricht auf dem Handy. Überall dort, wo Bilder, Töne und Schnitte eingesetzt werden um etwas in uns auszulösen, lohnt sich der genaue Blick. Die Filmbeispiele sind dabei exemplarische Einstiege – keine Pflichtlektüre, sondern Arbeitsmaterial, das wir gemeinsam befragen. Auf der einen Seite die Bildgewalt. Beispielsweise: Ein Schlussduell in Sergio Leones *Spiel mir das Lied vom Tod* (Italien/USA, 1968): Bild und Musik dehnen die Zeit ins Unerträgliche, Großaufnahmen und Morricones Musik und Partitur arbeiten zusammen bis der Moment selbst zur emotionalen Struktur wird. Leone war ein Meister einer patriarchalen Gefühlsmaschinerie – Männlichkeit als Konstruktion, Schweigen und Kontrolle als höchste Form des Ausdrucks, das Duell als inszenierte Weltordnung. Wessen Gefühle werden hier eigentlich erzeugt und für wen? Die Choreografie eines Musicals wie *42nd Street* (USA, 1933) reißt den Körper mit, bevor der Verstand reagieren kann, ein weiteres Beispiel dafür, wie totale Wirkung funktioniert. Auf der anderen Seite eine völlig andere Emotionsklaviatur. John Cassavetes' Faces (USA, 1968) filmt Gesichter so nah und so lange, bis Intimität zur Zumutung wird – keine Inszenierung für den komfortablen Blick, kein erlösender Schnitt. Chantal Akermans Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles (Belgien/Frankreich, 1975) arbeitet mit Dauer, Stille, Wiederholung – der genaue Blick auf das Alltägliche, bis es kippt. Eine feministische Gegensprache zum überwältigenden Pathos: kein Aufschrei, nur das Verweilen. Und darin eine andere, tiefere, nachhaltigere Erschütterung. Spike Jonzes Her (USA, 2013) führt uns in die Gegenwart dieser Fragen: Ein Mann verliebt sich in ein KI-System – in eine Stimme, die zuhört, antwortet, sich erinnert. Der Film fragt leise und präzise, was Nähe bedeutet, wenn kein Erleben dahintersteht. Und er tut es mit einer emotionalen Wirkung, der man sich kaum entziehen kann. Beide Pole sind Emotion. Aber mit völlig anderen Mitteln, Haltungen und Konsequenzen. Zwischen ihnen liegt die ganze Bandbreite dessen, was bewegte Bilder mit uns machen können. Diese filmhistorischen Mechanismen sind keine Vergangenheit. Sie wirken weiter – in verwandelter Form, in neuen Kontexten. Die Affektökonomien sozialer Medien operieren nach denselben Grundprinzipien: Aufmerksamkeit wird erzeugt, Emotionen werden skaliert, Reaktionen optimiert. KI-Systeme simulieren Nähe und Zugewandtheit – sie inszenieren emotionale Begegnungen, hinter denen kein Erleben steht, nur Prozess. Die Mechanismen sind dieselben, die Infrastruktur ist unsichtbarer geworden. Der Film ist aus der Illusion getreten. Diese Gegenwart ist Bestandteil des Kurses. Wir fragen nicht nur, wie Kino Gefühle erzeugt, sondern wie emotionale Wirkung heute produziert, gesteuert und instrumentalisiert wird – und was es bedeutet, in diesem Kontext selbst Bilder zu machen. Was tun wir mit den Dingen, denen wir uns selbst nicht entziehen können? Wie arbeiten wir mit emotionaler Wirkung ohne sie zu missbrauchen? Wie behalten wir als Machende die Übersicht – über die Mittel, die wir einsetzen, und über die Wirkungen, die wir nicht vollständig kontrollieren können? Praxis Im Kurs entwickeln wir eigene Arbeiten – Film, Installation, Medienperformance oder experimentelles Raumformat. Die ganze Klaviatur ist offen: Eine Arbeit kann überwältigen, mitreißen, große Gefühle spiegeln oder erzeugen. Sie kann aber genauso subtil und minimal sein – anstoßen statt überwältigen, eine kaum merkliche Verschiebung auslösen, einen Moment des Innehaltens provozieren. Wo auf dieser Skala eine Arbeit ansetzt, ist eine künstlerische Entscheidung – und Teil der Auseinandersetzung im Kurs. Wir experimentieren mit Methoden, entwickeln eigene Arbeitsweisen und erproben, was es bedeutet, bewusst mit emotionaler Wirkung zu arbeiten: Überhöhung als Mittel, Weglassen als Entscheidung, Stille als Gestaltung, der eine Schnitt statt vieler. Die Arbeiten entstehen aus kurzen Übungen heraus und führen schrittweise zu einem Abschlussprojekt. Einzelarbeiten und Gruppenprojekte sind beide möglich. Plenumssitzungen dienen der gemeinsamen Auseinandersetzung: Zwischenstände werden gezeigt, Entscheidungen diskutiert. Ein begleitendes Abendfilmprogramm ergänzt den Kurs. Kursraum und Filmstudio stehen als Atelier zur Verfügung. Am Ende steht eine gemeinsame Präsentation. Die Form ergibt sich aus den entstanden Arbeiten. --- Neben regelmaessigen Einzel- bzw. Plenumstreffen zur Entwicklung und Begleitung eines Integrierenden Projektes oder des individuellen Mastervorhabens - besteht auch die Möglichkeit am Projekt '…und ein vorerst letztes Mal Körbe: Die Mailand Design Woche' im Coteaching mit Alexander Sahoo teilzunehmen. Wegen des Messetermins beginnt diese LV bereits vor dem Semesterstart. Zum Individuellen Mastervorhaben bzw. Integrierenden Projekt: Alle Studierende entscheiden sich für zwei Lehrende, die ihr Mastervorhaben studienbegleitend betreuen und sie regelmäßig für ein Feed-Back Gespräch treffen. In den Einzelterminen bzw. Plena werden die individuellen Ansaetze, Methoden und Instrumente für den weiteren Gestaltungsprozess vorgestellt und diskutiert. Der Fokus dieses Teilmoduls liegt dabei auf der Vertiefung und weiteren Ausarbeitung des individuellen Forschungsvorhabens zum Masterthema oder einem vertiefenden Integrienden Projektes. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, Instrumente und Methoden von Gestaltungsprozessen selbstständig zu analysieren, zu reflektieren, weiterzuentwickeln und zu interpretieren. Kooperationen und Austausch mit den Kommilitoninnen im Masterpool ID sind dabei ausdruecklich erwuenscht. Weitere Informationen bei Interesse an der Teilnahme am BA-Projekt: Veranstaltungsname …und ein vorerst letztes Mal Körbe: Die Mailand Design Woche. Veranstaltungsbeschreibung In diesem vorerst letzten Teil des von Alexander Sahoo und Ursula Zillig gemeinsam betreuten Gestaltungsprojekt zu textilen Techniken an den Schnittstellen zu Mode, Produkt und Raum werden wir die entstandenen Produkte und das Projekt in einem Ausstellungskonzept für die Ausstellungsplattform Alcova in Mailand zusammenbringen, mit einer Spedition versenden, und vor Ort auch gemeinsam präsentieren. Dafür werden wir mit Euch in zwei Gruppen vor Ort sein - Unterkünfte sind bereits gebucht und für die beiden Gruppenzeiten voraussichtlich finanziert: Wir sind vom Aufbau am 17.4. bis Abbau am 27.4. mit jeweils der Hälfte der Teilnehmer:innen in Mailand. Die erste Gruppe wird den Aufbau durchführen und in Schichten die ersten Messetage begleiten 17.4. bis 22.4. spätnachmittags, die zweite Gruppe reist Mittwoch, 22.4., bis abends an und bleibt bis Montag, 27.4. spätnachmittags. Teilnehmer:innen aus den Böcken A und B des Projektes „Möbel Mode Mailand...oder schon wieder Körbe?“ im vergangenen WiSe werden vorrangig bei der Anmeldung berücksichtigt. Neu dazukommende Teilnehmer:innen sind, sofern noch Plätze vorhanden, ebenfalls willkommen. Da die Blockzeiten vor der Designweek Teilnahme sehr knapp sind, werden wir bereits vor dem Semesterstart mit einen Workshop vom 23.3. bis 3.4. beginnen. Zusätzliche Informationen An- und Abreisekosten müssen selbst übernommen werden. Wer mehr als die sechs Tage (fünf Nächte) in Maliand verbleiben möchte kann dies gerne auf eigene Kosten tun. Geeignet für Englisch sprechende Studierende Ja CP 9 CP (Workload: je CP 25 Std., inklusive Selbstlernzeit) 9 CP bedeuten daher insgesamt 225 Arbeitsstunden. Davon sind 112 Stunden begleitet und beinhalten neben dem Entwurf der Ausstellung Eure aktive Teilnahme an den notwendigen Vor- und Nachbereitungsarbeiten der Ausstellung. 113 Stunden werden im Selbststudium erbracht. Prüfungsleistung Ausstellung in Mailand, fotografische Dokumentation Prüfungsform Gestalterischer Entwurf / Ausstellung Prüfungstermin(e) 19.4 – 26.4 (Ausstellung in Mailand) sowie Abschluss zum Kursende in KW 18 Prüfungskriterien - aktive, ausdauernde Teilnahme an allen Arbeitsschritten - soziale Integration in die Gruppenarbeit / Teamfähigkeit - Individueller Beitrag zu Entwurf, Organisation, Aufbau, Betreuung, und Abbau der Ausstellung Raum 3 12.060 und Halle 2 Tag/Zeit KW 13 – 18 (23.3.- 30.4.) KW 13 14: Di., Mi., Do. 10 – 17 Uhr, KW 15 Mi., Do., Fr. 10 – 17 Uhr KW 16 Di., Mi. 10 – 17 Uhr KW 17: Mailand Aufenthalt KW 18: Wird noch bekannt gegeben.
- Betreuung Individuelles Mastervorhaben (erstes Semester) bei Beat Brogle Der wesentliche Fokus im zweiten Semester liegt auf der Ausformulierung und Weiterentwicklung des Mastervorhabens, auf Designforschungsfragen und der selbständigen Aneignung entsprechender Skills. Ausgehend vom Exposé aus der Aufnahmeprüfung, dem Portfolio und der BA-Abschlussarbeit werden in den Plena die individuellen Ansätze, Methoden und Instrumente für den weiteren Gestaltungsprozess vorgestellt, reflektiert und diskutiert. Spätestens nach den ersten sechs Wochen entscheiden sich die Studierenden für mindestens einen, in der Regel zwei Lehrende, die ihr Mastervorhaben studienbegleitend betreuen. Individuell werden Gesprächstermine direkt mit den Betreuerinnen und Betreuern für Austausch und Feedback abgestimmt. Im Vergleich zum Bachelor nimmt das Selbststudium im Masterstudium einen wesentlich höheren Anteil ein. In den Werkstätten vertiefen die Studierenden in Rücksprache mit den Werkstattleiter*innen und Lehrenden ihre handwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, experimentieren zu ihren Entwürfen und eignen sich in Hinblick auf ihr Mastervorhaben und ihre Profilbildung benötigte Skills und Softskills an. Die Lehre findet in Form von Plena und in Einzelgesprächen bzw. idealerweise auch in Form von Teamarbeit oder intensivem Austausch mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen der HfK statt. Zusätzliche Informationen: Ich biete regelmäßig Plenen mittwochs von 10-13h im MA Pool an. (Erste Termine siehe unten und in Kürze auf Teams). Außerdem können zusätzlich Einzelgespräche vereinbart werden. In diesem Semester biete ich im BA einen Exkursion nach Chisinau in der Republik Moldau an und es gibt leider nur sehr begrenzte Plätze. Bitte kontaktieren sie mich bei Interesse gleich zu Beginn des Semesters. ---
- Betreuung Individuelles Mastervorhaben (zweites Semester) bei Beat Brogle Der wesentliche Fokus im zweiten Semester liegt auf der Ausformulierung und Weiterentwicklung des Mastervorhabens, auf Designforschungsfragen und der selbständigen Aneignung entsprechender Skills. Ausgehend vom Exposé aus der Aufnahmeprüfung, dem Portfolio und der BA-Abschlussarbeit werden in den Plena die individuellen Ansätze, Methoden und Instrumente für den weiteren Gestaltungsprozess vorgestellt, reflektiert und diskutiert. Spätestens nach den ersten sechs Wochen entscheiden sich die Studierenden für mindestens einen, in der Regel zwei Lehrende, die ihr Mastervorhaben studienbegleitend betreuen. Individuell werden Gesprächstermine direkt mit den Betreuerinnen und Betreuern für Austausch und Feedback abgestimmt. Im Vergleich zum Bachelor nimmt das Selbststudium im Masterstudium einen wesentlich höheren Anteil ein. In den Werkstätten vertiefen die Studierenden in Rücksprache mit den Werkstattleiter*innen und Lehrenden ihre handwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, experimentieren zu ihren Entwürfen und eignen sich in Hinblick auf ihr Mastervorhaben und ihre Profilbildung benötigte Skills und Softskills an. Die Lehre findet in Form von Plena und in Einzelgesprächen bzw. idealerweise auch in Form von Teamarbeit oder intensivem Austausch mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen der HfK statt. --- The primary focus in the second semester is on articulating and further developing the Master’s project, formulating design research questions, and independently acquiring the relevant skills. Building on the exposé from the entrance examination, the portfolio, and the Bachelor’s thesis, students present, reflect upon, and discuss their individual approaches, methods, and tools for the ongoing design process in plenary sessions. No later than six weeks into the semester, students choose at least one—usually two—supervisors who will support their Master’s project throughout their studies. Individual meetings for exchange and feedback are arranged directly with the respective supervisors. Compared to the Bachelor’s program, independent study plays a significantly larger role in the Master’s curriculum. In the workshops, students deepen their practical skills and craftsmanship in consultation with workshop instructors and faculty, experiment with their designs, and acquire the technical and soft skills necessary for their Master’s project and individual profile development. Teaching takes place in plenary sessions and individual consultations, and ideally also in team-based formats and through intensive exchange with fellow students at HfK.
- Mentoring bei Beat Brogle Das Mentoring unterstützt die Studierenden individuell in ihrem Studienverlauf bei Fragen der Or-ganisation und Struktur und gibt Tips zu Lerntechniken, beispielsweise bei Prüfungsschwierigkeiten. Bedürfnisse, Erfahrungen, Fähigkeiten, aktuelle und zukünftige Herausforderungen, Wünsche und Probleme der Studierenden in Bezug auf das Studium stehen hierbei im Vordergrund. In den Treffen wird u.a. die Modulwahl besprochen, der Umgang mit der Selbstlernzeit, Probleme mit CP's, Ideen für Tätigkeiten nach dem Studium und ggf. an professionelle Anlaufstel-len weitergeleitet. Unter Berücksichtigung der Regelstudienzeit sollen die Studierenden, das Bestmögliche für sie aus dem Studium an der HfK herauszuholen Auch die frühzeitige Planung, Durchführung und Nachbereitung ihres Auslands- oder Praxissemesters betreuen die Mentoren. Außerdem bietet das Mentoring Programm Unterstützung bei der Selbstorganisation, sowie Orientierung bei der zunehmenden Digitalisierung des Studiums. Neben der Präsenzlehre von 8h sind 42h für die Vor- und Nachbereitung der gemeinsamen Termine und der begleitenden Dokumentation einzuplanen ---
- Spezialisierung Werkschau bei Beat Brogle Studierende, die mich als Betreuer gewählt haben, können individuelle Gesprächstermine mit mir vereinbaren oder an den von mir angebotenen Plenen teilnehmen. ---
- Werkschau und Begleitung BA bei Beat Brogle Übersicht der Kurstermine: Nach Absprache ---

