Ein Opernabend, der zwei Welten verbindet und doch eine gemeinsame Frage stellt: Was ist wirklich wichtig im Leben? Die Hochschule für Künste Bremen lädt zu einem außergewöhnlichen Doppelabend ein, in dem sich barocke Klangpracht und surrealistische Moderne gegenseitig spiegeln und verstärken. Im ersten Teil präsentiert die Alte Musik Abteilung unter der Leitung von Detlef Bratschke ein Opern-Pasticcio nach Werken von Henry Purcell, entwickelt nach einer Idee von Kobie van Rensburg. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die ihren runden Geburtstag vorbereitet und voller Vorfreude ihre Freunde und Familie erwartet. Doch kurz bevor die Gäste eintreffen, erhält sie von ihrem Arzt eine Diagnose, die ihr Leben aus den Angeln hebt. Das folgende musiktheatralische Geschehen zeigt mit feinem Humor und berührender Tragik, wie brüchig vermeintlich stabile Freundschaften werden können, wenn Trost und Hilfe ins Leere laufen. Wie begegnet man einem Menschen, dessen Welt gerade zerfällt? Was sagt man, wenn jedes Wort falsch klingt? Und wie findet man selbst Halt, wenn man helfen möchte und doch nur hilflos ist? Das Pasticcio wird zu einer leisen, zugleich kraftvollen Auseinandersetzung mit der Frage, was im Leben Bestand hat, wenn Gewissheiten verschwinden.
Im zweiten Teil schlägt der Abend einen radikalen Bogen in die Moderne: Die Klassische Abteilung der HfK bringt gemeinsam mit dem Hochschulorchester unter der Leitung von An-Hoon Song Francis Poulencs Oper Les mamelles de Tirésias auf die Bühne. In grotesker Überzeichnung erzählt das Werk von Thérèse, die genug hat vom ständigen Blick durch die Brille männlicher Erwartungen. Sie sprengt die Grenzen ihres Geschlechts, verweigert sich der Rolle der Gebärenden und überlässt diese Aufgabe ihrem Mann – der daraufhin in einer Art surrealem Labor täglich 40.050 Kinder produziert und damit den Staat ins ökonomische Chaos stürzt. Guillaume Apollinaire, der das Libretto nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg schrieb, entwarf eine surrealistische Hymne auf das Leben, auf Veränderung und auf die Freiheit, gesellschaftliche Rollen zu tauschen. Die Oper zeigt, wie Gesellschaften seit jeher zwischen konservativen und liberalen Polen pendeln, oft ausgelöst durch Krisen oder Kriege. Sie feiert eine Zeit, die unserer Gegenwart erstaunlich nahe ist, und kritisiert zugleich eine Welt, die zunehmend von Ökonomie, Egoismus und schwindender Empathie geprägt ist. Gerade weil Geschichte sich wiederholt und neue Konflikte am Horizont drohen, bleibt dieses Werk erschreckend aktuell.
So entsteht ein Abend, der zwischen heiterer Leichtigkeit und existenzieller Tiefe pendelt, zwischen barocker Intimität und surrealistischem Überschwang. Ein Abend, der uns zum Lachen aber auch zum Nachdenken bringt. Und der uns daran erinnert, dass Musiktheater nicht nur Geschichten erzählt, sondern uns immer wieder neu fragt, wie wir leben wollen – und wie wir miteinander umgehen.
- Musikalische Leitung: Prof. Detlef Bratschke
- Regie: Prof. Ansgar Weigner
- Regieassistenz: Nae Kohatsu Matakas
- Video: Erik Wälz (Digitale Medien, Klasse Prof. Ralf Baecker)
- Kostüme/Bühnendekoration: Studierende der Klassse Prof. Heike Kati Barath (Figurative Malerei)
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Seven – Opern-Pasticcio mit Musik von H. Purcell nach einer Vorlage von Kobie van Rensburg
Barockensemble der Alten Musik, Leitung: Prof. Detlef Bratschke
Lara: Rebecca Bottari | Nunu: Francisco Valente Goncalves Henriques
Samuel: Aaron Paul Schmitt | Rocco: Luca David Segger | Chelsea: Seran Oh | Jennifer: Cora Theobald | Mohab: Gerrit Arne Schneider | Harald: Leonard Johannes Kiefer | Tim: Christopher Charles Joseph Neale | Dick: Jakob Jänig | Romely: Isabel Chrostek
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„Les mamelles de Tirésias“ von Francis Poulenc
Projektchor und Hochschulorchester, Leitung: An-Hoon Song
Solisten:
Thérèse/La cartomancienne: Madoka Sakai, Shiyi Huang, Tianyi Xiong | La marchande de journaux: Xinnan Huang | La dame elegante: Tianyi Xiong, Zhangtianyi Li | La dame grosse: Annelie Franke, Bella Gutay
Le mari: Fabian Geier, Francisco Henriques | Le Gendarme: Runyu Jiang
Le directeur: Hwanyeong Jeong | Presto/Le monsieur barbu: Sangwoo Choi, Wenzhuo Jiang | Lacouf=Lacouffe: Yein Kim, Yujia Ding | Le Journaliste: Chaoyan Yang | Le fils=La fille: Ida Grotke, Lotta Wolter
Chor:
Tianyi Xiong, Zhangtianyi Li, Ida Grotke, Lotta Wolter, Lioba Brändle (Sopran) | Seungmin Baek, Annelie Franke, Bella Gutay (Alt) | Alexander Schmidt, Yein Kim, Yujia Ding, Chaoyan Yang (Tenor) | Shirui Liang, Jakob Jänig, Christopher Neale, Sangwoo Choi, Wenzhuo Jiang, Hwanyeong Jeong (Bass)
Hochschulorchester:
Flöte: Ekaterina Rozhdestvenskaya, Jinyi Wang, Elise Godin, Huixin Chen | Oboe: Kaipeng Wang, Yingchen Chen, Yuzhe Jiang, Leiye Qiu | Klarinette, Bassklarinette: t.b.a. | Fagott: Ting-Chih Liang, You-Rong Chen, Hyunshin Kim | Horn: Maki Fujimoto, Gonçalo Ferreira, Estrella Prada Ramírez, Maximilian Faust | Trompete: Biel Pelfort Bartoló, Yi-Hsin Chuang, José María García Heras, Patrick Rohloff | Posaune: Roman Lokhmachev, Alexander Lehmbecker | Tuba: Sota Yamamoto | Pauke/Schlagwerk: Sebastián Cartes Chaparro, Hyeonyu Goh, Xueou Chen | Harfe: Jara Egen | Klavier: Jintao Zhu, Weier Zeng | Violine I: Johanna Baron (KM), Hirona Ise, Xingfeng Luo, Miao Liu, Chih-Ning Yang, Yu-Ci Yang, Pia Constanza Barrios Gomez, David Rosenberg (KM), Seewoo Park, Lina Zakharava, Miao Liu, Hirona Ise, Yun-Chen Wu, Till Funk | Violine II: Alvaro Cordova Luna (KM), Sinhá Winkler, Shuyu Wang, Claudia Jung, Shuran Yang, Yung-Hsi, Amèlia Fellows Morey (SF), Chiara Stanese, Mariami Zdragat, Sinhá Winkler, Yung-Hsi Ko, Claudia Jung | Viola: Elias Falk (SF), Facundo Ortega, Siyu Xiang, Audrey Monfils, Joaquin Leon Fernandez (SF), Tunya Sahin, Liam Marong, Polet Silva Lorca | Violoncello: Michael Schorr (SF), Zoya Chumachenco, Clemens Parketny, Yijia Liu, Vaughan Kennedy Mc Lea (SF), Zofia Momot, Yuhe Yang, Luca Miedek | Kontrabass: Hanbit Lee, Mingnan Guan, Dong-Seong Min, Ke-Ching Chen, Fridtjof Springer, Xiangji Hu
Änderungen vorbehalten.
Wichtige Informationen
Eintritt: € 25 / 15 ermäßigt

