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Bewerbungszeitraum für das Sommersemester 2026 – Integriertes Design (M.A.): 1.12.2025–12.1.2026

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Vortrag
Donnerstag | 8. Januar 2026 10:00 Uhr

Oceanographic images and photography’s aqueous origins

Hochschule für Künste Bremen | Unterricht 1 (1.07.060)
Vergangene Veranstaltung

Wie können sich photographische und kuratorische Praxis ändern, wenn sie
durch ozeanisches Denken statt durch feste visuelle Regime verstanden
werden? Nuria Bofarull greift die aquatischen Ursprünge der Photographie
– geprägt durch Wasser, Chemie, Licht und atmosphärische Bedingungen –
auf, um das Medium jenseits stabiler Bilder und linearer Erzählungen neu
zu denken. In Anlehnung an die Blue Humanities und Kaja Silvermans
"Water in the Camera" wird Fotografie als ein fließender, relationaler
Prozess betrachtet, der eher durch Eintauchen, Zirkulation und
materielle Instabilität als durch repräsentative Gewissheit geprägt ist.
Die kuratorische Praxis wird als eine Kraft ähnlich den Gezeiten neu
definiert, die Raum für erfahrungsorientierte, prozessbasierte und
ökologische Formen der Bedeutungsbildung schafft.

In Erweiterung dieser Perspektive untersucht der Vortrag Klimamodelle
und Klimamodellbilder als narrative Werkzeuge statt als neutrale
Darstellungen. Am Beispiel von Daisyworld, einem grundlegenden
Klimamodell, untersucht Benjamin Lewin, wie Modelle Geschichten über
Planetensysteme, Handlungsfähigkeit und Homöostase konstruieren.
Klimamodelle nehmen oft eine distanzierte Perspektive der Erde "aus dem
Weltraum“ ein, obwohl ihre Stärke darin liegt, sich entfaltende Prozesse
statt feststehende Wahrheiten aufzudecken. Indem sie Überraschungen,
Relationalität und situative Erfahrungen in den Vordergrund stellen,
können Modellbilder die Kluft zwischen abstrakten Klimasystemen und
gelebten Umweltrealitäten überbrücken.

Der Vortrag endet mit der Fallstudie des Oceanographies Collective über
angewandte ozeanografische Methoden. An der Schnittstelle von Kunst,
Wissenschaft und Gesellschaft entwickelt das Kollektiv Ausstellungen,
Feldforschungen und öffentliche Veranstaltungen, die komplexes marines
Wissen in anschauliche, zugängliche Formen übersetzen. Als lebendiges
Laboratorium zeigt das Kollektiv, wie ozeanografisches Denken
fotografische Erzählungen, kuratorische Strategien und
Klimaberichterstattung neu gestalten kann, um Fürsorge, Verantwortung
und neue Vorstellungen für die Zukunft der Ozeane zu schaffen.

Nuria Bofarull ist Kuratorin und storyteller und lebt in Amsterdam. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Meeresgeschichten, Meeresökologie und zeitgenössischer Fotografie, um Empathie für den Ozean, ökologische Wiederherstellung und spekulative maritime Vorstellungswelten zu schaffen. Sie leitet das Kommunikationsmanagement für verschiedene Projekte der Abteilung für Küstensysteme am NIOZ – Niederländisches Institut für Meeresforschung. Als Mitbegründerin und künstlerische Leiterin des Oceanographies Collective entwickelt sie forschungsorientierte und kunstgetriebene Projekte, die Künstler:innen, Wissenschaftler:innen, Forscher:innen und Küstengemeinden zusammenbringen, um kritische, multidisziplinäre Auseinandersetzungen mit dem Ozean durch immersive Formate zu imaginieren und zu aktivieren. 
Zuletzt war Bofarull Kuratorin und Dozentin des Exhibition Labs „Unframing & Unfolding Photography” im Masterstudiengang Fotografie an der KABK (Königliche Akademie der Bildenden Künste, Den Haag) und arbeitete mit Institutionen wie Buro Stedelijk, FOTODOK und dem Amsterdam Museum zusammen.

Benjamin Lewin leitet den Forschungsbereich im Oceanographies Collective. Er arbeitet an der Entwicklung von Praktiken zum Aufbau von Beziehungen, die starke Citizen-Science-Komponenten beinhalten. Diese Praktiken basieren auf künstlerisch-wissenschaftlichen Prinzipien und stehen im Einklang mit dem künstlerischen und poetischen Aufbau von Beziehungen zwischen Mensch und Ozean. Er interessiert sich seit langem für die Beziehungen zwischen Menschen und dem Nicht-Menschlichen sowie für die (Neu-)Positionierung und die Stimmen aus dem Bereich des Nicht-Menschlichen innerhalb von Natur-Kultur-Debatten durch die Verflechtung verschiedener Arten von Wissen und Wahrnehmungsformen. Daher erforscht er diese Themen auch durch Kunst, indem er kreative nonfiction, Malerei und Textilkunst einsetzt.

Der Vortrag findet hyprid statt und wird online gestreamt. 

Hochschule für Künste Bremen Am Speicher XI 7 28217 Bremen
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