Talk
Wednesday | 1 July 2026 6 p.m.

Fine Arts Lecture Series – Lena Bader

University of the Arts Bremen | Auditorium (1.09.060)
© Guillaume-Silvestre Delahaye, Florindie, ou histoire physico-économique des végétaux de la Torride, 1789

Maniok – eine transkulturelle Wurzel?

Der Vortrag befragt die vielschichtigen Biografien der Maniokwurzel (mandioca) als visuelles Palimpsest in einem kolonialen und postkolonialen Gefüge. Ausgehend von ihrer indigenen Domestizierung und der darauffolgenden Zwangsmigration im Zuge des transatlantischen Sklavenhandels wird aufgezeigt, wie Maniok von einer überlebenswichtigen Infrastruktur kolonialer Abhängigkeit zu einem hochgradig politisierten Symbol avancierte. Maniok erscheint hierbei als Ko-Autor einer geteilten, von Gewalt und Widerstand geprägten Globalgeschichte. Durch die Analyse historischer Reiseberichte bis hin zu exotisierendenIllustrationen der Mani-Legende eröffnet das visuelle Archiv einen Raum der Widersprüche und der Koexistenz heterogener Schichten, der sich simplen Binaritäten entzieht. Maniok als transkulturelle Wurzel zu befragen bedeutet, produktive Kontaminationen anzuerkennen, um die unaufgelösten Paradoxien afro-brasilianischer und indigener Erinnerungskulturen als offenen Dialograum zu bewohnen.

Lena Bader ist Forschungsleiterin am Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris. Sie studierte Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie 2011 promovierte. Anschließend war sie an verschiedenen Forschungsinstitutionen in Deutschland und im Ausland tätig (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Bildarchiv Foto Marburg, eikones – NFS Bildkritik, Basel u.a.). Ihre Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Kunstgeschichte und Kulturtheorie. In ihrer Dissertation verfolgte sie eine bildkritische Perspektive auf die Wissenschaftsgeschichte der Kunstgeschichte; am DFK Paris erweiterte sie diesen bildwissenschaftlichen Ansatz um Fragen der Transkulturalität. Ihr Habilitationsprojekt untersucht anhand ausgewählter Kontaktmomente zwischen Brasilien, Frankreich und Deutschland, wie Bilder als Orte der Aushandlung transkultureller, relationaler Identitäts-konzepte agieren. 2016 initiierte sie gemeinsam mit Thomas Kirchner das Programm Travelling Art Histories. Transregionale Netzwerke im Austausch zwischen Lateinamerika und Europa.  Aktuell leitet sie mit Anne Lafont (EHESS) das Seminar „Objetstransculturels“. 

University of the Arts Bremen Am Speicher XI 8 28217 Bremen
Google Maps
Lecture hall in Speicher XI, HfK Bremen, with arranged chairs in a semi-circle, bags placed on each seat, and a projected typography display on the wall.