Laute(r) Weltklasse
Internationale Creme der Lautenisten bei der Bremer Lautenakademie an der HFKInternationale Creme der Lautenisten bei der Bremer Lautenakademie an der HFK / Öffentliche Konzerte mit Paul O’ Dette, Michael Freimuth , Lee Santana und Ariel Abramowich
In der Renaissance galt die Laute unumstritten als Königin aller Instrumente und trug den stolzen Titel der "regina omnium instrumentorum musicorum". Für das 16. Jahrhundert war sie vollkommenstes musikalische Ausdrucksmittel. Lautenisten wie dem Engländer John Dowland (1563-1626) oder dem Italiener Francesco da Milano (1497-1543), genannt "il divino" der Göttliche, verdanken wir einen großartigen Schatz bedeutender Kompositionen für Laute. Von Dowland sind etwa 100 Kompositionen für Laute solo erhalten. Sie gehören zu den anspruchsvollsten und ausgereiftesten Werken für dieses Instrument und zählen heute zum festen Repertoire nahezu aller Lautenisten und klassischer Gitarristen. Diese musikalischen Schätze dem zwischenzeitlich drohenden Vergessen entrissen und erneut zum Strahlen gebracht zu haben, ist zweifellos ein herausragendes Verdienst der wissenschaftlichen und künstlerischen Beschäftigung mit alter Musik, wie sie in den letzten Jahrzehnten bei Musikwissenschaftlern und Musikern wie auch bei einem breiten Konzertpublikum gewachsen ist. Auch die Hochschule für Künste mit ihrer renommierten Abteilung für Alte Musik hat dazu vielfältige Beiträge geleistet.
Mit Paul O’Dette, Michael Freimuth, Ariel Abramovich und Lee Santana gibt sich die heutige Weltelite des Lautenspiels im Rahmen der Bremer Lautenakademie an der Hochschule für Künste vom 8. bis 10. Mai 2009 ein Stelldichein in Bremen. Neben Meisterkursen, Vorträgen und Workshops hat die auch die Öffentlichkeit die Gelegenheit, in drei Konzerten die hohe Kunst des Lautespiels in Vollendung zu erleben.
1. Konzert:
Musik von Silvius Leopold Weiss
Michael Freimuth, Warnau/D, Laute
auf einer originalen Posch-Laute (von 1740)
Freitag, 8. Mai 2009, 20 Uhr
Kirche Unser Lieben Frauen Bremen
2. Konzert:
Werke von John Dowland
Paul O’Dette, Rochester/US, Laute
Samstag, 9. Mai 2009, 20 Uhr
Galerie der Hochschule für Künste,
Dechanatstraße 13 -15
3. Konzert:
“Silva de Sirenas”
Vihuelen-Duette von Enriquez de Valderrábano
Lee Santana, Bremen/D und Ariel Abramovich, Sevilla/E
Sonntag, 10. Mai 2009, 11 Uhr
Galerie der Hochschule für Künste,
Dechanatstraße 13-15
Paul O’Dette gilt heute weltweit als einer der bedeutendsten Lautenisten. Sein Spiel setzt anerkannt Maßstäbe hinsichtlich technischer und stilistischer Ausführung Alter Musik. Dabei verkörpert Paul O’Dette die perfekte Kombination von historischem Bewusstsein, Werktreue und selbstbewusster Ausdrucksstärke. Seine Solorecitals bei den internationalen Festivals von London, Bath, Paris, Montpellier, Amsterdam, Utrecht, Brügge, Antwerpen, Berlin, Wien, Innsbruck, Prag, Mailand, Florenz, Madrid, Barcelona, Kopenhagen, Oslo, Cordoba, St. Petersburg, Moskau, Montevideo, Buenos Aires, Melbourne und Tokyo wurden meist als Höhepunkte der Veranstaltungen gefeiert. Neben seiner solistischen Tätigkeit konzertiert er mit vielen führenden Solisten und dem Ensemble Tragicomedia.
Paul O’Dette hat mehr als 120 CD-Aufnahmen vorgelegt, von denen viele für den Grammophonpreis Record of the year nominiert wurden. Er erhielt den Diapason D’or de l'année für die Gesamteinspielung von Dowlands Lautenmusik und viele weitere Auszeichnungen. Seit 1997 leitet er verschiedene Aufführungen von Barockopern für renommierte Festivals wie dem Boston Early Music Festival, Drottningholm Court Theatre Schweden oder Utrecht Early Music Festival, wobei auch hier verschiedene Opernaufnahmen für den Grammy nominiert wurden. Paul O’Dette ist Professor für Laute and Leiter der Abteilung Alte Musik an der Eastman School of Music Rochester/USA und künstlerischen Leiter des Boston Early Music Festival.
Michael Freimuth gehört zu den gefragten Solisten und Continuospielern auf der Laute, Theorbe und Gitarre. Sein Repertoire reicht dabei von der frühen Renaissance bis zum romantischen Lied. Zu seinen Lehrern gehörten Karl Scheit, Konrad Ragossnig und Konrad Junghänel. Seine Konzerttätigkeit führte ihn zur Zusammenarbeit mit namhaften Interpreten wie C. Abbado, P. Angerer, F. Bernius, I. Bolton, R. Jacobs, E. Kirkby, H. Max, M. Schneider, dem Freiburger Barockorchester, O. di Lasso Ensemble, La Petite Bande, Concerto Köln, Bell’Arte Salzburg u.a. Neben regelmäßigen Auftritten mit dem Balthasar-Neumann-Chor unter Thoma Hengelbrock ist Michael Freimuth der Lautenist des
Vokalensembles „Himlische Cantorey“ Hamburg. Im vergangenen Jahr nahm er als erster die auf Schloss Rohrau in Niederösterreich wieder entdeckten Werke von Silvius Leopold Weiss auf.
Ariel Abramovich wurde 1976 in Buenos Aires geboren. Ursprünglich brachte sein Interesse an Rock, Jazz und lateinamerikanischer Musik ihn zur Gitarre. Eine hervorragende Ausbildung in klassischer bei José Luis Merlín und Miguel de Olaso schloss sich an. Ariel Abramowich konzentrierte sich auf das Studium alter Instrumente. Von 1996 bis 1999 studierte er bei Hopkinson Smith an der Schola Cantorum Basiliensis (Basel, Schweiz). Dort hatte er auch Gelegenheit mit Künstlern wie Anthony Rooley, Dominique Vellard und Crawford Young zusammenzuarbeiten. Er gilt heute als einer der herausragenden Spezialisten des musikalischen Repertoires für Laute und Vihuela in der alten Musik.
Lee Santana kommt aus einer Musikerfamilie im nordamerikanischen Bundesstaat Florida. Als Kind hat er gerne Jazz- und Rockmusik gespielt und weniger gern Klassik. Später umgekehrt. Nach langen Umwegen erhielt er Diplome mit 'summa cum laude'-Auszeichnungen des Emerson Colleges in Boston (Massachusetts) in den Fächern Aufführungspraxis für Alte Musik und Musiktheorie. Seine Lautenlehrer waren u.a. Pat O'Brien und Steve Stubbs.
Seit 1984 wohnt er als freischaffender Lautenist und Komponist in Europa. Er ist in allen bekannten europäischen Festivals und Konzertorten für Alte Musik aufgetreten und lehrt seit 2006 auch an der Hochschule für Künste Bremen. Seine Arbeit als Solist, Continuospieler und Komponist ist auf über 50 CD-Produktionen dokumentiert.
Sein Hauptprojekt ist seine Arbeit mit der Gambistin Hille Perl, entweder als Duo, oder mit ihrer Gruppe 'Los Otros'. Weitere Schwerpunkte sind die Ensembles 'Sirius Viols' und 'The Age Of Passions' sowie seine Arbeit als Solist.