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Thursday | 10 November 2011

Leben für die Kunst – Leben von der Kunst

Die Hochschule für Künste Bremen startet Mentoring-Programm für Studentinnen

Die Hochschule für Künste Bremen startet Mentoring-Programm für Studentinnen, Bewerbung bis zum 20.  November!

Ziel des Programms ist es, die Teilnehmerinnen auf ihre professionelle Positionierung in kreativen und künstlerischen Berufsfeldern vorzubereiten. „Neben der künstlerischen Kompetenz sind besonders unterstützende Netzwerke und persönliche Kontakte wichtig, um sich im Kunstkontext nachhaltig zu verorten. Wir möchten erreichen, dass unsere Studentinnen später von ihrer Kunst auch leben können“, sagt Programmleiterin Ose Leendertz aus dem Frauen- und Gleichstellungsbüro der HfK.
Ein Jahr lang, bis zum Oktober 2012, arbeiten Kunst-, Design-, Digitale Medien- und Musikstudentinnen zusammen daran, ihre individuellen Berufsziele zu definieren, zu überprüfen und zu erreichen. Alle Teilnehmerinnen (Mentees) arbeiten mit einer Mentorin/einem Mentor der eigenen Wahl zusammen. In diesen „Tandems“ sollen sie individuellen Rat in erhalten und von der Erfahrung der Mentorin/des Mentors profitieren. Wichtige Schlüsselkompetenzen für die persönliche Laufbahnplanung werden in Seminaren vermittelt. Die Programmleiterin hofft zusätzlich, dass aus der Kooperation der Studentinnen aus beiden Fachbereichen der HfK ein spannendes transdisziplinäres Projekt hervorgeht.

Insgesamt stehen zwölf Plätze für Studentinnen der Hochschule für Künste in dem Mentoring-Programm zur Verfügung. Ausländische Studentinnen sind besonders aufgefordert sich zu bewerben. „Oft ist ein Arbeitsvertrag die einzige Möglichkeit nach dem Studium in Deutschland bleiben zu können.“ erklärt Dörthe Warneke. 

Bewerbungsschluss ist der 20. November 2011.

Die Hochschule für Künste Bremen startet hier etwas ganz Neues. Vorbilder für das Mentoring-Programm der Hochschule für Künste gibt es nicht. Das Mentoring-Programm der Universität der Künste Berlin etwa hat seine Teilnehmerinnen klar auf das Berufsziel „Professorin“ vorbereitet. Ein ähnliches Programm im Bundesland Sachsen wiederum wendet sich ausschließlich an Musikerinnen und Musiker und berücksichtigt den Geschlechteraspekt nur am Rande. „Für uns ist das ein zentrales Thema.“ erläutert Dörthe Warneke, Zentrale Frauenbeauftragte der HfK. Nicht nur in Bremen sondern auch bundesweit schließen mehr Frauen als Männer ein Kunst- oder Musikhochschulstudium erfolgreich ab. „Wir fragen uns, was mit dieser großen Anzahl an Absolventinnen nach dem Studium geschieht, wo sie bleiben. Langfristig ist es unser Ziel, dass mehr Frauen in Kunst und Musik sichtbar werden.“ fährt sie fort.

Tatsächlich zeigen die aktuellsten Studien immer noch eine nach Branchen unterschiedlich stark ausgeprägte Unterrepräsentanz von Frauen in Kunst und Musik. Unter den „100 bedeutendsten Künstlern“ ist nur rund jede fünfte Person eine Frau. In der Malerei schafft es gar nur ein Frau unter die wichtigsten 100, die Niederländerin Marlene Dumas. Die Dirigentinnen-Quote liegt in Deutschland bei knapp 3%. Auch vor diesem Hintergrund setzt die Hochschule für Künste Bremen bewusst Schwerpunkte bei der Förderung von Chancengerechtigkeit und hat sich beispielsweise erfolgreich für das Professorinnenprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beworben.

Eine Stärkung der Berufsorientierung und Vorbereitung auf das Leben nach dem Studium als Gestalterin oder Gestalter, Musikerin oder Musiker, Künstlerin oder Künstler ist auch für HfK-Rektor Professor Dr. Manfred Cordes wichtig: „Natürlich geht es uns zunächst hauptsächlich um die persönliche und künstlerische Entwicklung unserer Studierenden.“ erklärt Cordes. „Aber wir wollen schon während des Studiums dazu beitragen, dass unsere Absolventinnen und Absolventen anschließend gut vorbereitet ihren Weg ins Berufsleben finden und von ihrer Kunst auch leben können.“

Derzeit sind beispielweise die Verdienstaussichten für Frauen schlechter als für ihre Kommilitonen: Kunst von Männern wird durchschnittlich 10% teurer gehandelt als Kunst von Frauen. Und Leitungspositionen, zum Beispiel in Musikschulen, werden immer noch überwiegend mit Männern besetzt. Bei den Musikschulen sind es knapp 80%. „Das heißt aber nicht, dass alles trist und aussichtslos ist“ versichert Programmleiterin Ose Leendertz. Gerade in künstlerischen Berufskontexten eröffnen sich spannende und besonders vielfältige Tätigkeitsfelder. Diese erfordern oft ein hohes Maß an Arbeitsautonomie und Flexibilität und eben funktionierende, stützende Netzwerke. Um hier erfolgreich zu sein, muss man Kontakte und Möglichkeiten gut nutzen können und darf sich selbst und die eigenen Ziele nicht aus den Augen verlieren. Das kann man alles lernen. Und das sind auch die Inhalte Mentoring-Programms der HfK.