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Thursday | 6 September 2012

Musikfest-Preis 2012 für Harald Vogel

Organist und Professor an der HfK wird für seine Verdienste um das Erbe Arp Schnitgers geehrt

Der Organist, Orgelforscher und Professor an der Hochschule für Künste Harald Vogel erhält den Musikfest-Preis Bremen 2012. Mit dem Musikfest-Preis zeichnet das Festival seit 1998 jährlich bedeutende Solisten, Ensembles, Orchester und Dirigenten aus, die durch ihr herausragendes künstlerisches Wirken in der internationalen Musikwelt eigenständige Akzente gesetzt haben. Preisträger der vergangenen Jahre waren u. a. Sir John Eliot Gardiner, Jessye Norman, Nikolaus Harnoncourt, Marc Minkowski, Hélène Grimaud und Masaaki Suzuki.

Harald Vogel, geboren 1941 in Ottersberg bei Bremen, gilt als weltweit führende Autorität auf dem Gebiet der norddeutschen Orgelmusik. Er gründete 1972 die Norddeutsche Orgelakademie mit dem Ziel, die alte Spielweise auf den originalen Orgeln zu vermitteln. Harald Vogel hat in aller Welt konzertiert und umfangreiche Lehraufträge an renommierten Instituten inne, durch die er zahlreiche Organisten und Orgellehrer in ihrer Spielweise beeinflusst hat. Seit 1994 ist er als Professor an der Hochschule für Künste Bremen tätig. Als Orgelsachverständiger hat er zahlreiche Restaurierungs- und Neubauprojekte in aller Welt betreut, u. a. für Stanford University und Wellesley College in den USA, die Universität Göteborg und für Kirchen in Japan, Frankreich, Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Bei der Restaurierung zahlreicher Schnitger-Orgeln hat er als Orgelsachverständiger mitgewirkt. Unter seinen vielen Einspielungen besitzen die Aufnahmen historischer Instrumente, die für Radio Bremen zwischen 1961 und 1976 gemacht wurden, heute bereits einen wichtigen dokumentarischen Wert. Für seine Einspielung der Orgelwerke von J. P. Sweelinck erhielt er den Musikpreis ECHO Klassik 2012 (Interpret des Jahres). Daneben rief Harald Vogel 1981 das Dollart-Festival als erstes grenzüberschreitendes Festival für Alte Musik in Europa ins Leben und gründete 1997 das Organeum in Weener. Von Harald Vogel stammen zahlreiche Veröffentlichungen, wie die kritischen Neuausgaben der Orgelwerke von S. Scheidt, J. P. Sweelinck, V. Lübeck und N. Bruhns. Weiterhin legte er grundlegende Bildbände zu den historischen Orgeln in Niedersachsen vor. 2009 erschien der informative Band zu „Arp Schnitger und sein Werk“.

„Auf dem Gebiet der Wiederbelebung der norddeutschen Orgelkultur ist Harald Vogel die zentrale Galionsfigur, ohne die diese Entwicklung nicht denkbar wäre. Dank seiner Lehrtätigkeiten und Gastprofessuren an führenden Musikhochschulen in Europa, den USA und Japan, gibt es unter den heute führenden Organisten wohl kaum einen, der nicht das nordwestdeutsche Orgelparadies zwischen Ems, Weser und Elbe während seiner Ausbildung oder im Rahmen von Freisemestern hautnah durch ihn vor Ort kennen und schätzen gelernt hat. Diese mittlerweile über vier Jahrzehnte währende Wechselwirkung durch den kontinuierlichen Austausch zwischen der norddeutschen Orgellandschaft und der internationalen Orgelwelt hat erst die Grundlage geschaffen, um vor Ort das Bewusstsein der Öffentlichkeit für diesen weltweit einmaligen Schatz an Instrumenten zu schärfen und deren Restaurierung und Bewahrung für nachkommende Generationen so erfolgreich voranzutreiben. Seine Vermittlung der alten Spielweisen auf den historischen Instrumenten und die damit einhergehende kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Handwerkskunst Arp Schnitgers ist zudem ein ständiges Korrektiv für die unterschiedlichen Herangehensweisen an die jeweilige Orgelliteratur. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Harald Vogel auf dem Gebiet der Organologie ein Weltstar ist so wie es Arp Schnitger für die dazugehörigen Instrumente ist“, begründet die Jury die Entscheidung. Auch das seit 2010 im Rahmen des Musikfest Bremen ausgetragene Arp-Schnitger-Festival mit dem biennal ausgetragenen Internationalen Orgelwettbewerb und den jährlich durchgeführten Solo- und Ensemble-Konzerten hätte ohne seine beratende Funktion nicht diesen durchschlagenden Erfolg und die internationale Aufmerksamkeit finden können.