Review
Friday | 4 March 2016

Oscar-Klänge aus Bremen

HfK-Studenten haben an Filmmusik von „The Revenant“ mitgewirkt

Wenn sie im Kino sitzen, achten die HfK-Musikstudenten David Gutfleisch und Felix Ernst besonders auf die Filmmusik – eine im Laufe des Studiums automatisch entwickelte Angewohnheit, so die beiden. Doch als sie den Film „The Revenant – Der Rückkehrer“ sahen, der gerade in mehreren Kategorien mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, hingen sie förmlich an jedem Ton, denn ein Teil des Sounds stammt aus den Händen der Schlagzeuger. Als Mitglieder des „Frantic Percussion Ensembles“ konnten die Studenten am Soundtrack des Hollywoodstreifens mitwirken.

Als das Lüneburger Ensemble angefragt wurde, in einem Hamburger Tonstudio Filmmusik einzuspielen, ahnten die Musiker noch nicht, um welchen Film es tatsächlich ging. Erst kurz vor den Aufnahmen wird klar, dass es sich um Musik für den Oscarkandidaten schlechthin handeln würde, aus der Feder des japanischen Star-Komponisten und Produzenten Ryuichi Sakamoto. Dieser ist über You-Tube-Videos auf den experimentellen Charme des Percussion-Ensembles aufmerksam geworden.

„Da wir ja nicht wussten, was uns genau erwartet, hatten wir einfach mal alles eingepackt, worauf sich schlagen und Musik machen lässt“, erinnert sich Musikstudent David Gutfleisch: Tom-Toms, Becken und chinesische Trommeln, aber auch Triangeln, Rasseln und Glocken und vom „Frantic Percussion Ensemble“ eigens entwickelte Instrument-Konstruktionen. 
„Für die Untermalung der verschiedenen Kampf- und Verfolgungsszenen bekamen wir ein paar Regieanweisungen aus dem Film und grobe Vorgaben bezogen auf die Wahl der Instrumente, der Tempi oder der Taktarten, die wir künstlerisch umgesetzt haben.“

Gut eine Woche lang haben die Schlagzeuger im Studio an der musikalischen Dramaturgie einiger Szenen gearbeitet, mit Stricknadeln und Stühlen auf die Studiowand getrommelt oder mit einem Flummiball auf einer Trommel das unheilvolle Grollen des düsteren Films erzeugt. Nicht nur klanglich eine Herausforderung: „Wir haben sehr viel experimentiert und versucht, über Stunden so energiegeladen und treibend wie möglich zu spielen – zum Teil bis die Finger wund waren“, sagt Felix Ernst. Nie zuvor habe sich der Student so sehr ins Zeug gelegt wie für diese Aufnahmen.

Trotz Anstrengung eine einmalige und lohende Erfahrung, auf die ihn das Musikstudium an der HfK Bremen gut vorbereitet hat. „Das Spiel im Ensemble und das richtige Timing sind Grundlagen in der Ausbildung. Während der Studioaufnahmen war es unglaublich wichtig, aufeinander zu hören und schnell zu reagieren.“ Auch für die Experimentierfreude sei die HfK Bremen der richtige Ort: „Vor allem durch die Arbeit im Team und die Vielfalt an Instrumenten aus dem Bestand der HfK bekommt man immer wieder Impulse, andere Schlagwerkinstrumente auszuprobieren und neue Klangideale zu finden“, sagt Felix Ernst.

Nach dem Einblick in die professionelle Filmsoundproduktion wollen sich die Kommilitonen weiter auf ihr Studium an der HfK Bremen konzentrieren – wenn auch in Zukunft mit dem Gefühl: „Dass Millionen Leute im Kino gehört haben, was wir tun, das ist schon ziemlich cool.“

Felix Ernst und David Gutfleisch studieren an der Hochschule für Künste Bremen im Bachelor- und Masterstudiengang Künstlerische Ausbildung im Hauptfach Pauken und Schlagzeug bei Prof. Olaf Tzschoppe.

Weitere Infos und Videos zum „Frantic Percussion Ensemble“ unter:

www.frantic-percussion.com