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Wednesday | 21 October 2009

Traum nach dem Alptraum: Musik machen

HfK-Projekt „Gypsy sound“ ermöglicht junger Frau aus Tschetschenien Gesangsunterricht

HfK-Projekt „Gypsy sound“ ermöglicht junger Frau aus Tschetschenien Gesangsunterricht / Kooperation mit Schulen zur Talentförderung von Schülern mit Migrationshintergrund / Konzert unter Leitung von Can Tufan am 1.11.09

Eine Ausbildung als Sängerin? Unterricht an einer renommierten Musikhochschule? Die heute 17-jährige Esset Lianova hätte sich das vermutlich nie träumen lassen und ihre Eltern hätten qualifizierten Gesangsunterricht wohl auch kaum bezahlen können. Esset wurde in Grosny in Tschetschenien geboren. Mit den bedrückenden Erfahrungen eines schrecklichen Krieges in ihrer Heimat kam sie mit ihren Eltern nach Bremen. Heute wird ihr großes musikalisches Talent endlich gefördert. Esset erhält regelmäßig Gesangsunterricht bei HfK-Dozentin Kerstin Stöcker, und eine berufliche Zukunft als Sängerin wird für Esset tatsächlich denkbar. Möglich macht das „Gypsy sound“, ein Projekt der Hochschule für Künste, das sich bewusst an Schulen mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund wendet.

Nach einem begeisternden Konzert im Dezember letzten Jahres geht Gipsy Sound weiter. Unter der Leitung von Can Tufan investieren Schülerinnen und Schüler jeden Sonntag drei Stunden intensiver Probenarbeit. Aus einem ursprünglich zeitlich begrenzten Projekt ist inzwischen nachhaltige musikalische Förderung geworden. Im Zentrum der gemeinsamen Arbeit stehen Lieder türkischer Sinti und Roma, die Can Tufan für Chor und Orchester eingerichtet hat. Schülerinnen und Schüler aus mehreren Bremer Schulen haben sich beteiligt. Besonders gefördert wird das Projekt durch die Johann-Heinrich-Pestalozzischule. Dabei natürlich auch Studierende der HfK im Fachbereich Musik, die das Projekt tatkräftig begleiten.

In einem öffentlichen Konzert wollen die Schülerinnen und Schüler sowie die Studierenden der HfK die neuen musikalischen Früchte von Gypsy sound präsentieren. Auf dem Programm stehen türkische Lieder für Chor und Orchester, Instrumentalmusik mit dem Sazorchester, Violinenduos von Béla Bartok, russische Zigeunerlieder, Gypsy Swing für Gitarren, türkische Lieder mit Saz-Begleitung

Konzert „Gypsy sound“ am Sonntag, 1. November 2009, 17 Uhr in der Aula der Johann-Heinrich-Pestalozzischule Pestalozzistraße 9, Leitung: Can Tufan

Der Eintritt ist frei!

Zu den besonderen Erfolgen von Gypsy sound zählt – wie die Geschichte von Esset Lianova zeigt - auch die Entdeckung besonderer musikalischer Begabungen. Auch der 13jährige Burak Basar aus Gröpelingen spielt schon jetzt hervorragend das türkische Volksinstrument Saz. Er hat eine künstlerische Begabung, die von der Familie unterstützt wird, und großes Interesse an der klassischen Gitarre. Auch er erhält durch die HfK mittlerweile klassischen Gitarrenunterricht und macht dabei schnelle Fortschritte. Der junge Bremer Geiger Jannis Rieke ist als Jungstudierender und Schüler von HfK-Professor Thomas Klug bereits an der HfK integriert. Das besondere Studienangebot für Jungstudierende, mit dem die HfK jungen Talenten schon während ihrer Schulausbildung eine hoch qualifizierte musikalische Ausbildung bietet, soll nun möglichst auch für Esset und Burak eröffnet werden.

Can Tufan als künstlerischer Leiter stammt aus dem türkischen Teil Zyperns und singt seit einigen Jahren am Bremer Theater - aktuell in der Rolle von Sibels Bruder in der Oper Gegen die Wand. In den 80er und 90er Jahren hatte er in der Türkei und auch in Spanien Erfolge als Popsänger. Im Duo Alla Turka – Alla Franga mit dem Gitarristen Andreas Lieberg hatte er Konzerte in ganz Europa. Außerdem leitete er mehrere türkisch-deutsche Chöre in Bremen. Durch seine musikalische Vielfalt ist er bei nahezu allen Türken in Bremen eine anerkannte Größe und war so auch für die HfK prädestiniert, Gypsy sound künstlerisch zu leiten. Das Orchester kommt vor allem vom Gymnasium Obervieland und wurde von Johannes Luig aufgebaut. Die Chorsänger sind zum großen Teil Schüler der Johann-Heinrich-Pestalozzischule in Gröpelingen. Angeregt durch das Projekt ist an dieser Schule ein Kinderchor entstanden, dessen Entwicklung von der HfK begleitet wird.